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Die Freiheit der Pole

Die Arktis ist nicht erst durch die zurückliegende Phase der Klimaerwärmung zum Politikum geworden, weil dort neue Schiffahrtswege nutzbar werden ("Nordwest-Passage"), sondern auch durch die veränderte Lage nach der Auflösung der Sowjetunion. 

Ulrich F. Gerhard

Dadurch ergeben sich für die Anrainer des Nordpols nicht nur neue militärisch-strategische Optionen, sondern auch ein weitflächiger attraktiver Rohstoffabbau. Daß bei der Erschließung neuer Kohle-, Erdöl- und Erdgaslager aber ein absoluter Gegensatz zu der weltweit propagierten Anti-CO2-Politik (auch "Klimaschutz" genannt) auftaucht, scheint dabei niemanden zerstören. Ideologische Schizophrenie ist inzwischen zur anerkannten Methode geworden, wenn es heißt, verdeckte Ziele mit öffentlich breitgetretenem Gutmenschentum zu verbinden. Was man auf dem Ladentisch handelt, wird unter dem Ladentisch ins Gegenteil verkehrt. Man macht weiter wie bisher. Daran wird erkennbar, wie zweitrangig sogenannte Klimaabkommen sind, wenn es um die Durchsetzung knallharter wirtschaftspolitischer Interessen geht.

Die Insel Spitzbergen ist ein Ort besonderer strategischer Bedeutung, der keineswegs nur für das Hitlerreich interessant war. Auch die NATO entdeckt dort Begehrlichkeiten, die dann gern mit der Verteidigung sogenannter westlicher Werte unterfüttert wird, um dem eigenen Handeln auch eine moralische Grundlage zu geben. Als wenn Werte eine Frage der Himmelsrichtung wären. Natürlich geht es um die Freiheit des Zugangs zu wertvollem Land, des Aufbaus von Stützpunkten und der Erweiterung von Einflußsphären. So wie es der früheren Royal Navy bei der "Freiheit der Meere" um ureigenste britische Interessen ging, die quasi-hoheitliche Kontrolle des Schiffsverkehrs auf dem Weltmeer zu gewährleisten. Vergleichbare Interessen wie in der Arktis findet man übrigens auch in der Antarktis, wo sich die Amerikaner trotz Beteiligung am Antarktisvertrag militärische Optionen offengehalten haben. Wie lange noch wird es dauern, bis ihre Rohstoffe ebenfalls für westliche Werte ausgebeutet werden?

Fazit:

Man kann den Globus drehen und wenden, wie man will, es kommt immer auf dasselbe heraus. Wirtschaftspolitik ist Einflußbereichspolitik und Machtpolitik gleichermaßen. Nur die Methode wechselt. Ob Meeresausbeutung durch Fangfabrikschiffe, Landgrabbing, Erzabbau, Palmölplantagen, Pipelineführungen bleibt sich eigentlich gleich. Wo das Investorengeld nicht sofort Zutritt hat, wird per militärischer Drohung Druck gemacht. Auch wenn heute das Wort "Friedenssicherung" inflationär benutzt wird, haben sich die alten politischen Muster, das alte Blockdenken, die alten Vor- und Fehlurteile, die ideologischen Zielsetzungen nicht verändert. Da es zunehmend enger wird auf dem Planeten, möchte man noch rechtzeitig ein besonders großes Stück vom Kuchen ergattern, bevor sich Konstellationen entwickeln könnten, die nicht mehr so schnell reversibel sind oder nur unter großen Risiken.

(Orthographie und Interpunktion des Autors wurden beibehalten)

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