Members of the media gather in front of the five-star hotel Baur au Lac in Zurich, Switzerland, 27 May 2015. EPA/ENNIO LEANZA +++(c) dpa

Die FIFA-Skandale unter der Führung von Präsident Joseph Blatter

Zürich (dpa) - Mit der Festnahme von sechs Fußball-Funktionären am
Mittwochmorgen in Zürich steht der FIFA unmittelbar vor ihrem
Wahlkongress ein weiterer Skandal bevor. Präsident Joseph Blatter ist
nach ersten Informationen nicht involviert. Offenbar betreffen die
Ermittlungen der US-Behörden um Bestechungszahlungen für
Vermarktungsrechte sogar auch schon die Zeit vor der Regentschaft des
Schweizers seit 1998. Die Liste der Eklats im Fußball-Weltverband
unter der Führung Blatters ist aber lang. Eine Auswahl:

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL 1998: Der damalige FIFA-Generalsekretär
Joseph Blatter gewinnt die Präsidentschaftswahl gegen UEFA-Präsident
Lennart Johansson kurz vor WM-Beginn in Frankreich. Bis heute stehen
Vorwürfe über angebliche Zahlungen von je 50 000 Dollar an
afrikanische Delegierte in einem Pariser Hotel im Raum, die Blatter
beharrlich zurückweist.

DER ISL-SKANDAL: Blatters Präsidentschafts-Vorgänger Joao Havelange
und dessen ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixera kassierten
Millionen Schmiergeld für WM-Marketing-Deals mit dem später Pleite
gegangenen Vermarkter ISL. Blatter wurde von allen Verdächtigungen
freigesprochen, obwohl er 1997 als Generalsekretär eine Zahlung an
Havelange von 1,5 Millionen Schweizer Franken persönlich
zurücküberwiesen und somit offenbar zumindest Kenntnis vom System
hatte.

DIE WM-VERGABE 2018 UND 2022: Schon vor der Doppel-Vergabe an
Russland und Katar wurden zwei FIFA-Exekutivmitglieder wegen
nachgewiesener Bestechlichkeit suspendiert. Die Vorwürfe gegen die
beiden künftigen Gastgeber wurden schließlich aufwändig von der
FIFA untersucht, aber von den Ethikhütern ohne maßgebliche Ergebnisse
eingestellt. Der Generalverdacht wurde aber nie entkräftet. Vom
damaligen Exekutivkomitee sind künftig wohl nur noch acht von damals
22 Mitgliedern in dem mächtigen Gremium.

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL 2011: Lange schien es, als könne der Katarer
Mohamed bin Hammam Blatter bei der Wahl 2011 tatsächlich gefährlich
werden. Dann stolperte der Funktionär kurz vor der Abstimmung über
konkrete Bestechungsvorwürfe aus der Karibik. Die 35 Stimmen aus der
CONCACAF-Zone galten als entscheidend. Blatter hatte den Verbänden
eine Million Dollar als offizielle FIFA-Zuwendung versprochen. Bin
Hammam versuchte es inoffiziell mit 40 000 Dollar pro Verband - und
flog auf, weil ihn andere mittlerweile der Korruption überführte
Funktionäre anschwärzten.

WM-TICKETS: Der Umgang mit von Millionen Fans begehrten WM-Tickets im
Exekutivkomitee war schon häufig lax. Jack Warner trieb es 2006 auf
die Spitze, als er die Vermarktung in seinem für das Turnier in
Deutschland qualifizierten Heimatland Trinidad und Tobago übernahm.
Sein Familienunternehmen strich angeblich 900 000 Dollar Provisionen
ein. Die FIFA-Untersuchungen konnte keine Verdachtsmomente gegen
Warner, sondern nur gegen dessen Sohn ergeben. Warner senior kam mit
einer Verwarnung davon. Warners Exko-Kollege Ismail Bhamjee aus
Botswana wurde 2006 überführt, zwölf WM-Karten auf dem Schwarzmarkt
verkauft zu haben. 2014 in Brasilien gab es Berichte über vermutlich
illegal veräußerte WM-Karten aus dem Besitz des mittlerweile
verstorbenen argentinischen Topfunktionärs Julio Grondona.