Die ersten neunzig Tage – der Nahostkrieg im Spiegel meines Sudelbuchs Teil 2 (1.-30. April 2026)

Während der erste Teil den Zeitraum 28. Februar-31. März abdeckt, kommen hier die Notate aus dem April 2026.

Von Helmut Roewer

1. April 2026

     Nein, kein Scherz, der Don hielt gestern wieder eine seiner Märchenstunden im Oval Office ab: Im Iran ist in 2 Wochen Pumpe. Spätestens. Dann ist dort alles, was schießen kann, zerstört. Straße von Hormus? Kein Problem. Das ist Sache der Franzosen. Wenn die den Weg brauchen, sollen sie sich halt darum kümmern.

     Persische Märchen (2): Die Weltwirtschafts-Analyse von Egon W. Kreutzer, die in der vorvergangenen Nacht bei mir eintrudelte, beschreibt die Lage des März etwas anders. Zwar wird die Zerstörung der Gas- und Öl-Produktion im Nahen Osten durch die israelisch-amerikanische Allianz in erster Linie Europa und Asien schwer beschädigen, doch die US-Wirtschaft wird den Folgen dieses Desasters, wenn auch mit leichter Verzögerung, kaum entgehen können. Dort wird es zuvörderst die amerikanische Export-Wirtschaft treffen, weil deren Märkte nicht mehr da sein werden.

     Persische Märchen (3): Sog. Konservative hierzulande feiern den Angriff gegen Persien als große Tat der Menschheitsbefreiung. Israel ist gerettet, so sagen sie. Zugleich nutzen sie die Gelegenheit zu wilden Attacken gegen den Vorsitzenden der AfD. Der könne nichts, verstehe nichts und seine Partei sei nicht mehr wählbar. Frage mich, a) ob diese Maulhelden je AfD gewählt haben, und b) ob sie bemerken, dass sie mutterseelenallein auf dem Marktplatz stehen?

2. April 2026

     Der Feldherr spricht heute Nacht zur Nation und zur Welt: Die Kriegsziel wurden fast vollständig realisiert. Es folgen jetzt nie dagewesene vernichtende Militärschläge gegen die uneinsichtige iranische Führung. – Wie passt das zusammen? Gar nicht. Der Don hat jedes Maß verloren und will nur noch aus diesem Desaster als Sieger vor sein Volk treten. Morgen wird er wieder etwas anderes mit starker Stimme verkünden.

 

     Feldherren (2): Gestern traf das jüngste Heft der Foreign Affairs in meinem Briefkasten ein. Jetzt liegt es oberflächlich überflogen auf meinem Schreibtisch und erzwingt Gedanken über den Hegemon und seinen Strategiewandel. Der sieht – in meinen Worten – so aus: Die USA müssen sich, wenn sie der Hegemon bleiben wollen, auf eine neue Gefahr konzentrieren, um diese abzuwehren. Die Gefahr heißt Deutschland. Jaja, ganz richtig gelesen. Diese neuen Phantasien bedürfen einer genaueren Bewertung, denn sie bedeuten Sprengstoff für unser Land.

4. April 2026

     Die Perser holten gestern ein US-Kampfflugzeug, das sich in ihren Luftraum vorgewagt hatte, vom Himmel. Damit wäre auch das geklärt, wie es um die amerikanische Luftherrschaft in Nahost bestellt ist, während nur in der Lufthoheit über den US-Propaganda-Stammtischen das Gegenteil stattfindet. Derzeit läuft eine Jagd nach dem zweiten Piloten, nachdem einer der beiden in einer vermutlich gemeinsamen israelisch-amerikanischen Aktion aus dem Südiran gerettet werden konnte. Noch hat den zweiten keine der beiden Kriegsparteien entdecken können. Wir wüssten sonst davon.

     Krieg in Persien (2): Derzeit findet die Zusammenziehung einer angeblich gewaltigen US-Bodenstreitmacht in Nahost statt, bestehend aus Marines und der 82. Luftlande-Division. Wen oder was wollen die US-Boys damit angreifen? Ein Blick auf die Landkarte des riesigen, von Wüsten durchzogenen Landes weckt berechtigte Zweifel am Sinn dieser Mission.

     Krieg in Persien (3): Für übermorgen (Ostermontag) hat der Don dem Iran die Hölle versprochen. Mit was denn? Mit 2 Infanteriedivisionen und einer Luftwaffe, die sich nicht in den iranischen Luftraum hineintraut?

     Krieg in Persien (4): Deutsche Alternativ-Medien sind nach wie vor beschäftigt, die Berechtigung dieses Angriffskriegs nachzuweisen. Sie machen gelehrte Bemerkungen über das Völkerrecht als solches, beachten indessen die Grundregel nicht: Recht hat im Völkerrecht nur der, der den Krieg gewinnt.

6. April 2026

     Vor unsern Augen läuft der Netflix-Thriller Rettet den Air Man ab. In ihm wird gezeigt, wie das große und gute Amerika seine fliegenden Helden aus der westpersischen Wüste evakuiert, die dort dummerweise vom Himmel gefallen sind. Heute Nacht meldete der Don den Erfolg. Die Medienwelt applaudiert dem Feldherrn auf breiter Front.

     Helden (2): Bleibt die Frage unerörtert, was die US-Boys in der Gegend zu suchen hatten. Nun, ich nehme an, dass sie nicht zufällig dort waren, wo geschossen wird, sondern Teil einer geplanten Operation gegen den Iran. Es sollen sich nämlich Erdkämpfe im Großraum Isfahan abgespielt haben, von dem bekannt ist, dass er a) in Persien liegt, und sich b) dort Elemente der iranischen Atom-Industrie befinden.

     Helden (3): Ich stelle mir vor, das ein massives Kommando-Unternehmen dort stattfand oder doch zumindest stattfinden sollte. Die gemeldeten Flugzeugverluste sprechen dafür: Es ist nicht nur die abgeschossene F 15, sondern eine üppige Reihe von Flugzeugverlusten gemeldet worden: 2 weitere Kampfflugzeuge, 2 Großraum-Transportflugzeuge, 2 Kampfhubschrauber und mancherlei mehr, was von Air Force Liebhabern bewertet werden mag. Und die waren zur Rettung von 2 F 15-Männeken in Persien unterwegs? Das kann man bestenfalls den Fernsehzuschauern erklären. Mir hingegen nicht.

     Helden (4): So erklärt sich, dass der Don neben seiner nächtlichen Jubelmeldung erneut schreckliche Drohungen gegen den Iran vom Stapel gelassen hat. Morgen will er das Land in Schutt und Asche legen. Habe ich falsch in Erinnerung, dass er vor drei Wochen das persische Volk von seiner fatalen Führung befreien wollte? Zwischenstufe zur Befreiung soll offenbar die Vernichtung sein. Ist er bei Sinnen? Ich zweifele.

     Helden (5): Deutsche Journalisten aus dem Tichy-Stall wollen soeben in Erfahrung gebracht haben, dass in dieser Woche ein Waffenstillstand ausgerufen werden wird, den die Pakistaner vermittelt haben. Der vermutliche Verfasser dieser Redaktions-Meldung (Goergen) räumt auf ironische Zwischenrufe aus der Leserschaft, er kopiere offenbar eins zu eins israelische Propaganda, ein, auf irgendwelche Quellen müsse man sich schließlich stützen. Falls tatsächlich der Wind von Tel Aviv her weht, bestätigt das meine Vermutung, dass sich die Widerstandskraft der israelischen Angreifer dem Ende zuneigt, weil ihnen die Antiraketen-Raketen ausgehen und auch sonst nicht alles zum Besten steht. Das Ganze wäre dann lediglich eine Kopie der Ereignisse des Vorjahrs. Fraglich ist allein, wie sich die extrem radikalisierte Führung in Teheran jetzt verhält.

7. April 2026

     Die angeblich allerletzte Frist des Don zum Beidrehen lief für die Führung des Irans heute Nacht ab. Der offenbar noch lebende Parlamentspräsident ist in vermutlichen Aussagen zu sehen. In dieses Videos sagt er: Nein. Nein, zu dem offenbar letzten Schrei einer 45tägigen sofortigen Waffenruhe, die ihm via Pakistan übermittelt worden war. Kann man nachvollziehen, wenn man seine Perspektive einnimmt. Die lautet: a) Mit diesem Gegner sind ernstzunehmende Vereinbarungen unmöglich, wie die Vergangenheit lehrt. b) Wozu dem Gegner eine Verschnaufpause zum Aufmunitionieren gewähren?

9. April 2026

     Gestern trat der Don vor die Weltpresse, um einen Deal mit dem Iran und zugleich einen großen Sieg zu verkünden. Bei näherem Hinsehen handelt es sich um eine 14tägige Waffenruhe, beruhend auf einem in Pakistan ausgehandelten 10 Punkte-Plan. Sieht man noch etwas näher hin, kommen einem diese 10 Punkte irgendwie bekannt vor. Und richtig, es handelt es sich um die von den Persern vor etlichen Tagen bereits bekanntgemachten Bedingungen, um den Krieg zu beenden.

     10 Punkte (2): Hierzu zählen so illustre Dinge wie der Abzug der US-Kampftruppen aus dem Nahen Osten, die Öffnung der Straße von Hormus unter persischer Kontrolle des dortigen Schiffsverkehrs, die Fortführung des persischen Atomprogramms einschließlich der Anreicherung von Uran, die Einbeziehung des Libanons in den Waffenstillstand.

     10 Punkte (3): Die Israelis haben unverzüglich erklärt, dass sie sich hieran nicht halten werden.

     10 Punkte (4): Bei dieser offensichtlichen Nichtübereinstimmung der verbündeten Angreifer in diesem Krieg (USA & Israel) ist es kein Wunder, dass heute bereits der Streit um die Reichweite der Vereinbarung begonnen hat. Vize Vance wird als erster der Amerikaner dahingehend zitiert, dass der Libanon selbstredend nicht in den Waffenstillstand inkorporiert worden sei.

     10 Punkte (5): Es ist kaum anzunehmen, dass die Perser dies hinnehmen werden. Folglich besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie mit dem Beschuss von Israel im Zweifel fortfahren werden. Bei diesen Voraussetzungen ist es kaum wahrscheinlich, dass der Waffenstillstand das Ende seiner Vereinbarung (14 Tage) erreicht. Es ist offensichtlich, dass Israel den Krieg verlängern will.

     10 Punkte (6): Nun kommt es darauf an, ob die USA dies zulassen. Das ist angesichts der völlig aus dem Ruder rationaler Entscheidungen entsprungenen US-Führung auch nicht vage vorhersehbar. Es sieht hingegen so aus, als habe die Masse der US-Amerikaner mittlerweile (falls nicht von Anbeginn an) deutliche Vorbehalte gegen diesen Krieg, der ihnen als einziges sichtbares Ergebnis massive Benzinpreiserhöhungen beschert hat.

     10 Punkte (7): Letztlich muss die Frage beantwortet werden, ob es der zionistischen Lobby in den USA noch einmal gelingt, den US-Präsidenten auf Israel-Kurs zu zwingen. Es erscheint vorstellbar, dass er sich in eine Alles-oder-nichts–Position verrennt. Die nächsten Tage werden es zeigen.

10. April 2026

     So kann es nichts werden. Der Don erklärt die Weltlage erneut etwas anders, als man es nach der Vereinbarung von Islamabad vermuten durfte. Jetzt bemängelt er, dass die Straße von Hormus immer noch nicht frei befahrbar sei, und vom Maut, den die Perser nunmehr erheben, will er nichts gewusst haben. Deswegen, so lässt er wissen, werde die US-Armada im Nahen Osten bleiben, um im Bedarfsfall dem angeschlagenen Gegner den Rest zu geben. Nur zur Erinnerung: Die Vereinbarung von Dienstagnacht sah anders aus. Vor unsern Augen läuft ein riskantes Spiel ab. Keiner will den ersten Zug machen.

     Kriegerisches (2): Zum Verhandlungsführer des Imperiums hat Trump seinen Vize ernannt. Die bisher vorlauten Herren Kushner und Witkoff scheinen in der Versenkung verschwunden. Sie taugen für den Schwarzen Peter des jetzt möglichen Scheiterns nicht, auch sind sie genügend beschädigt, weil ihnen und ihren Meldungen der Kriegseintritt Amerikas angelastet wird. Vielleicht ist Vance klug genug, sich bei seinem Auftritt in Pakistan richtiger Diplomaten zu bedienen, deren Horizont über die Interessen von Tel Aviv hinausreicht, weil sie wissen, dass die Welt in Nahost komplizierter ist und den Amerikaner in jener Region niemand, der bei Verstand ist, noch über den Weg traut. Ich weiß nicht, ob es dortzulande überhaupt jemanden gibt, dessen Vorstellungskraft so weit reicht.

     Kriegerisches (3): Selbstredend hält sich Tel Aviv nicht an das Vereinbarte und hat in den letzten zwei Tagen durch Raketenangriffe auf Beirut auf sich und seine Sonderrolle aufmerksam gemacht. So ganz wohl scheint es dessen Kriegsherren hierbei nicht zu sein, denn sie haben die Welt wissen lassen, dass sie sich ab sofort an Libanon-Gesprächen in Pakistan zu beteiligen gedenken. Sowas kommt nicht aus Friedenswillen zustande, sondern da gibt es einen Hintergrund, über den man lediglich spekulieren kann. Zwei Gründe scheinen mir denkbar: a) Die Verluste des letzten Monats sind viel höher, als bislang zugegeben. b) Die Fronde der zionistischen Unterstützer in den USA bröckelt, weil Israels Krieg Mittel verschlingt, die so nicht eingeplant waren.

11. April 2026

     Jetzt beginnt im Nahen Osten der Nervenkrieg. Die Frage lautet, ob es dem US-Vize gelingt, die Sache zu einem Ende zu bringen, ohne dass sein Boss zusammen mit seinem Gespielen aus Tel Aviv zum nächsten Schlag ausholt. Mittlerweile pfeifen es in den USA die Spatzen von den Dächern, dass Trump die Sache vergeigt hat. Er hat noch fast drei Amtsjahre vor sich. Viel Zeit, um weitere Schäden anzurichten.

     Die US-hörigen Hanseln im deutschen Mainstream schweigen betroffen, oder sie rufen wie bei der Springer-Journaille Einerseits-andererseits, weil sie auf die Zeit nach Trump hoffen. Hoffen sie tatsächlich auf die Rückkehr der Neocons? Die werden kaum helfen können, denn das Porzellan in Nahost ist zerschlagen.

     Von der Ostfront hört man derweil nichts Neues, genauer gesagt: man hört gar nichts mehr. Ein breiter Streifen rechts und links der sog. Kontaktlinie (frühere Strategen nannten das die Hauptkampflinie – HKL) ist zur Todeszone erstarrt, in der mit Drohnen auf alles, was sich bewegt, Jagd mit tödlichem Ausgang gemacht wird. Nichts geht mehr. Wer hätte das noch vor Kurzem für möglich gehalten, dass die belächelten Spielzeuge zur kriegs-bestimmenden Waffe werden würden? Es sieht so aus, als habe hierbei keine der beiden Kriegführenden die Nase eindeutig vorne, obwohl in der Propaganda anderes behauptet wird. Ich gebe mir keine Mühe, die Namen und die Eigenschaften der Drohnen beider Seiten auswendig zu lernen.

     In Deutschland pfeift derweil Fritz der Kanzler seine CDU-Wirtschaftsministerin zurück, weil diese sich aufgerafft hat, die sog. Reformvorschläge der SPD als schädlich für Deutschland zu kennzeichnen. Welche Folgerungen werden zu ziehen sein? Keine.

12. April 2026

     Sonntagsgedanken: Der Begriff christliches Abendland ist eine hohle Floskel. Erst wenn man das Christliche weglässt, erkennt man mit einige Mühe den Umriss unserer Kultur, denn das Christentum hat in unserer Gegend keinerlei Prägekraft mehr. Es ist an der Aufklärung zerschellt, und die traurigen Reste üben sich in Selbstdemotage, indem sie sich in der Illusion wiegen, eine Koalition mit dem Islam eingehen zu können.

     Sonntagsgedanken (2): Das Christentum war ein Ableger der jüdischen Wüstenreligion. Es versuchte von Anfang an den Spagat zwischen dem alttestamentarischen Rachegott, der Spaß daran hatte, die ganze Menschheit absaufen zu lassen, und seinem revoltierenden Erlösungs-Sohn.

     Christentum (3): Leute, die mal das eine und im nächsten Moment das Gegenteil für wahr halten, nennt man für gewöhnlich schizophren. Hierbei handelt es sich, mit kaltem Verstand betrachtet, um eine Geisteskrankheit.

     Christentum (4): Eine fast zweitausend Jahre andauernde blutige Geschichte christlicher Gewalttaten nähert sich ihrem Ende. Wir sind Zeuge, wie das Regime in Washington, das in schier unerträglicher Weise die christlichen Werte auf seine Propaganda-Fahnen geschrieben hat, soeben dabei ist, seinen Untergang zu inszenieren. Mit Staunen betrachten wir, wie ein an Grausamkeit kaum zu überbietender Enthauptungsschlag gegen eine fremde Kultur (die persische) dazu geführt hat, dass sich aus dem Pulverdampf eine dortige Führungsschicht herausschält, die es bitter ernst meint, und vor der man sich nur fürchten kann, weil sie den Tod offenbar nicht fürchtet.

     Christentum (5): Die von der Trump-Regierung erbettelte Waffenruhe, ist nach zehnstündigen Verhandlungen in Islamabad obsolet geworden, nachdem die Amerikaner unter Vance das Scheitern der Gespräche erklärt haben. Hormus, Urananreicherung und Libanon heißen die drei US-Stolpersteine. Währenddessen erklärt Trump zwischen Washingston und Miami herumjettend, dass er den Krieg gewonnen habe. Ist er noch bei Sinnen? Zumal sein Mündel in Tel Aviv vollmundig erklärt, unter seiner Führung werde der Krieg weitergeführt. Aha, er führt den Krieg. Das Töten geht also weiter.

13. April 2026

     Gestern ist dem größten Feldherrn der Gegenwart ein erleuchteter Gedanke gekommen. Er wird mit der US-Marine nun seinerseits die Straße von Hormus sperren, genauer gesagt: die gesperrte Straße von Hormus. Das heißt, die Navy wird die Tanker, die von den Persern durchgewunken wurden, nun ihrerseits festhalten. So kann man die Ölpreise weiter hochtreiben. Sollte das nicht bis vorgestern verhindert werden?

     Hormus (2): Die Doppelblockade trifft nicht nur die Perser, sondern vor allem deren Öl-Abnehmer, in erster Linie China, Indien und Indonesien und, fast vergessen, Australien. Die Europäer lassen wir mal als Sonderposten beiseite. Nochmal also China: Ist es vorstellbar, dass die Chinesen diesen Angriff auf ihre Wirtschaft unwidersprochen hinnehmen? Eher nicht. Es spricht alles dafür, dass wir in Kürze deren Kriegsschiffe als Begleitschutz gegen Piraterie im Persischen Golf zu sehen kriegen. Ob die US Navy auf diese schießen wird, scheint mir nicht ausgemacht.

14. April 2026

     Man konnte die Uhr danach stellen, dass die Führung in Teheran auf die amerikanische Ankündigung, nun selbst auch die Straße von Hormus zu sperren, drastisch reagieren würde. Sie kündigte eine Sperrung aller Häfen am Golf an. Ob hinter der Drohung eine realistische Möglichkeit steckt, kann man schlecht sagen, jedenfalls dreht sich die Schraube der Drosselung der gewohnten Weltwirtschaft, die vom Öltransport unmittelbar abhängig ist, eine Drehung weiter Richtig Kollaps.

     Frankreich und England haben in unerwartet deutlicher Form geltend gemacht, sich an den US-Maßnahmen nicht zu beteiligen. Sie haben zur Hormus-Straße-Öffnungs-Konferenz eingeladen. Ob Letzteres realistisch ist oder nur heiße Luft, muss sich zeigen, wenn es um die Beteiligung von Persien geht. Will man von den Persern nichts wissen, kann man sich die Reisekosten nach Wo-auch-immer sparen. – Und Fritz der Kanzler? Will der auch was? Ja, er will auf anderthalb Groschen der Benzin-Steuer verzichten. Aber nur für zwei Monate. Nein, das muss man nicht kommentieren.

     Nur Israel steht noch an der Seite des Bocksprünge vollführenden Trump. Es erneuert seinen Aufruf zum Kampf. Was wohl sonst? Immerhin sollte man in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen, dass ein Sprecher des chinesischenAußenministeriums sich zu Wort gemeldet hat. Er merkte sinngemäß an, dass, wenn Israel zur Atombombe greife, es in kürzester Frist kein Israel mehr geben werde. Das ist eine so drastische Drohung, wie wir sie in den Jahrzehnten des Konflikts um den Staat der Juden in Palästina noch nicht zu hören bekommen haben, denn sie bedeutet in Klardeutsch, Israel durch einen Atomschlag auszulöschen. Ich habe meine Zweifel, ob der Inhalt der Meldung bei den deutschen und sonstigen Meinungshelden überhaupt angekommen ist.

15. April 2026

     Die pakistanischen Mediatoren decken die dreiste Lüge der USA auf: Selbstredend war bei den Waffenstillstandsgesprächen zwischen den Kriegsparteien der Libanon inkorporiert. Erst als man nicht weiterkam, weil die Amerikaner Forderungen auf den Tisch brachten, die von den Persern zurückgewiesen wurden, war vom Libanon plötzlich keine Rede mehr. Vance sprach von einem Missverständnis. Genauer hätte er formulieren müssen: Bibi in Tel Aviv will weiterbomben. Noch lassen die Perser ihn gewähren. Sie konzentrieren sich auf die Blockade.

     Lügen (2): Ob dem Vize klar ist, dass er sich durch sein Tun ins Traumhaus von Trump einschließt? Sollte es zu einer Gesamtabrechnung für diesen Krieg kommen, wird er kaum noch als Retter daneben stehen können. Ich dachte, er wäre geschickter.

     Lügen (3): Im Netz kursieren Bilder, die man kaum glauben kann. Das eine betrifft 50 US-Kommando-Soldaten, die mit Portrait, Namen und Dienstgrad, der Öffentlichkeit als persische Kriegsgefangene präsentiert werden. Kann sein, dass das zutrifft, eine Bestätigung aus dem Pentagon steht noch aus. Das andere Bild ist noch weniger wahrscheinlich, denn es zeigt Trump auf seinem Account als Gemälde in der Rolle des Messias. Ich will nicht glauben, dass das von ihm selbst stammt. Falls doch, ist er reif für die Klapsmühle.

16. April 2026

     Unverhofft kommt oft. Etliche amerikanische Trinkwasser-Versorger haben den Fluor-Anteil von den empfohlenen und üblichen 0,7 mg/l auf 0,4 gesenkt. Keineswegs freiwillig, sondern sie stecken in einer handfesten Versorgungssackgasse. Ihrem israelischer Hauptlieferanten ist der Stoff, wie man so sagt, ausgegangen. Hieran erstaunt, dass sich das amerikanische Gesundheitssystem auf den Zwergstaat Israel stützt, weniger indessen dass diesem das Wasser bis zum Hals zu stehen scheint. Aber die US-Medien wissen Rat: das liegt an dem Ayatollah-Regime. Soso.

     Fluor (2): Wenn das so weitergeht, werden wir auf das übliche, für uns oft anlasslos erscheinende amerikanische Blendax-Lachen verzichten müssen.

     Fluor (3): Was man dem Don ins Zahnputzwasser gekippt haben mag, bleibt rätselhaft, denn die Gerüchte verdichten sich, dass er die kuriosen Messias Trump-Posts tatsächlich selbst ins Netz gestellt hat. Ich kann es immer noch nicht glauben.

     Fritz der Clausewitz der Gegenwart und der kleine Mann aus Kiew haben gestern eine strategische Partnerschaft beschlossen. Heißt zu deutsch: Ihr kämpft, und wir zahlen die Zeche und – vielleicht etwas überraschend – wir werden eure Deserteure nicht zurückschicken.

     Strategische Partnerschaft (2): Ist in Bezug auf die Ukraine keineswegs neu und originell. a) Die von 1918 mit dem Hetmann Skoropazkij an der Spitze dauerte ein knappes Jahr, dann musste der Quasi-Ukrainer in Verbände eingewickelt in einem deutschen Lazarettzug fliehen. b) Die von 1941 (Ende Juni) dauerte ein paar Tage, dann sperrte man den neuen Unabhängigkeits-Helden Stepan Bandera auf Geheiß des Führers in ein deutsches KZ (als Ehrenhäftling). c) Deswegen war er im Sommer 1944 noch am Leben, als die nächste Partnerschaft beim deutschen Rückzug akut wurde. Sie dauerte ein paar Monate, bis man Bandera erneut nach Westen verfrachtete, wo er nach dem Krieg – nunmehr auf amerikanisches Geheiß und unter Falschnamen – ein aufrührerisches Leben in München führte und die Ukrainer zur Revolte aufrief.

      Strategische Partnerschaft (3): Das russische Verteidigungsministerium hat eine Liste von europäischen Firmen veröffentlicht, darunter selbstredend auch deutsche, die für die Ukraine Drohnenteile oder sogar ganz Drohnen bauen. Dmitrij Medwedjew, Putins Mann fürs Grobe, hat die Weltöffentlichkeit wissen lassen, dass diese Firmen, wenn deren Drohnen in Russland einschlagen, legitime Kriegsziele Russlands werden.

17. April 2026

     Der Völkermord im Libanon soll ab heute für 10 Tage unterbrochen werden. Sagt wenigstens der Don. Doch der hat schon vieles gesagt, was morgen nicht mehr wahr war. Der Kongress hat in beiden Häusern, wenn auch nur knapp, abgelehnt, ihm den Kriegsstecker zu ziehen. Trump brauche mehr Zeit, sind die Ablehner zu vernehmen. Die wollen es wirklich darauf ankommen lassen, dass ihnen selbst bei den Zwischenwahlen im Herbst der Stecker gezogen wird.

     Völkermord (2): Der US-Finanzminister Bessent hat vorgestern bekannt gegeben, dass und wie er den Krieg gegen den ungehorsamen Iran weiterführen wird, nämlich durch Sanktionen – die laut Bessent genauso wirksam sind wie das Bombardement – gegen alle Staaten dieser Erde, die es immer noch wagen, mit dem Regime in Teheran Handel zu treiben. Okay, wer nicht hören will muss fühlen, die US-Tankstellen geben Auskunft.

     Völkermord (3): Dan Cane, der oberste US-Soldat springt dem Finanzminister zur Seite: Die Navy wird jetzt weltweit Schiffe aufbringen, die aus Persien kommen, dort hinwollen oder deren Waren an Bord haben. Für Geschichtsfans: Der Unabhängigkeitskrieg, der vor 250 Jahren in den Staat USA einmündete, beruhte vor allem auf Kaperkrieg auf den Weltmeeren gegen das britische Empire. Die jetzige Piraterie hat also Tradition.

     Völkermord (4): Bei Tichy wird ernsthaft erörtert, dass die USA den Ölmarkt neu geordnet hätten, wenn auch auf höherem Niveau. Ja, so kann man das Morden auch nennen. Aber nicht vergessen: Man muss Sieger sein, sonst kann man solche Erzählungen nicht durchsetzen. Nehme mal an, dass sich vor allem die Staaten am Golf ihre eigenen Gedanken machen.

18. April 2026

     Der Iran öffnet ab sofort die Straße von Hormus. Er wird sie wieder schließen, wenn Israel im Libanon den gestern mühsam ertrotzten Waffenstillstand bricht. Das kann nicht sehr lange dauern.

     Hormus (2): Der Don teilt mit, dass er seinerseits die Blockade nicht aufheben wird, bis Teheran seine Forderungen erfüllt hat. Er nennt dies, einen Deal machen, im Klartext: sich seinem Diktat unterwerfen. Das wird nicht passieren.

     Hormus (3): Wie angesichts dieser Lage die schweitzerische Weltwoche den Don zum chinesischen Strategen Sun Tsi ernennen kann, finde ich zum Lachen. Die realen Chinesen in Peking sicher auch. – Nebenbei: Ich bezweifle, dass der Don, der sich neuerdings für den Messias hält, weiß, wer Sun Tsi ist.

     Hormus (4): Weltweit sinken die Ölpreise. Woran mag das bloß liegen? Am Deal des Don sicher nicht, und an der Aufrechterhaltung seiner Blockade ganz sicher auch nicht.

19. April 2026

     Vorgestern erst lobte die Weltwoche den genialen Feldherrn Donald T. für seine Seeblockade Persiens und verglich ihn mit dem sagenhaften chinesischen Strategen Sun Tsi. Gestern erhielt Trump die Antwort auf sein Tun: Die Perser haben nach nur 24 Stunden die Straße von Hormus wieder dichtgemacht. So, nun ist er wieder dran. Aber vielleicht hat er auch gar keine Zeit zur Zeit, da er sich eine verbale Schlacht mit dem amerikanischen Papst liefert.

     Strategie (2):  Bei Tichy lese ich zu meiner Überraschung, wie sehr der US-israelische Überfall auf Persien von den arabischen Staaten als Akt der Befreiung vom iranischen Terror-Regime begrüßt werde. Das ist eine steile These, und ich suche begierig nach Belegen. Doch Fehlanzeige, es folgt lediglich die mehrfache Wiederholung der These.

     Strategie (3): Heute soll nun also die Waffenstillstands-Verhandlung in Islamabad wieder aufgenommen werden. Ob den US-Boys jetzt klar ist, dass die persische Seite nicht nur zur Entgegennahme der ultimativen US-Forderungen anreist? Ich zweifele, ob der Don den Ernst der Lage für seine eigene freihändige Herrschaft begriffen hat, zumal er erst gestern zwei Dinge behauptet hatte, die weit von der Wirklichkeit entfernt sind: a) Der Iran werde nie wieder die Straße von Hormus sperren, und b) das in Persien angereicherte Uran werde im gegenseitigen Einvernehmen derzeit in die USA ausgeflogen. Beides ist offensichtlicher Stuss, um Schlagzeilen zu erzeugen.

     Strategie (4): Derweil will Fritz der moderne Clausewitz deutsche Kriegsschiffe in die Straße von Hormus entsenden. Der Marine-Inspekteur fragt öffentlich nach, welche Schiffe er denn meine, da alle verfügbaren schon irgendwo herumschippern würden. Doch Fritz weiß es auch ohne Namensnennung, dass diese (die Schiffe) sehr wohl in der Lage seien, daselbst Minen zu räumen. Hat ihm einer gesagt, dass die Straße für militärischen Schiffsverkehr komplett gesperrt wurde? Okay, muss er nicht wissen, wenn es ohnehin nur um die Erzeugung von Schlagzeilen ging.

     Strategie (5): Derweil versammeln sich die sog. Europäer in Paris, um über das Schicksal des Welthandels, sprich der diversen Seeblockaden, zu beraten. Auf einem Pressefoto entdecke ich vor einem Fahnenmeer die neuen Großen Vier aus D, F, GB und I. Natürlich ohne die Perser und die Amerikaner. Was also werden sie beschließen? Im Zweifel nichts, was irgendwelche Wirkung haben könnte.

20. April 2026

     Allgemeine Lehre: Besonders blödsinnige Presseartikel lassen die Überschrift mit einem Fragezeichen enden. Nur eines ist in diesen Fällen sicher: Der Autor wagt es nicht, zu einer klaren Aussage vorzudringen.

     Fragezeichen (2): Niemand traut sich die Frage zu beantworten, wozu es im Moment eigentlich Friedens- oder Waffenstillstandsverhandlungen zwischen den USA und Persien geben soll, wenn einer der beiden Verhandler sich sowieso nicht an Verabredungen halten will.

     Fragezeichen (3): Es ist in der Tat rätselhaft, warum die Perser noch einmal mit den Siegern der Geschichte sprechen. Ich halte es für denkbar, dass mächtige Öl-Abnehmer in Pakistan und China die persische Regierung hierzu gedrängt haben. Die Erkundungstour des pakistanischen Armeechefs – er ist einer der Mediatoren in Islamabad – in die Golfstaaten in der jetzt vergangenen Woche spricht Bände. Er wird Erkundigungen eingezogen haben, wie sich die Öl- und Gasexporteure zum persischen Mautzwang für die Nutzung der Straße von Hormus positionieren. Dass die amerikanische Raketenabwehr gegen persische Angriffe einen adäquaten Schutz bietet, wird nach den Erfahrungen der letzten Wochen dortzulande niemand mehr für feststehend halten.

     Fragezeichen (4): Der Pakistaner wird zudem abgefragt haben, wie die Golfer zur persischen Forderung stehen, dass die Amerikaner ihre Stützpunkte am Golf auflösen müssen, um Frieden zu bekommen. Das wird keineswegs Knall auf Fall gehen. Man wird also sorgfältig zwischen den Zeilen lesen müssen.

     Fragezeichen (5): Jeder Beobachter, der bei klarem Verstand ist, hat sich gefragt, wie und warum die Führung in Tel Aviv im Januar in der Lage war, das große und gute Amerika in die Falle des persischen Krieges zu locken. Hierauf gibt es eine so simple Antwort, dass ich mich scheue, sie für richtig zu halten: In D.C. ist eine Riege am Ruder, die – wie sagt man das höflich? – zionistisch denkt und handelt.

     Fragezeichen (6): Zur Erläuterung des Vorstehenden liest man: Trumps enger Politgefährte seit spätestens 2016 sei Jared Kushner, angeblich ein im modern-orthodoxen Ritus praktizierender Jude (ob das stimmt, und was das letztlich genau bedeutet, weiß ich nicht), sicher dagegen ist: er ist der Schwiegersohn des Don und seit den Nuller Jahren ein enger Freund von Bibi N. Dieser wiederum wurde ?deswegen sodann ein Gast des Don bei dessen Traumhochzeit mit Frau Nr. 3, Melania, in den 2010er Jahren. Wird die Welt so simpel regiert?

     Fragezeichen (7): Kushner ist reich, sehr reich sogar. Das steht fest. Es sei wohl sein Vater gewesen, der das Kushner-Immobilien-Imperium ans Laufen brachte. Dieser wiederum stammt ab von einem jüdischen Flüchtling bzw. Auswanderer aus der stets umstrittenen Grenzregion zwischen Ostpolen und Bjelorus. Dort setzte der sich nach dem Zweiten Weltkrieg ab, nachdem er in den Pripjet-Sümpfen die deutsche Besatzung überstanden habe, um sich hernach den vorrückenden Sowjets ?anzuschließen. Soweit so gut. Wie aber schafft es solch ein in die USA einwandernder Habenichts in Nullkommanichts in New York zum Immobilienkönig aufzusteigen? Weiß das wer, oder stimmt das am Ende alles gar nicht?

21. April 2026

     Plötzlich und über Nacht ist der Nahost-Konflikt aus den Schlagzeilen verschwunden, wo doch für heute großes Getöse über einen Verhandlungs-Marathon in Islamabad auf dem Programm der Propagandisten stand. Es verhandelt aber, wie ich vermuten muss, niemand daselbst, außer der amerikanischen Delegation, und die bestenfalls mit sich selbst. In irgend einer Nebenschlagziele entdecke ich, dass ein persischer Außenamts-Funktionär geäußert habe, da gebe es nichts zu verhandeln, solange die US-Boys vertragsbrüchig seien. Soso. Diese hatten erst gestern mit Stolz erklärt, einen iranischen Dampfer irgendwo auf den Weltmeeren gekapert zu haben.

     Über Nacht (2): Fritz der Kanzler und Zivil-Gneisenau hat verärgert reagiert, als die Russen übers Wochenende die Zielkoordinaten der deutschen Ukraine-Drohnen-Hersteller ins Netz gestellt hatten. Mit soviel Offenheit hatte man in Berlin offenbar nicht gerechnet. Jetzt hat der Fritz den russischen Botschafter einbestellt. Der wird ihm sicher nachvollziehbar erklären, wie das gemeint war, und wie man in Moskau die deutsche Kriegsbeteiligung bewertet. Ob der Fritz das versteht, bleibt sein Geheimnis. Noch schützt ihn und unser Land der Umstand, dass die Russen zu klug sind, einen direkten Angriff auf einen der Nato-Staaten vom Zaun zu brechen. Das wird sich in dem Maße ändern, wie die Russen den Zustand der zerbrechenden Nato einschätzen.

22. April 2026

     Der Don spricht: Vorgestern war es ihm wichtig zu erklären, dass er keineswegs auf Bibis Rat oder gar Weisung gegen den Iran losgeschlagen hat. Zwar gehört er mit Sicherheit nicht zu meinen Lesern, aber es muss ihn unsäglich geärgert haben, dass auch viele andere mit dieser Ansicht auf dem Meinungsmarkt waren und immer noch sind. Ob es so war oder nicht, ist für ihn weniger wichtig als der Umstand, dass es für sein Ego unerträglich ist, nicht selbst für den Urheber seiner Taten gehalten zu werden. Merke: Noch gewinnt er diesen Krieg, wie er meint. Sollte er ihn für viele in Amerika erkennbar verlieren, werden wir aus seinem Mund hören, wer der Schuldige ist.

     Der Don spricht (2): Vor zwei Tagen sagte er, eine Verlängerung des Waffenstillstands mit dem Iran käme nicht in Frage, wenn sich die Perser weiterhin halsstarrig zeigten, in Islamabad zu erscheinen. Am Mittwoch sei Sense. Seit heute Nacht wissen wir, dass das Ende des Waffenstillstands verschoben werde, weil das Regime in Teheran bereits wg. der US-Blockade wackele. – Muss man nicht kommentieren.

     Der Don spricht (3): Das Regime in Cuba wird zur Unterwerfung aufgefordert. Vermutlich ein besiegbarer Gegner.

25. April 2026

     Da gibt es in Israel einen Kriegsminister, der heißt Israel Katz. Das ist an sich noch keine Meldung, doch immerhin dieses hier: Seine Armee ist jetzt wieder parat für Angriff und Abwehr, und sie werde dem persischen Staat schreckliche Verluste zufügen, damit er in der Steinzeit versinkt (Es kommt mir so vor, als sei das ein Plagiat, wobei der Urheber Donald T. heißt). Wie auch immer, jedenfalls teilt Katz ansonsten mit, man stehe Gewehr bei Fuß und warte nur noch auf grünes Licht aus Washington. Nun, da kann er womöglich lange warten, denn der Don hat gerade erst eine dreiwöchige Verlängerung des Waffenstillstands im Libanon verkündet. Bleibt die Frage, ob die Kriegsparteien das auch schon wissen. https://www.theepochtimes.com/world/israel-says-its-ready-to-hit-irans-core-infrastructure-awaits-us-green-light-6016583?utm.

     Nahost (2): Derweil teilt Bibi aus Tel Aviv mit, dass er am Prostata-Krebs operiert worden sei. Natürlich – seinem hohen Amt gemäß – erfolgreich. Irgendwo taucht in meiner Erinnerung auf, dass er seit Kriegsbeginn nicht öffentlich gesehen wurde. Die Bilder, die wir seinerzeit von ihm sahen, waren also Fake?

     Nahost (3): Es ist nicht feststellbar, was nun Stand der Dinge ist: Blockade der Straße von Hormus vs. Conter-Blockade der persischen Küste und der Weltmeere. Bei Letzterem muss irgendwo der Wurm drinstecken (fragliches Bild bei der Seekrieg-Führung – vielleicht Watt-Wurm), denn gestern wurde der US-Marine-Sekretär in die Wüste geschickt. Es ist ein Untergebener des US-Kriegsministers. Ich denke, man wird sich weder den Namen des einen noch des anderen merken müssen, denn auch den Kriegsminister werden wir alsbald als Sündenbock abtreten sehen.

     Nahost (4): Finde im Internet dieses Bild hier zur israelischen Wasserversorgung durch Meerwasserentsalzung. Es sagt mehr als tausend Worte zur Fragilität der Existenz des hebräischen Staates, denn alle diese Anlagen liegen im direkten Wirkungsbereich persischer Waffen, und sie sind vermutlich kaum zu schützen.

26. April 2026

    Hier eine Kostprobe für das, was der US-Kriegsminister im Pentagon-Gottesdienst seinen untergebenen Mitgläubigen zu Gehör bringen lässt: „Ich verfolgte meine Feinde und holte sie ein und kehrte nicht um, bis sie vernichtet waren. Ich durchbohrte sie, sodass sie nicht mehr aufstehen konnten. Sie fielen unter meine Füße. Denn du hast mich mit Kraft für den Kampf ausgerüstet. Du hast diejenigen, die sich gegen mich erhoben, unter mir versinken lassen. Du hast meine Feinde dazu gebracht, mir den Rücken zuzukehren, und diejenigen, die mich hassten, habe ich vernichtet. Sie schrien um Hilfe, aber es gab niemanden, der sie rettete. Sie schrien zum Herrn, aber er antwortete ihnen nicht. Ich habe sie fein wie Staub vor dem Wind zermalmt. Ich habe sie hinausgeworfen wie den Schlamm auf den Straßen.“

     Pentagon (2): Nun, der Bibelfeste wird sogleich sagen: Ja-doch-ja, das sagte König David, jedermann kann es in Psalm 18, 27-41 nachlesen, wobei es sich, wie eben jener jedermann weiß, um Gottes Wort handelt. Hieran wundert weniger, dass dergleichen ein evangelikaler, stark tätowierter US-Spitzen-Funktionär in einem amerikanischen Kriegsgottesdienst der Gegenwart propagiert als vielmehr der Umstand, dass sog. deutsche Christen sich in Reaktion hierauf ganz im Ernst mit der Frage beschäftigen, ob die Lehre des Juniors nicht eine ganz andere sei und zu diesem Zwecke die von diesem angeblich stammenden Weisheiten der Nächstenliebe zitieren. Als ob es darauf ankäme.

     Pentagon (3): „Gott mit uns“ stand auf den Koppelschlössern der deutschen Soldaten. Die Millionen, die erfahren durften, dass das nicht zutraf, sind bis zum heutigen Tage nicht seriös gezählt worden, stattdessen ist eine deutsche Führungskaste bemüht, sie zu Verbrechern zu stempeln und ihre Namen im Geschichtsgedächtnis der Nation zu löschen. Doch merke: Wer die Vorfahren auslöscht, hat kein Recht auf Zukunft. Oder anders ausgedrückt: Wer die Eltern schmäht, den werden die Kinder verleugnen. So erklärt sich, um die Ecke gedacht, der heutzutage weitverbreitete Wunsch nach Kinderlosigkeit.

     Pentagon (4): Stephen Whitting, der Chef des US Space Command, also des Truppenteils für den Weltraum-Krieg, ist so alarmiert, dass er an die Öffentlichkeit gegangen ist. Er moniert das als taktlos empfundene Vorgehen des Russen, der sich nicht scheut, den für Frieden und Menschenrechte durchs All rasenden US-Militär-Satelliten, deutlich kleinere russische Flugobjekte als unerwünschte Begleiter zu attachieren. Die fliegen, ohne zu fragen, in einem Abstand von 100 km hinterher und lassen sich auch, soweit man bislang weiß, nicht einfach abschütteln. Das ist schon unangenehm genug, doch der eigentliche Clou ist dieser hier: Diese Fluggeräte können schießen. Ganz konventionell. Das sieht nach einer dieser typisch russischen Lösungen aus. Simpel und wirksam. Eine Bestätigung aus Moskau steht noch aus.

     Ablenk-Fütterung: Heute Nacht fielen im Hilton Hotel in D.C. Schüsse und zwar zu einer Zeit, als geplant war, die White House Korrespondenten auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers abzufüttern. Da wurde dann nichts draus, zumal das Ehepaar Trump, wie es in den Eilmeldungen heißt, evakuiert wurde. Man sieht also, der Don bestimmt weiterhin die Schlagzeilen.

27. April 2026

     US-U-Boot versenkt Tanker auf dem Weg vom Iran nach China. Was nun?

28. April 2026

     Der gestern als versenkter Tanker gemeldete Seefahrer war in Wirklichkeit ein Containerschiff.

Persiens Außenminister spricht gestern in Sankt Petersburg bei Putin und Lawrow vor. Nehme an, sie sprachen übers Schiffeversenken. Derweil teilt Trumps Presse-Blondine mit, der Iran habe dem Don neue Vorschläge übermittelt. Klingt das glaubwürdig? Eher nicht.

     Finde beim Aufräumen ein lange vermisstes Buch: The Balfour Declaration. The Origins of the Arab-Israeli Conflict von Jonathan Schneer. 433 Seiten dichte Informationen über Weltpolitik des Empires mitten im Ersten Weltkrieg, in dem Britanniens Außenminister der Zionisten-Bewegung Land in Palästina schenkte, das nicht ihm, sondern den Osmanen gehörte. Ein Blatt Papier, das die Grundlage bildet, wenn man heute vom Existenzrecht Israels redet. – Kaufte das Buch vor genau 9 Jahren in Exeter und – erstaunlich genug – las es sogleich von vorn bis hinten, worauf ich nicht hätte schwören mögen. Doch meine Bleistift-Notate weisen es aus.

29. April 2026

     Netzfund:

     Netzfund (2): In Tichys Einblick von heute lese ich mit Verblüffung dieses hier: „Trump antwortete auf Äußerungen von Merz am Vortag, die besser nicht gefallen wären. Bei einem Auftritt vor Schülern griff der Kanzler Trump an: „Eine ganze Nation“ werde „gedemütigt durch die iranische Staatsführung, vor allem durch diese sogenannten Revolutionsgarden“. Die Amerikaner hätten „offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie“, sagte Merz – und dann noch: Trump sei „ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen“. Dem iranischen Regime hingegen attestierte der Kanzler, es sei „offensichtlich stärker als gedacht“ und könne „sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln“. Das war mehr als Kritik an Washington, das war Parteinahme für die Terrorregierung des Iran.“ – Muss man nicht kommentieren. Das steht für sich.

30. April 2026

     Wir ham’s ja: Die Bundesregierung verschenkt das Kraftwerk von Lubmin/Meck-Pomm an die Ukraine. Vielleicht erinnert sich noch wer: Das war technisch notwendig, um das vor Ort via Nord Stream ankommende Gas zum Weitertransport zu erwärmen. Es, das Kraftwerk, gehörte bis vor kurzem dem Gazprom-Konzern, dessen in D gelegenen Betriebsteile unter dem genialen Ökonomen (Robert der Denker) enteignet wurden – einfach so und ohne die vom Grundgesetz vorgeschriebenen Entschädigungen. Grundgesetz? Papperlapapp, wir woll’n doch nicht spitzfindig werden.

     Als Amerikaner hat man es wirklich schwer. Gestern warnt das US-Außenministerium vor dem Aufenthalt in der Türkei und in Aserbaidschan. Wäre es mittlerweile nicht sinnvoller, eine Positiv-Liste herauszugeben, also Staaten zu benennen, in denen US-Boys noch gefahrlos für democracy und Menschenrechte eintreten können. Fürchte allerdings, dass diese Liste ziemlich kurz wäre. Früher wäre mir als erstes Grönland durch den Kopf gegangen, aber das ist seit gut einem Jahr auch ein riskanter Ort geworden.

     Die Seestreitmacht, die das Imperium in Persiens Nähe, wenn auch mit einem Sicherheitsabstand von mindestens 300 km, hat auffahren lassen, ist beeindruckend. Ebenso beeindruckend ist es, was das offizielle Persien hierzu zu sagen weiß.

Bilder: depositphotos  / ki

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