Ein zähes Ringen zwischen den Parteien der großen Koalition in Berlin ist beendet. CDU, CSU und SPD haben sich auf den amtierenden Außenminister Frank-Walter Steinmeier als den neuen Bundespräsidenten geeinigt. Im kommenden Jahr, wenn die Amtszeit von Joachim Gauck offiziell endet, soll der SPD-Politiker in das Schloss Bellevue an der Spree einziehen.
John Brankly, Politologe
Geschätzter Staatsmann in der Politik
Frank-Walter Steinmeier wird als Politiker von einer breiten Mehrheit der Deutschen geschätzt. Er gilt als Leisetreter und Diplomat, der abseits des großen Scheinwerferlichts für Lösungen sorgt. Während einer Zeit, in der die Politik weltweit von Populisten geprägt wird, wirkt der aktuelle Außenminister wie ein Gegenkandidat. Nicht von ungefähr nennt Kanzlerin Merkel ihr Kabinettsmitglied einen reinen Vernunftkandidaten.
Die Karriere von Frank-Walter Steinmeier begann in der Staatskanzlei Hannover, unter der Führung von Gerhard Schröder. Innerhalb der SPD stieg Steinmeier zum Chef des Bundeskanzleramtes, Kanzlerkandidat und Außenminister auf. Im kommenden Jahr soll der über die Grenze der eigenen Partei beliebte und geschätzte Politiker Bundespräsident werden. Im höchsten Amt Deutschlands kann sich der Leisetreter und Diplomat treu bleiben. Ruhige Worte zur richtigen Zeit, das liegt dem gebürtigen Detmolder. Zweifel, an der Würde des Amtes zu scheitern, gibt es weder bei dem Politiker selbst noch bei den Menschen in Deutschland. Als Stimme der Vernunft ist er ein geeigneter Nachfolger von Gauck, der aus Altersgründen nicht erneut antritt.
Gegenkandidaten
Als Kanzleramtchef war Steinmeier mitverantwortlich für die Agenda 2010. Die Linke lehnt ihn deshalb als Bundespräsidenten ab und wird einen eigenen Kandidaten zur Wahl stellen. Innerhalb der Partei war Gregor Gysi lange Zeit im Gespräch. Ob der alte Rhetoriker sich tatsächlich in die zweite Reihe des deutschen Politik-Establishments begeben würde - der Bundespräsident ist nämlich einer aus der zweiten Reihe - ist sehr fraglich.
Bei den Grünen könnte es voraussichtlich auf eine Unterstützung von Steinmeier hinauslaufen, obwohl der grüne Ministerpräsident Kretschmann natürlich als erster ins Rennen geschickt wird.
Ohne einen Witzkandidaten wird es auch nicht gehen. Bei der Wahl der Bundesversammlung dürfte ferner auch ein Richter zur Abstimmung stehen. Alexander Hold, vielen Menschen in Deutschland als TV-Richter bekannt, wird von der Partei der Freien Wähler aufgestellt. Sie verfügen in der Versammlung über zehn Sitze.
Und dann wird endlich der Joker aus dem Ärmel geschüttelt, der bei der Patience den König ersetzen soll - Martin Schulz, der sich nach einem neuen Job im politischen Berlin sehnt, wurde von Gabriel als möglicher Außenminister ins Gespräch gebracht.

Joker

„Alta, wenn der Vogel tatsächlich aufgrund dieser rot-schwarzen Kungelei Außenminister wird, dann bringt es für mich persönlich das Fass endgültig zum überlaufen“, - schreibet eine Bloggerin bei Facebook als diese Nachricht durch die Ticker geht.
Wenn man bei Frank-Walter Steinmeier noch hoffen konnte, dass eine gewisse Ruhe in die deutsche Politik einkehrt, so käme mit Martin Schulz wieder jemand, der in und um Deutschland wieder nur Auseinandersetzungen stiften würde. Zu erinnern nur an seine Kluft mit Italien, undiplomatische Beschuldigungen gegenüber Russland und völliges Fehlen von Kompromissbereitschaft.
„Man kriegt schon fast den Eindruck, Gabriel arbeitet mit Nachdruck daran die Protestwähler-Zahlen durch die Decke gehen zu lassen“,- schreibt die Bloggerin weiter.
Leider, wird sie mit ihrer Meinung wohl nicht alleine da stehen.
Bilder: @depositphotos
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