Prof. Martik Gasparyan. Foto: MG

Die Arktis - ein Gebiet von Nationalem Interesse

Von Professor Martik Gasparyan, Akademiker MADEHM

Unabhängig davon, wie weit die Arktis von der Ukraine entfernt ist, wirkte sich die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen wegen dieser Frage auch auf die Kooperation bei der Erschließung der Arktis aus. So stimme Russland bei einem Treffen des Arktischen Rates in Kanada dagegen der EU den Beobachterstatus zuzusprechen und begründete dies mit der destruktiven Politik gegenüber Russland, sowohl der EU insgesamt, als auch, zum Beispiel, Deutschlands im Einzelnen. Russland hat sich in der Frage mehr in Richtung Asien gewendet. China, z.B., überschrieb günstige Aufträge auf dem Gebiet der Nordpassage und könnte jetzt dort zusammen mit Russland Öl und Gasprojekte erwirtschaften, sowie neue Transportwege erschließen. Dabei bleibt Russland für mögliche Kooperationen mit Europa auch weiterhin offen. 

Russland ist das führende Land, das sich am meisten für die friedliche Erschließung der Arktis einsetzt, darunter auch Mithilfe der atomaren Eisbrecher-Flotte.

So ist, zum Bespiel, „Lenin“ - ein Atombetriebener Eisbrecher. Er wurde noch zur Sowjetzeiten gebaut, mit dem Ziel die Nordpassage zu überqueren. 

Während der Projektarbeit und der Konstruktion erhielt der Eisprecher den Namen „Projekt 92“, zu Ehren des Elements Uran, das im Periodensystem unter der Nummer 92 zu finden ist. Er wurde zum ersten Überwasser-Schiff weltweit mit einem Atomantrieb. 1971 überquerte es - ebenfalls als erstes weltweit - das Nordpolarmeer auf dem Wasserweg. 

Die Motorleistung betrug 44 tausend PS. Die Dicke der Eisschicht, die „Lenin“ brechen konnte, betrug bis zu 2,5 Meter. Dank dieser herausragenden technischen Möglichkeiten schaffte es in den 31 Betriebsjahren ca. 654 tausend Seemeilen. Durch die Nutzung des Atomantriebs konnte der Nutzungszeitraum erheblich erweitert werden.

Dieser Atom-Eisbrecher, der in der Zeit des technischen Wettrüstens gebaut wurde, hatte das Zeug dazu unvereinbares zu vereinbaren. Es war nicht nur ein mächtiges ideologisches Instrument, sondern auch ein effektives ökonomisches Projekt. Es ist kaum verwunderlich, dass während der Eisbrecher in der Werft lag, verschiedene Delegationen eingeladen wurden - Briten, Amerikaner, Chinesen. Selbst der, zu der Zeit zukünftige, amerikanische Präsident Richard Nixon kam einmal zu Besuch. 

Es wird übrigens behauptet, dass der Begriff „friedliche Atomenergie“ dank dem Eisbrecher „Lenin“ geprägt wurde. Er wurde zur Hochzeit des Kalten Krieges erbaut, hatte aber ausschließlich friedliche Missionen - Überquerung der Nordpassage und Begleitung von Passagierschiffen. 

Es ist bekannt, dass sich der Arktische Rat zum Schlüsselorgan entwickelt hat, welches die Tagesordnung für die Region bestimmt. Die pragmatische und unpolitische Herangehensweise an die Arktis aufrecht zu erhalten, ist enorm wichtig. Es gäbe auch objektiv keine Gründe für Konflikte, geht man doch von Rohstoffvorkommen ausschließlich in den Einflussbereichen bestimmter Anrainerstaaten aus, welche auch von Niemandem in Frage gestellt werden. 

Einige Länder, äußerten sich besorgt über die Handlungen von Russland in der Region. Es wäre deshalb nicht verkehrt sich die Äußerung des US-Sondergesandten in Arktisfragen, Admiral Robert Papp, ins Gedächtnis zu rufen. Er meinte, Russland hätte allen Grund und jedes Recht seine Militärpräsenz in der Arktis zu verstärken, da die Nordpassage doch direkt entlang seiner Grenze verläuft. Es gibt keinerlei militärische Bedrohungen, die, zum Beispiel, der Aufmerksamkeit der NATO bedürften und die Arktis sollte auch weiterhin friedlich erschlossen werden.

Die friedliche Tradition der russischen atomaren Eisbrecher-Flotte erlebt heute eine Renaissance. Russland gehört der im Moment weltgrößte atomare Eisbrecher „50 Jahre des Sieges“. 

Seine Wiedergeburt erlebt auch „Lenin“. Nach seiner Stilllegung 1989, verbrachte der Uropa der Atomflotte seine Tage auf einer Militärbasis und erwartete seine Verschrottung. Nach einer Intervention der Öffentlichkeit wurde beschlossen das Schiff in ein Museum umzuwandeln, das der Geschichte der Arktis-Erschließung gewidmet ist. Um den Status eines Kulturerbe-Objektes zu erhalten, muss das entsprechende Objekt korrekt bewertet (eingeschätzt) werden. Die erste Bewertung des legendären Atomeisbrechers „Lenin“ als Kulturerbe-Objekt erfolgte durch das Zentrum „BAAO“ unter der Leitung von Professor Martik Gasparyan, der dafür die vom Zentrum entwickelte einzigartige Methodik verwendet hat. Die dadurch erhaltenen Daten bilden nun die Grundlage für die Bewertung von anderen Kulturerbe-Objekten.