Der deutschen Demokratie scheint es gerade wie Elisa, der Tochter des Kaisers Rudolf II zu ergehen. Man hat ihr das Makropulos-Elixier für ewiges Leben verabreicht und nun sie ist ins Koma gefallen.
Ich fürchte, wir alle lernen gerade eine unbequeme Lektion. Ägypten hat sie schon gelernt. Die USA haben gerade eine neue Dimension davon erfahren. Polen präsentierte Europa vor einigen Monaten ihre Umsetzung, ebenso, wie der bei allen freiheitlich-demokratischen Strukturen verhasste Orban. Er erhielt in einer demokratischen Wahl die Mehrheit der Stimmen.
Irina Tkachenko, Autorin World Economy
Ebenso, wie die Muslimbrüder in Ägypten nach dem Arabischen Frühling. Oder die mörderische Hamas in Gaza. Der rechtsnationale Front National in Frankreich schrammte nur hauchdünn daran vorbei. Donald Trump hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen! Der Brexit - noch Anfang des Jahres undenkbar - mehrheitlich durch einen Volksentscheid beschlossen. In Deutschland sind die "Andersdenkenden" unter dem Banner der AfD in mehrere Parlamente eingezogen und haben nächstes Jahr bei der Bundestagswahl alle Chancen ein zweistelliges Ergebnis einzufahren.
Und wie gehen die Etablierten damit um? Die üben sich weiter in hilfloser Rhetorik, beschuldigen die Gewinner des Populismus. Unternehmen selbst aber nichts, um das Vertrauen der Volksmasse zurück zu gewinnen. Wenn einem die Wahlergebnisse nicht zusagen, dann formuliert man das eben so: "Wir haben es mit einer Situation zu tun in der breite Wählerschichten verunsichert sind und sich zu einer Wahl hinreissen lassen, die sie sonst nie in Erwägung gezogen hätten." Das mag so sein. Ich habe allerdings gelernt, dass in der Demokratie „die Macht vom Volke ausgeht“ und sie nach dem Mehrheitsprinzip funktioniert und nicht nach dem "Wir haben den Durchblick und alle anderen sind einfach zu dämlich zu erkennen worauf es ankommt"- Prinzip.
Das ist die Lektion. Und was lernen wir nun daraus? Sollen weite Teile der Wählerschaft für unzurechnungsfähig erklärt und ihnen das Stimmrecht entzogen werden? Wir alle müssen wieder lernen Miteinander zu reden, ohne gleich überall einen Stempel darauf zu setzen.
Machen wir unsere Köpfe frei, lassen uns nicht durch Slogans und Warnungen einschüchtern.
Moral: Ruhig bleiben, nachdenken, bewusst entscheiden. Und vielleicht noch drauf hoffen, dass die Demokratie, ebenso wie Tochter des Kaisers Rudolf II, ihr Koma überwinden und weitere 300 gute Jahre bestand haben wird.
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