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Das liberale Deutschland und der Islam: ein Gegensatz?

Das zeigte auch eine im Jahr 2016 durchgeführte Umfrage des Institutes Infratest dimap, laut der über 60 Prozent der befragten 1000 Bundesbürger den Islam als keinen Teil von Deutschland sehen; zumindest nicht in kultureller Hinsicht. 

Von Ruven Davydov

Doch woher stammt diese Abneigung? Gibt es tatsächliche Ängste vor dem Islam?  Es muss einen Grund für diese gesellschaftliche Entwicklung geben, denn es sind mittlerweile nicht nur rechte Gruppierungen, die eine kritische Sichtweise auf den Islam haben. Die brutalen, europaweit statt findenden Terroranschläge sind nicht der einzige Auslöser für ein generelles Misstrauen, auch scheinbar harmlose Verhaltensweisen - wie die Vollverschleierung der Frauen - rufen bei vielen Nichtmuslimen Unbehagen hervor. Es hat den Anschein, als wären einige über die Zeit entstandenenTraditionen des Islams nicht mit der westlich-demokratischen Ordnung kompatibel. Dies ist eine wage Vermutung, doch sie ist gerechtfertigt. Bereits vor mehreren Jahren gab es in der Politik die Diskussion, ob der Islam ein integraler Bestandteil der deutschen Kultur ist. Die Position der Bundeskanzlerin in dieser Angelegenheit ist eindeutig. „Der Islam gehört zu Deutschland“, sagte Merkel 2015. Auch die ständig wiederholten Phrasen, dass die radikalen Islamisten nicht den „wahren“ Islam wieder spiegeln, sind zum politischen Alltag geworden. Es ist durchaus richtig und vor allem gesellschaftlich wichtig klarzustellen, dass die Terroristen nur eine kleine Minderheit aller Muslime ausmachen und somit keinen entscheidenden repräsentativen Wert haben. Doch gleichfalls ist es naiv zu glauben, dass die wenigen liberalen und modernisierten muslimischen Gemeinden in Deutschland den „wahren“ Islam verkörpern. Wir müssen global schauen, um auf die Frage nach der Natur des Islams besser antworten zu können. Dabei ist es durchaus adäquat einen kritischen Blick auf diesen Diskurs zu haben, auch wenn wir Gefahr laufen als „islamophob“ oder „fremdenfeindlich“ diskreditiert zu werden. Der Zweck ist nicht die Verunglimpfung des Islams, sondern dessen Anpassung an unsere westliche Gesellschaft. Muslime und Nichtmuslime könnten von so einer potentiellen Entwicklung nur profitieren, denn ein friedliches Zusammenleben beruht auf Verständnis des jeweiligen Anderen.   

Politischer Positivismus gegenüber dem Islam

„Der Islam ist eine Religion des Friedens“. Eine Aussage, die keinen empirischen oder historischen Fakten standhält. Wenn wir uns die Geschichte des Islams anschauen, lässt sich sofort feststellen, dass Krieg und Mord ein wesentlicher Bestandteil davon sind; ähnlich wie es auch beim Christentum der Fall war. Doch im Gegensatz zum Islam durchlebte das Christentum im Laufe der letzten Jahrhunderte eine Modernisierung, die eine Säkularisierung, die Trennung von Staat und Religion ermöglichte. Konfessionelle Regeln waren nun nicht mehr an das staatliche Gesetz gebunden, was ein entscheidender Faktor für unsere heutige deutsche/europäische Gesellschaft ist. Der Glaube darf die rationale Denkweise nicht komplett ersetzen. Genau dies jedoch geschieht in vielen muslimischen Ländern. Ein durchaus kontroverses Buch verfügt über einen gigantischen Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschen. Der Koran wird zu einem universellen Instrument der Wahrheit erhoben und die zum Teil gewaltfördernden Aussagen als Wort Gottes bewertet. Es ist nur logisch, dass ein solch extrem konservativer Glaube in vielen radikalen Strömungen endet. Dieser besonders schwere Fall lässt sich in Saudi Arabien beobachten, welches Aufgrund seiner religiösen Bedeutung zu einem der symbolträchtigsten islamischen Länder zählt. Dort wird ein Islam propagiert, der sich in vielen Aspekten kaum von dem der Terrororganisation Islamischer Staat unterscheidet. Frauen, Andersdenkende und sonstige Minderheiten werden oft als Menschen zweiter Klasse behandelt. Dieses System resultiert aus der islamischen Gesetzgebung Scharia, die bei strenggläubigen Muslimen einen fundamentalen Wert hat. So eine ideologische Sichtweise müsste eigentlich aus der demokratischen und rechtsstaatlichen Sicht vollkommen inakzeptabel sein. Es darf nicht sein, dass Islamkritiker in Deutschland, wie Hamed Abdel-Samad bedroht werden, weil sie eine kritische Stimme haben. Auf der politischen Agenda der Bundesrepublik steht Toleranz für Andersdenkende an einer der höchsten Stellen. Das sollte allerdings keine Einbahnstraße sein; wer toleriert werden will, muss diese Toleranz auch erwidern. In den meisten muslimischen Ländern können wir von keiner solchen Gegenanerkennung sprechen. Natürlich gibt es auch liberalere Tendenzen, doch diese müssen erst noch gedeihen, um als ein bedeutender Teil des Islams gelten zu können. So lange dieser Prozess der Modernisierung und vor allem der Liberalisierung nicht abgeschlossen ist, wird der Islam von den Meisten nicht als Teil der deutschen Kultur angesehen.

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