ARCHIV - German Chancellor Angela Merkel (R) talks to FIFA-President Joseph Blatter, left, during a ceremony in Berlin Friday, July 7, 2006, where she hands over a country's Federal Order of Merit. Foto: Roberto Pfeil/dpa

Das Eigentor. Von der FIFA-Misere zur Weltkrise

Der neue, alte Korruptionsskandal bei der FIFA brachte nichts überraschendes Zutage. Dass die Fussballfunktionäre nicht immer sportlich entscheiden, ist längst bekannt. Nun ist der Korruptions-Abszess aufgeschnitten, aber eine Heilung ist nicht in Sicht. Umgekehrt sogar - er droht von einen kriminellen Fall innerhalb eines Sportverbandes in eine politische Weltkrise überzugehen. 

Es geht nicht nur um ein Dutzend verhafteter Funktionäre und auch nicht um Blatter, der seine letzen Tage im FIFA-Chefsessel zubringen dürfte. Es ist praktisch unvermeidbar, dass er abgewählt wird. Eine neue Führung, gewählt, um den Verband im neuen, sauberen Gewand der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, wird gezwungen sein, die Frage um die regelkonforme WM-Vergabe an Russland und Qatar wieder aufzurollen. 

„Für eine Neuausschreibung gibt es noch keine konkreten Anzeichen. Erst, wenn die Schweizer Ermittler tatsächlich belastbare Beweise für Korruption finden, könnte diese Diskussion eine juristisch tragbare Grundlage finden. Der Imageschaden für die FIFA und ihre WM-Ausrichter Russland und Qatar wäre aber immens“. (dpa)

Von vielen unbemerkt blieb die kurze Meldung, dass Vitalij Mutko, russischer Minister für Sport, Tourismus und Jugendpolitik und seit 2009 Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, als Zeuge in dem Korruptionsskandal in die Schweiz bestellt wurde. Und die Frage ist gar nicht, ob er kommt, sondern was passieren könnte, wenn er in die Schweiz reist. Es ist nicht auszuschliessen, dass Mutko seinen Status vom Zeugen zum Beschuldigten wechseln und im Auftrag der US-Ermittler verhaftet werden würde. 

Das wäre ein ganz bitteres Vorspiel für die WM-2018 in Russland. Und, abgesehen von den Bedenken, ob eine Aberkennung rechtmäßig wäre, könnte so ein Schritt durchaus als ein politisch bedingter Schlag gegen Moskau betrachten werden. Kein Zweifel, dass es in Moskau als „feindliche Übernahme“ betrachtet werden würde. Über mögliche Antwortoptionen mag man gar nicht nachdenken.

Im Fall der Fälle ist Deutschland natürlich immer wieder eine Gastgeber-Option für die WM 2018. Sicherlich mit Eigentor-Perspektive.

WE/AS

Quelle : ( Arne Richter, dpa)