Passanten gehen am 26.05.2015 durch die Fuflgängerzone von Garmisch-Partenkirchen (Bayern). Viele Geschäfte in dem Touristenort schlieflen in den G7 Tagen und machen erst zum 09.06.2015 wieder auf. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Darum geht es beim Treffen der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs

Dresden (dpa) - Die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden
westlichen Industrieländer (G7) kommen am Donnerstag und Freitag in
Dresden zusammen. Die Agenda ist gut gefüllt, konkrete Beschlüsse
werden aber nicht erwartet. Gastgeber Deutschland setzt auf einen
offenen, internen Diskurs - nicht nur unter den Ministern und
Notenbankern, sondern erstmals auch mit Top-Ökonomen. Die Themen:

LAGE DER WELTWIRTSCHAFT: Nach der Geldschwemme der Notenbanken geht
es vor allem um nachhaltiges Wachstum. Deutschland macht sich für
Schuldenabbau und einen schrittweisen Ausstieg aus der Politik des
billigen Geldes stark - bei gleichzeitigen Reformen. Thema ist auch
die Vorsorge für absehbare Risiken wie die Alterung der Gesellschaft.

STEUERN: In diesem Jahr wollen die führenden Industrie- und
Schwellenländer (G20) ihr Maßnahmenpaket gegen Steuertricks und
Gewinnverlagerungen internationaler Konzerne (BEPS) endgültig
schnüren. In Dresden geht es um den «Post-BEPS-Prozess» - die Frage
also, wie die gemeinsamen Standards konkret umgesetzt werden sollen.

FINANZMARKT: Zusätzliche Kapitalpuffer sollen sicherstellen, dass im
Krisenfall bei großen Banken ausreichend Mittel zu deren Sanierung
beziehungsweise notfalls Abwicklung zur Verfügung stehen. Sogenannte
GLAC- (Gone-Concern Loss-Absorbing Capacity) und TLAC-Puffer (Total
Loss-Absorbing Capacity) sollen verhindern, dass kriselnde Institute
mit Steuergeld gerettet werden müssen. Die G20 haben vereinbart, dass
30 globale, systemrelevante Banken dickere Polster anlegen sollen.

STAATSANLEIHEN: Im Gegensatz zu Krediten müssen Banken Staatsanleihen
nicht mit teurem Eigenkapital in der Bilanz absichern. Das macht die
Papiere für Finanzinstitute attraktiv, erhöht aber tendenziell die
Abhängigkeit zwischen Staaten und Banken. Die Bundesbank bemüht sich
seit Jahren, die Sonderbehandlung von Staatsschulden in den Bilanzen
zu beenden - nicht zuletzt wegen der schlechten Erfahrungen aus der
jüngsten Krise. Bundesbank-Chef Jens Weidmann macht sich nicht nur
für eine Absicherung durch Eigenkapital stark, sondern fordert auch
eine Obergrenze für Banken, sich Staatsanleihen auf die Bücher zu
laden. Für ein Umsteuern hatte sich hier im März auch der europäische
Risikorat ESRB (European Systemic Risk Board) ausgesprochen.

TERRORISMUS-FINANZIERUNG: Terrorgruppen wie der Islamische Staat (IS)
sind längst nicht mehr nur auf Großspenden angewiesen, sie beschaffen
sich Geld zunehmend auch auf anderen Wegen. Die G7 wollen über Lücken
im Kampf gegen solche Finanzströme beraten sowie über neue Wege, um
Vermögenswerte von Terroristen schnell einfrieren zu können.

UKRAINE: Über ein internationales Hilfspaket sollen gut 40 Milliarden
Dollar für die Ukraine bereitgestellt werden. Der Internationale
Währungsfonds (IWF) steuert rund 17,5 Milliarden Dollar bei. Hinzu
kommen Hilfen einzelner westlicher Staaten. Weil das nicht reicht,
verhandelt die ukrainische Regierung mit weiteren Geldgebern -
darunter auch Russland -, um Kiews Staatsschulden auf ein tragfähiges
Niveau zu senken. 15 Milliarden Dollar sollen durch
Restrukturierungen zusammenkommen. Dabei geht es um den Verzicht auf
Forderungen, niedrigere Zinsen sowie Laufzeitverlängerungen.

GRIECHENLAND: Auch wenn Griechenland kein offizielles G7-Thema ist,
dürfte die Lage in dem Land beim Treffen angesprochen werden. Denn in
Dresden sind auch die Spitzen internationaler Finanzorganisationen,
unter ihnen IWF-Chefin Christine Lagarde. Der Präsident der
Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, Eurogruppen-Chef Jeroen
Dijsselbloem sowie EU-Währungskommissar Pierre Moscovici sind
ebenfalls vertreten. Damit kommen die Chefs der internationalen
Geldgeber zusammen, die mit Athen über weitere Finanzhilfen beraten.