Von Andreas Landwehr, dpa
Peking (dpa) - Es wäre ein Triumph, eine Anerkennung des Aufstiegs
der chinesischen Wirtschaft in der Welt. Erstmals hat China die
Chance, dass der Yuan (Renminbi) in den Elite-Club der globalen
Reservewährungen aufgenommen wird. Aber ob der Internationale
Währungsfonds (IWF) bis Ende des Jahres die Aufnahme des Yuan in
seinen Währungskorb beschließt, wird zunehmend fraglich. IWF-Chefin
Christiane Lagarde, die im Frühjahr noch verkündet hatte, es sei
«nicht eine Frage des Ob, sondern des Wenn», scheint beim Zeitplan
etwas zurückzurudern.
Ein Grund könnten die jüngsten Börsenturbulenzen in der zweitgrößten
Volkswirtschaft sein. Zwar versicherte Lagarde, dass Chinas
Wirtschaft «stark genug» sei, um das Auf und Ab an den Aktienmärkten
auszuhalten. Die IWF-Chefin verteidigte auch die massiven staatlichen
Interventionen in den noch «jungen Aktienmärkten» Chinas und
versicherte, dass die Börsenkrise die Prüfung nicht beeinflusse.
Doch unterstrich Lagarde, wie nötig die «sehr wichtigen Reformen» der
chinesischen Finanzmärkte seien. Die Reformen könnten China helfen,
«eines Tages, wenn die Zeit kommt, sobald alle Signale positiv
gestimmt sind, den Renminbi in den Korb der Sonderziehungsrechte
einzuschließen», sagte Lagarde etwas verklausuliert. «Eines Tages»
klingt nicht gerade nach Herbst oder bis Jahresende. Auch findet
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den ursprünglichen
Zeitplan ein bisschen optimistisch und riet schon zu Geduld.
Es geht um eine Ausweitung des IWF-Währungskorbs, in dem bisher neben
dem US-Dollar und dem Euro das britische Pfund und der japanische Yen
enthalten sind. Daraus setzen sich sogenannte Sonderziehungsrechte
(SZR) zusammen, eine künstliche Währungseinheit des IWF. Dafür muss
China bestimmte Kriterien erfüllen. Allen voran muss der Yuan «frei
einsetzbar» sein - was aus Sicht Chinas weitgehend erfüllt ist, aber
viel Raum für Interpretation bietet.
Bis heute reglementiert China seine Kapitalströme, ist der Yuan nicht
wirklich frei konvertierbar. Doch stieg der Anteil des Handels, der
mit Yuan bezahlt wird, von 0,02 Prozent 2009 auf derzeit fast 25
Prozent. Als Zahlungsmittel im weltweiten Handel rangiert der Yuan
inzwischen auf Platz Fünf. 29 Zentralbanken haben
Währungstauschvereinbarungen mit China geschlossen. Trotzdem macht
der Handel in Yuan vorerst nur einen kleinen Teil des Außenhandels
des Exportweltmeisters aus, der gerne unabhängiger vom Kurs des
US-Dollars werden möchte.
Auch an anderer Stelle macht China Fortschritte: Dem Vorwurf der USA,
dass China seine Währung künstlich niedrig halte, folgt der IWF
längst nicht mehr. Nach einer Inspektion Ende Mai verkündete
Vizedirektor Markus Rodlauer in Peking, «dass der Wechselkurs nicht
mehr unterbewertet ist». Das IWF-Team drängte China gleichwohl, den
Wechselkurs «innerhalb von zwei bis drei Jahren» freizugeben.
Die Eingriffe an den Aktienmärkten seit der Kursrutschen Mitte Juni
stärken aber Zweifel an Chinas Willen zur Öffnung. «Die Intervention
demonstriert die Bereitschaft, Kapitalkontrollen zu verhängen», sagt
Jerry Nickelsburg von der University of California (Los Angeles) der
Deutschen Presse-Agentur in Peking. Damit wurde beschränkt, wer
handeln und was gehandelt werden durfte. «So etwas reduziert den Wert
des Yuan als Reservewährung, weil Kapitalkontrollen eine Währung
weniger liquide und weniger nützlich machen», sagt Nickelsburg.
Aus seiner Sicht ist aber nicht die Aufnahme in den IWF-Währungskorb
entscheidend, sondern die Frage, ob andere Länder den Yuan für
attraktiv und wertstabil halten, um einen Teil ihrer Devisenreserven
auch darin anzulegen. Hier hat er Zweifel. «Der IWF mag den Yuan
vielleicht zur Reservewährung erklären, aber der Schlüssel ist, ob er
auch so behandelt wird wie der US-Dollar, Euro oder Yen.»
So hätte ein Aufstieg des Yuan zur Weltreservewährung zunächst auch
nur geringe Auswirkungen. Aber es wäre eine Art «Reifezeugnis» - eine
symbolische Anerkennung: «Heute ist China eine der wichtigsten
Volkswirtschaften mit beträchtlichen Auswirkungen auf die
Weltwirtschaft», sagt der Pekinger Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou.
Eine Einstufung als Reservewährung würde auch die Marktwirtschaft in
China voranbringen, glaubt der Professor. «Es würde die Wirtschaft
fördern, weil mehr ausländische Investitionen flössen und es
einfacher für China würde, im Ausland Geschäfte zu machen.» Es gebe
aber auch Risiken einer weiteren Öffnung durch künftige
Währungsreformen. «Der Zufluss von «heißem Geld» könnte die Blasen am
Immobilien- und Aktienmarkt noch verschärfen.»
