Brasiliens Regierung: Merkel glaubt an uns

Brasiliens Regierung wertet den Besuch von Kanzlerin
Angela Merkel und sechs ihrer Minister als wichtiges Signal der
Unterstützung in der schweren Krise des Landes. «Wenn sie nicht an
den Erfolg der Regierung glauben, würden sie nicht kommen», betonte
der Direktor der Europaabteilung im Außenministerium, Oswaldo Biato
Júnior, in der Hauptstadt Brasilia. «Das zeigt, dass trotz aller
Probleme Brasilien ein wichtiger Partner in politischen und
wirtschaftlichen Fragen ist.» Daher seien die deutsch-brasilianischen
Regierungskonsultationen auch nicht abgesagt worden, so Biato Júnior.


Staatspräsidentin Dilma Rousseff steht massiv unter Druck: Laut einer
Umfrage genießt sie nur noch acht Prozent Zustimmung, Hunderttausende
gingen am Wochenende in über 150 Städten des fünftgrößten Landes der
Welt auf die Straße, um ein Amtsenthebungsverfahren der bis Ende 2018
gewählten Präsidentin von der linken Arbeiterpartei zu fordern.
Gründe sind ein tiefgreifender Korruptionsskandal, bei dem Politiker
bei Auftragsvergaben über Jahre geschmiert worden sein sollen; ferner
die derzeit hohe Inflation und die sich verschärfende Rezession.

Merkel wird von den Ministern Frank-Walter Steinmeier (Außen/SPD),
Hermann Gröhe (Gesundheit/CDU), Barbara Hendricks (Umwelt/SPD),
Christian Schmidt (Landwirtschaft/CSU), Alexander Dobrindt
(Verkehr/CSU) und Gerd Müller (Entwicklung/CSU) begleitet. Nach der
Ankunft am Mittwochabend (Ortszeit) ist ein Abendessen mit Rousseff
vorgesehen, am Donnerstag dann Beratungen von Merkel, Rousseff und
der beteiligten Ministerien.

In Brasilien sind rund 1400 deutsche Unternehmen tätig, die 250 000
Arbeitsplätze stellen. Bei dem Treffen soll es Zusagen von deutscher
Seite für Klimaschutz und zum Schutz des Tropenwaldes in Höhe von 551
Millionen Euro geben. Zudem fordert die deutsche Seite mehr
Rechtssicherheit für ausländische Firmen.