„arte“, die französisch-deutsche Medienmischung, lief in der Vergangenheit oft genug zur Höchstform auf, wenn es darauf ankam, die heutige Welt zu erklären. Geradezu legendär waren die geopolitischen Erläuterungen, die oft genug etwas anderes wiedergegeben haben, als von den deutschen, transatlantischen Mediennetzwerken hingenommen werden mußte.
Mit Jean Paul Belmondo „brennt jetzt wieder Paris“, wie am Sonntag, den 28. Juni 2020 das abendliche Fernsehprogramm ausweist. Dieses Weltkriegs II-Epos steht pars pro toto und man muß es sich nicht ansehen. Soviel Freiheit muß sein. Merkwürdig -und da steht „arte“ nicht allein, ist etwas anderes. Am 4. Mai 2020 und geradezu „ out of the blue“ verkündet der französische Staatspräsident Macron in der „Süddeutschen Zeitung“ eine aus seinem Munde überraschende Erkenntnis. Danach waren Hitler und der Nationalsozialismus die Konsequenz aus dem französischen Versagen 1919 beim Rachediktat von „Versailles“. Noch überraschender waren zwei weitere Elemente.
Das alles liegt in der Verantwortung auch der deutschen Bundesregierung und der Medien, die konsequent die entsprechenden Aussagen der Präsidenten Macron und Putin geradezu unterschlagen. Will man unter allen Umständen eine Diskussion in Deutschland und den heutigen Verbündeten über die Abläufe des letzten Jahrhunderts verhindern? Wäre es nicht an der Zeit, bei „arte“ und den Medien in beiden Ländern, die „arte“ tragen, ein Bewußtsein für die tatsächlichen Abläufe und Verantwortlichkeiten für die Endlos-Kriege des vergangenen Jahrhunderts zu schaffen, statt „Paris brennen zu lassen“? Auch, wenn dann klar werden dürfte, daß die Kriegs-Anlagen im letzten Jahrhundert sich heute wieder gegen ein Nachbarland in Europa richten, dessen „Fehler“ darin besteht, Herr im eigenen Haus sein zu wollen?
Willy Wimmer
PS: gemeinsam mit Alexander Sosnowski Autor von: „und immer wieder Versailles“
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