ARCHIV - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Mann Joachim Sauer kommen am 25.07.2013 zur Erˆffnung der Bayreuther Festspiele am Festspielhaus in Bayreuth an. Foto: Tobias Hase/dpa

Bayreuth 2015: Die Chefin führt Regie Von Kathrin Zeilmann, dpa

Bayreuth (dpa) - Ohne all die Aufgeregtheiten und Gerüchte vor dem
Festivalstart wären die Bayreuther Festspiele fast langweilig. Das
Repertoire ist schließlich eng: Richard Wagners zehn letzte Opern
werden gegeben, sonst nichts. Die Aufführungsstätte - das
Festspielhaus auf dem Grünen Hügel - lässt auch wenig Extravaganzen
zu. Und die Gästeliste zur Eröffnung birgt ebenfalls keine großen
Überraschungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt, wie meistens.

Aber rund um den Grünen Hügel brodelt vom Frühsommer an verlässlich
die Gerüchteküche, wird über Streit geraunt, über Skandale. Über ein
angebliches Hügelverbot für Co-Chefin Eva Wagner-Pasquier, die die
Festspielleitung von September an komplett ihrer Halbschwester
Katharina überlässt, ist nichts mehr zu hören.

Dabei sind eigentlich auch die Fakten in diesem Jahr spannend genug:
Festivalchefin Katharina Wagner selbst wird nämlich die
Eröffnungspremiere «Tristan und Isolde» am Samstag inszenieren.

Im Jahr 2007 hat sie als Regisseurin am Grünen Hügel debütiert,
damals leitete ihr Vater Wolfgang noch die Festspiele. Ihre Version
der Oper «Die Meistersinger von Nürnberg» wurde heftig ausgebuht und
von den Kritikern meist als «so lala» bewertet. Einige weitere
Regiearbeiten hat die 37-Jährige zwar schon vorzuweisen - doch der
ganz große Durchbruch als Regisseurin ist ihr noch nicht gelungen.
Wer weiß, vielleicht klappt es ja mit Uropas «Tristan und Isolde»?
Das Premierenpublikum könne sich auf eine nüchtern-düsterne Szenerie
einstellen, sickerte vorab durch.

«Wir versuchen, das alles zeitlich relativ ungebunden auf die Bühne
zu bringen», hat Wagner dem «Münchner Merkur» gesagt. «Es gibt
geometrische Räume, die Dreiecksform ist immer präsent. Einer wird
immer in eine Ecke gedrängt, in eine Ausweglosigkeit. Ein
Nicht-von-der-Stelle-Kommen kennt ja jeder.»

Ihr zur Seite steht jedenfalls ein enger Vertrauter am Pult des
Festspielorchesters: Christian Thielemann gilt schon seit einigen
Jahren als wichtigster Dirigent des Hauses, doch nun hat er einen
imposanten Titel dazubekommen. Er darf sich Musikdirektor der
Bayreuther Festspiele nennen. Die Gesellschafter haben ihn mit einem
entsprechenden Vertrag ausgestattet. Er wird im künstlerischen
Bereich - etwa bei der Sängerbesetzung - womöglich Aufgaben
übernehmen, die bisher Wagner-Pasquier innehatte.

«Es geht jetzt nicht um einen Orchester- oder Choraufpasser oder gar
um einen Musikdirektor, der keine anderen Dirigenten ranlässt, was ja
die große Befürchtung dann immer ist», sagte Thielemann kürzlich dem
Radiosender BR Klassik. «So eine Position ist dazu da, um das
Handwerk ein bisschen zu vermitteln.»

Das bedeute nicht, dass er sich in Produktionen einmische, in denen
er nicht selbst dirigiere. Aber er gebe gerne seine Erfahrungen
weiter: «Bayreuth ist mir einfach ein Herzensanliegen geworden.»

Dabei ist die Konstellation der diesjährigen Bayreuth-Dirigenten
durchaus heikel: Kirill Petrenko wird noch einmal die Tetralogie «Der
Ring des Nibelungen» dirigieren, ehe er diese Aufgabe für 2016
abgibt. Petrenko ist kürzlich von den Berliner Philharmonikern zum
künftigen Chef gewählt worden, ein prestigeträchtiger Posten, bei dem
eigentlich Thielemann einigen längere Zeit als Favorit galt.

Und dann meldete sich der als äußerst schweigsam geltende Petrenko
ausgerechnet in Sachen Bayreuth sehr deutlich zu Wort - als nämlich
die Gerüchte um Wagner-Pasquier publik wurden und Lance Ryan seine
Rolle als Siegfried verlor. Tenor des gebürtigen Russen Petrenko: Er
vermisse die Menschlichkeit in Bayreuth. Zudem kritisierte er die
verkürzte Probenzeit.

Die Verstimmung Petrenkos war aus jeder Zeile seines Statements zu
lesen. Und Thielemann? Dementiert jeden Streit und jeden
Konflikt: «Es gibt weder einen Krach zwischen Sängerinnen und Sängern
noch zwischen Dirigenten. Wir sitzen gemeinsam in der Kantine.»

Dubios blieb auch die Umbesetzung der weiblichen Titelpartie in
«Tristan und Isolde» nur etwa ein Monat vor der Premiere. Anja Kampe
gab ihre Rolle als Isolde zurück, Evelyn Herlitzius springt ein.

Über Gründe für Kampes Schritt habe man Stillschweigen vereinbart,
betont ein Festivalsprecher. Das lässt natürlich wieder Raum für
Spekulationen und Gerüchte - ganz so, wie man es kennt in Bayreuth,
kurz vor dem ersten Akt.