Von Alexander Sosnowski, Schriftsteller, Journalist.
Da Berlin die US-Pläne die Nuklearwaffen am Standpunkt Büchel zu modernisieren schweigend hinnimmt, wird Deutschland, wenn nicht zum direkten Ziel für einen Präventiv- oder Vergeltungsschlag, dann doch auf jeden Fall zu seinem Opfer erklärt.
Darüber, dass die Amerikaner vorhaben die alten B61 zu ersetzen, haben fast alle deutschen und ausländischen Massenmedien berichtet. Zum ersten mal wurde bereits Mitte der Nuller-Jahre darüber gesprochen, so um 2010 wurden die Pläne konkreter. Experten nannten verschiedene Zahlen - von etwa 20 bis zu 40 Bomben sollen in der Militärbasis in Büchel ihren Platz finden.
Modernisierung ist ein schönes Wort. Nur nicht dann, wenn es im Bezug auf Waffen verwendet wird. Waffenmodernisierung - ist grundsätzlich eine perverse Formulierung, erst recht, wenn es sich dabei um Atomwaffen handelt. Eine Bombe ist kein Fotomodell, kein Auto oder Kühlschrank, die modernisiert, optimiert oder aufgehübscht werden können. Werden sie nach der Modernisierung schöner? Schlanker? Nein. Sie werden präziser und kommen schneller an ihr Ziel, zerstörerischer, tödlicher. Sie werden Kommunikationskanäle zusammen brechen lassen, Infrastruktur zerstören, die Opferzahlen werden um einiges höher ausfallen. Sie bergen in sich ein atomares Potenzial von mehreren Hiroshima-Bomben! Jetzt sind die B61 in Büchel an der Reihe.
Vorgeschichte
Um keine Gerüchte zu wiederholen und unseriöse Quellen zu zitieren, wandte sich die Redaktion an das deutsche Verteidigungsministerium: „Stimmt es, dass die USA auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel bis zu 20 neue Atombomben vom Typ B61-12 zu stationieren planen?“
Die Antwort kam schnell in der zu erwartenden Form.
„Zu Ihrer Anfrage kann ich mitteilen, dass die Informationspolitik in Bezug auf die Nuklearstreitkräfte der NATO aus Sicherheitsgründen verpflichtenden Geheimhaltungsregelungen unterliegt. Demzufolge können zu Anzahl, Lagerorten, Umgang mit und Spezifika der Nuklearwaffen sowie ihrer Trägersysteme, wie auch Ausbildung, Übung und Absicherungsmaßnahmen keine Angaben gemacht werden. Aussagen und Mutmaßungen hierzu können zudem weder bestätigt noch dementiert oder kommentiert werden“ - so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.
Niemand weiss woher der Usus kommt alles, was mit Massenvernichtungswaffen zu tun hat, vor allem atomaren, weder zu dementieren noch zu bestätigen. Israel ist das berühmteste Beispiel. Alle Fragen beantwortet es neutral - „Kein Kommentar“. Auch das Deutsche Verteidigungsministerium war da keine Ausnahme. Trotz der Brisanz des Themas wurde unsere Frage nicht direkt beantwortet.
Allerdings behaupten Experten einhellig, dass die Pläne der USA nicht nur real sind, sondern auch in die Tat umgesetzt werden.
Der bekannte Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Friedensforschung und Entmilitarisierung Professor Götz Neuneck, der Stellvertretende Wissenschaftliche Direktor und Leiter IFAR, zum Beispiel, bestätigte, dass die Modernisierung der Atomwaffen in Büchel bereits seit Jahren betrieben wird.

Professor Götz Neuneck / WE
„Es stimmt, dass an der B61 Mod.12 gearbeitet wird und es ist plausibel, dass diese bei Auslieferung auch in Büchel stationiert werden können. Der Zeitpunkt ist aber nicht klar, wahrscheinlich 2020“ - antwortete der Experte auf die Frage der Redaktion.
Er verwies dabei auf einige unabhängige Quellen, darunter auch welche aus den USA, die diese Pläne detailliert beschreiben. Das Magazin „International Business Time“, zum Beispiel, berichtete, dass die Modernisierungspläne für die B61 Experten und Militärs längst bekannt sind. Laut dem Magazin, behauptet Hans M. Kristensen, Direktor des Nuclear Information Project der Federation of American Scientists, dass die deutschen Medien nur so tun, als hätten sie gerade erst von den Plänen Pentagons erfahren, in Wahrheit seien es aber alte Pläne, um die niemand ein Geheimnis gemacht hat. Hans M. Kristensen: “The [U.S.] Air Force has reported about the timelines for when these upgrades of the aircraft were going to be made and NNSA and many other agencies, of course, reported about the plans for the bomb itself.” (Quelle: <link http: www.ibtimes.com us-russia-nuclear-weapons-standoff-air-force-wont-station-new-atomic-bombs-germany-2112791>www.ibtimes.com/us-russia-nuclear-weapons-standoff-air-force-wont-station-new-atomic-bombs-germany-2112791)
Das Gesicht der Bombe
Schon in dem fernen Jahr 2008 begannen die amerikanischen Militärs darüber nachzudenken, was die B61-Generation von B61-3 bis B61-10 ersetzen soll. Laut den Informationen der Wissenschaftler verfällt ihre Nutzbarkeit etwa in den Jahren 2017-2020. Damals fiel der Name „B61-12“ zum ersten mal. Die neuen Bomben sollen präziser werden und ein minimales TNT-Äquivalent besitzen - höchstens bis zu 50 KT. Um sich die Wucht eines solchen Geschosses vor Augen zu führen, kann man überlegen, dass 50 KT etwa vier Hiroshimas sind.
Die „alte“ Atombombe B61, die noch aus der Zeit des Kalten Krieges stammt, ist die Hauptart der amerikanischen Atomwaffen. Von ihnen wurden etwa 3000 Stück produziert. Ihre Maximalkraft beträgt 350 KT. Es entsteht also die berechtigte Frage - Was ist das für eine Modernisierung, wenn sich die Schlagkraft der Bombe verringert? Das heisst, um den gleichen Effekt zu erreichen, wird man anstelle einer alten B61 mindestens sieben modernisierte brauchen.
Es kann eben nicht alles linear bemessen werden. Es gibt einige Fakten, die von den Entwicklern lieber verschwiegen werden, denn sie klingen einfach zu zynisch. Zum einen, ist da die hohe Präzision der B61-12, die durch GPS-Lokalisierung erreicht wird. Der Ablenkungsradius wird nicht mehr als 1-2 Meter vom Ziel entfernt sein. Professor Neuneck meint, dass diese Präzision wohl eher überbetrieben ist und geht von etwa 100 Metern aus. Er fügt aber hinzu: „Die Version 12 ist treffgenau, also wohl hauptsächlich für militärische Ziele gedacht.“
Der Trefferradius der alten Modifikationen lag übrigens bei etwa 180 bis 350 Metern.

Flugplatz Büchel / Google Map 2015
In der neuen Version werden besondere Zielführungssysteme verwendet werden. „Es soll aus dem vorhandenen Heckteil konventioneller Präzisionswaffen der JDAM-Klasse (Joint Direct Attack Munition) abgeleitet werden. Mit Hilfe einer Kombination aus Inertial- (INS) und GPS-Lenkung erreichen diese Präzisionsbomben (PGMs - Precision Guided Munitions) schon dann eine mittlere Zielabweichung von rund 30 Metern, wenn keine GPS-Daten verfügbar sind. Stehen diese Daten zur Verfügung, sinkt die mittlere Zielabweichung (CEP) auf etwa 5 Meter.“ (Quelle: „Atomwaffen-Modernisierung in Europa Das Projekt B61-12“, Otfried Nassauer & Gerhard Piper)
Um es in die Sprache eines Otto-Normal-Verbrauchers zu übersetzen, wenn die alte Bombe ganze Flächen in die Luft gejagt hat, so kann die neue genau auf ein Ziel gelenkt werden - einen Kommandobunker, zum Beispiel. Die verringerte Sprengkraft wird zur Zielvernichtung völlig ausreichen, aber bei der Explosion wird weniger radioaktives Material freigesetzt und die atomare Verseuchung fällt geringer aus. Es ist schwierig, sich eine kompakte, treffgenaue Bombe vorzustellen, die für Bunker und Kommandoposten bestimmt ist und dabei die Sprengkraft von vier Hiroshima-Bomben hat. Es gibt keinen Zweifel, dass der Bunker zerstört werden wird, aber was wird mit der zivilen Infrastruktur, die sich in der Nähe des Militärobjekts befindet? In Europa, Deutschland oder auch Russland, das ja weiterhin Ziel Nummer eins des Westens zu bleiben scheint, gibt es nicht all zu viele Orte an denen ein Kommandopunkt untergebracht werden kann, der durch eine Atombombe zerstört wird, ohne umliegende Städte und Dörfer in Mitleidenschaft zu ziehen.
„Die Arbeiten an der B61-12 sind eine indirekte Bestätigung dessen, dass die USA sich auf einen so genannten Tunnel- oder Unterbodenkrieg vorbereiten. Das geringe Gewicht der Bombe macht sie zu einem effektiven Geschütz für die amerikanischen ferngelenkten Drohnen X-47B“ - schreibt die Internetseite <link http: russian7.ru>russian7.ru.
Der eine bezahlt, der andere büsst.
Man kann nicht sagen, dass nur die russische Seite von der Modernisierung der in Deutschland stationierten Atomwaffen besorgt ist. Es wird seit langem über diese Frage debattiert, von Politikern, Experten, Pazifisten, Wissenschaftlern. Die Meinungen sind, wie so oft, völlig konträr. Heisse Debatten laufen auch im deutschen Parlament. Gegen die neuen Pläne äußern sich traditionell die Fraktionen der „Grünen“ und der „Linke“.
„In einer auf Verlangen der Linksfraktion anberaumten Aktuellen Stunde forderten Grüne und Linke am Mittwoch, 30. September 2015, die Bundesregierung auf, sich für den Abzug sämtlicher Atomwaffen aus Deutschland einzusetzen und im Kampf für eine atomwaffenfreie Welt glaubwürdig voranzugehen.“ (Deutscher Bundestag)
Die Empörung der Parlamentarier ist durchaus berechtigt und entspringt vermutlich der zu auffälligen Dissonance zwischen der Deklaration über das „Atomfreie Deutschland“ und der Platzierung von Atombomben auf seinem Territorium, die zudem zwar von einem NATO-Verbündeten, aber doch einem anderen Staat befehligt werden. Es geht dabei um Deutschlands Verpflichtung der nuklearen Teilhabe im Rahmen des Verteidigungssystems der NATO im Bezug auf die Gesamtsicherheit der Allianz. Diese Verpflichtung bedeutet, dass die USA, Großbritannien und Frankreich das Recht haben ihre B61 in einigen Ländern der Allianz zu stationieren. So befinden sich diese Waffen In Italien, Belgien, den Niederlanden, der Türkei und eben auch Deutschland. Die Nutzung dieses Potenzials wird durch das so genannte „Zwei Schlüssel Abkommen“ reguliert (engl.: two party key control treaty oder two key international arms control treaty).
Laut dieses Abkommens befinden sich diese Bomben unter der Führung der USA und nur die USA haben das Recht den Abschussbefehl zu geben. Der tragende Teil allerdings - die Flugzeuge, die die Raketen ans Ziel bringen - befinden sich unter dem Kommando der jeweiligen Länder.
Noch vor nicht all zu langer Zeit, während der Koalition mit den Liberalen, forderte die Bundesregierung mit Nachdruck, dass alle Atomwaffen von deutschem Boden verschwinden müssen. Allerdings blieben die Pläne bloße Pläne, es hieß plötzlich, dass die komplette Aufgabe von Atomwaffen ein fataler Fehler wäre und Deutschland das nicht zulassen dürfe. Der CSU/CDU Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei ist, zum Beispiel, der Überzeugung, dass die Modernisierung der B61 der richtige Weg sei: „Wer einseitig auf Atomwaffen verzichtet, solange es keine atomwaffenfreie Welt gibt, ist dumm und naiv.“ Als er darüber sprach, meinte er auch nicht etwa das atomare Potenzial Pakistans oder Indiens, er sprach eher von Russland, das neuerdings gerne unter den Aggressoren aufgeführt wird, die Europa bedrohen würden, darunter auch Deutschland.
Es ist allgemein bekannt, dass der Teufel im Detail steckt. Zum einen, ist es wichtig zu verstehen, wie viel die Modernisierung der B61 kosten und wer dafür bezahlen wird. Zum anderen, wäre es wünschenswert zu begreifen in welcher Korrelation das wichtigste deutsche Regierungsorgan - der Bundestag - zu der Erneuerung der Atomwaffen steht. Und, last but not least, wird Deutschland im Zuge all dieser Unternehmungen sicherer?
Verschiedene Quellen nennen unterschiedliche Zahlen, aber alle sind sich darin einig, dass das gesamte Projekt etwa zwischen sechs bis zehn Milliarden Dollar kosten wird. Professor Neuneck spricht von sechs Milliarden, aber weist auch darauf hin, dass „das Budget genau 50 % mehr beträgt, als 2011 kalkuliert wurde.“
Das Cost Assessment and Program Evaluation Office (CAPE) des Verteidigungsministeriums schätzte die Kosten des Vorhabens inzwischen sogar auf 10 Mrd. Dollar. („Atomwaffen-Modernisierung in Europa Das Projekt B61-12“, Otfried Nassauer & Gerhard Piper)
Es ist anzunehmen, dass es nicht die letzten Zahlen sind und, dass sie noch nach oben korrigiert werden. Es gibt allerdings auch was gutes - diese Kosten tragen nicht die deutschen Steuerzahler, sondern die amerikanischen. Diese Ausgaben zählen zum amerikanischen Militäretat und werden de facto dadurch finanziert.
Es bleibt noch die Frage - Wie steht der Bundestag dazu?
Professor Neuneck antwortet darauf: „Der Bundestag ist darüber wohl nicht informiert und muss auch nicht zustimmen, da es um einen "Austausch" vorhandner Waffensysteme geht.“
Auf diese Weise werden auf dem Territorium der BRD neue Atomwaffensysteme stationiert. Dabei hat nicht Niemand vor den Bundestag diesbezüglich um Erlaubnis zu fragen. Es ist noch nichtmal klar, ob das deutsche Parlament offiziell über die amerikanischen Pläne bezüglich Büchel informiert werden wird. Kein Grund zur Sorge, meint Neuneck - die Stationierungspläne betreffen das weit entfernte Jahr 2020. Außerdem, so der Experte, ist noch nicht klar, welche Flugzeuge die B61-12 überhaupt tragen können.
„Für die B61-12 wird ein neues Flugzeug, das F35 gebraucht. Das kostet viel. Eventuell gibt es Umbauarbeiten (Landebahn, Shelter etc.) in Büchel. Die entscheidende Frage ist, ob deutsche Flugzeuge auch als Plattform in Frage kommen“ - sagte er uns im Gespräch.
F35 vis-à-vis Tornado
Ursprünglich war geplant, dass die neuen Bomben auf F35 Kampfflugzeuge geladen werden, die sich schon seit einiger Zeit bei den amerikanischen Wissenschaftlern in der Entwicklung befinden.

F35 / http://www.jsf.mil/gallery/
Bis vor kurzem galten F-15E-Bomber als Atomwaffenfähige Flugzeuge, ebenso der Tornado. Für die modernisierte B61-12 eignen sie sich eher weniger. Das liegt daran, dass die neuen Bomben ohne den so genannten Bremsschirm auskommen. In den alten Versionen gab das Bremsschirmsystem dem Piloten nach dem Abschuss genügend Zeit, um sich aus der Gefahrenzone zu entfernen. Durch die Bremsschirme konnten Ort und Zeitpunkt der Explosion genau bestimmt werden. Da die neuen Bomben für das neue F35 Kampfflugzeug konzipiert wurden, werden sie dieses System nicht an Bord haben. F35 kann von verschiedener Flughöhe aus die zielsuchende Bombe effektiv abwerfen und innerhalb von kürzester Zeit weg fliegen. Nun ist allerdings die Bombe da, aber keine wirklich flugtauglichen F35. Es ist auch nicht bekannt wann sie tatsächlich geliefert werden und ob überhaupt. Noch schwieriger ist die Situation um den Tornado.

Bundeswehr Tiefflug / dpa
Es kann zwar eine Atombombe tragen, aber wegen ihrer spezifischen Konstruktion passt die neue Bombe nur bedingt rein. Einige wichtige Komponenten, wie Sicherheit, Befestigung, Zielsuche können nicht komplett durchgecheckt werden. Darum hegen Experten, wie Professor Götz Neuneck, berechtigte Zweifel an der tatsächlichen Realisierung des kompletten Projekts. Immer noch unbeantwortet bleibt die Frage, ob Deutschland sicherer geworden ist und, wie man im Osten - in Russland - zu der Modernisierung des Atomwaffenarsenals steht.
Die Antwort
Es wäre lachhaft, wenn man einen Applaus aus Russland erwartet hätte. Einfachste Berechnungen ergeben, dass das F35 oder der Tornado mit B61-12 ausgerüstet innerhalb von einer Stunde Ziele in der Nähe von Moskau anfliegen können. Diese Zeit verkürzt sich fast um die Hälfte, wenn die Stationierungsflughäfen in andere NATO-Länder verlagert würden. In Anbetracht der Fähigkeit der neuen Kampfflugzeuge Luftabwehrsysteme zu umgehen, könnte für einen Gegenschlag oder für eine einfache Abklärung kaum Zeit bleiben. Russische Massenmedien haben bereits diplomatisch-militärische Quellen zitiert, die besagen, dass Russland in Kaliningrad die operativ-taktischen Raketenkomplexe „Iskander-M“ installieren könnte, als eine Reaktion auf neue Atombomben der USA in Deutschland. Moskau hat sich also wieder an das Iskander-System erinnert.
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Iskander-M - eine Variation für die russischen Streitkräfte, Reichweite variiert bei verschiedenen Quellen zwischen den für die „Iskander-E“ angekündigten 280 km bis zu 400 km. Flughöhe - sechs bis fünfzig Kilometer. Während des Zielanfluges führt die Rakete nach dem Zufallsprinzip abrupte Ausweichmanöver durch, was die Flugbahn schwervorhersagbar macht. Ebenso werden beim Zielanflug Täuschkörper ausgestoßen. Zusätzlich ist die Raketenoberfläche mit einer radarabsorbierenden Schutzschicht versehen.
Die Iskander-Raketen können mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden, je nach Quelle mit zwei bis zu fünf, mit einer Sprengkraft von bis zu 350 KT. Die russischen Experten halten das für eine durchaus angemessene Antwort auf die amerikanischen B61-12. Dabei können sie sowohl für einen Gegen- als auch für einen präventiven atomaren Angriff auf Ziele in Europa verwendet werden, allen voran in Deutschland.
Sie sollen im Kaliningrader Gebiet stationiert werden, aber auch eine Zusammenarbeit mit Weißrussland kann nicht ausgeschlossen werden. Es gibt in Bobrujsk in Weißrussland noch eine Basis der russischen Luftwaffe, die allen Anforderungen entspricht, auch einer Stationierung von TU-22 M3 Flugzeugen, zum Beispiel. Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, befanden sich dort neun Wasserstoffbomben und Ende der 80er - etwa 200 Atomsprengköpfe für Marschflugkörper. Die TU-22 M3 und die Atomsprengkörper wurden nach Russland verlegt, aber die nun leerstehenden Lagerstätten stehen immer noch bereit.
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Kampfflugzeuge der TU-22 M3 Reihe können bis zu 3 Marschflugkörper des Typs X-22 (AS-4 Kitchen) oder bis zu 10 Marschflugkörper des Typs Х-15 (AS-16 Kickback) tragen. Sie gehören zu der Kategorie „Erde-Luft-Raketen“ und können neben den normalen auch mit Atomsprengköpfen ausgerüstet werden. Kampfflugzeuge des Typs SU-24 (SU-24M) können ebenfalls mit Atomwaffen beladen und als Träger eingesetzt werden. Als Abschussrampen können die Kampfflugzeuge SU-25, MIG-29, MIG-31 und SU-27 benutzt werden.
Und zum Schluss, sollte auch eine Waffe nicht außer Acht gelassen werden, die Russland praktisch exklusiv zur Verfügung steht. Es geht um so genannte Raketen-Panzerzüge.

Intercontinental ballistic missile carried on the train/ Fotolia
In der Sowjetunion gab es ein Projekt unter dem Namen „15P961“, das 12 Komplexe mit Interkontinentalraketen beinhaltete, platziert auf Fernzügen. Jeder transportierte drei Raketen, ausgerüstet mit Atomsprengköpfen mit zerfallenden Teilen und hoher Vernichtungskraft. Ein solcher Zug ist sehr einfach zu tarnen und kaum von einem gewöhnlichen Lastzug zu unterscheiden. Er befindet sich ständig in Bewegung und kann - von Moskau bis Vladivostok - jede Destination erreichen. Geht man von der Gesamtlänge der Eisenbahnlinien in Russland aus, verwandelt sich diese Art von Waffe in ein bedrohliches „Vergeltungsschwert“. Es wird in der Lage sein einen Gegenschlag auszuführen, selbst, wenn die Kommandostrukturen und stationär installierte Abschussrampen von ballistischen Raketen mit dem ersten Angriff vernichtet würden. Es ist also kein Zufall, dass der Befehlshaber der Russischen Streitkräfte im Dezember 2014 verkündete, dass ein neuer Komplex unter dem Namen „Bargusin“ gebaut wird.
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„Bargusin“. Ein Komplex (Zug) wird sechs Abschussrampen für strategische Raketen beherbergen. Hauptbewaffnung: 50 Tonnen schwere Raketen des Typs RS-24 „Jars“. Jeder „Bargusin“ wird sechs „Jars“ führen. Zeitraum autonomer Nutzung - 30 Tage. Reichweite - bis zu 1000 km pro Tag. Genug, um eine Tarnung des Zuges und seine Fähigkeit zum überraschenden Gegenangriff zu gewährleisten. (lenta.ru)
Der berühmte russische Schriftsteller Anton Tschechow schrieb: „Wenn im ersten Akt ein Gewähr an der Wand hängt - wird es im letzten Akt unbedingt schießen.“
Vielleicht wäre es sinnvoll, nicht bis zum letzten Akt zu warten, sondern einfach das Gewähr von der Wand zu nehmen?
