Arktis - ein Anziehungspol

Von Frödert Ulfsbörn

„Das wichtigste Thema bleibt jedoch die Militarisierung der Arktis, so dass Länder wie die Vereinigten Staaten und Großbritannien nicht über die friedliche Nutzung natürlicher Ressourcen sprechen, sondern die militärische Komponente für sie die wichtigste bleibt. Die NATO-Staaten haben wiederholt ihre militärische Macht unter Beweis gestellt und gezeigt, dass gerade in der Nordpolregion militärtechnische Fähigkeiten vorhanden sind.“
Die Arktis entwickelt sich zunehmend zum Interessenzentrum vieler Staaten, sowohl der führenden als auch der Länder der Dritten Welt. Der Reichtum an natürlichen Ressourcen und der Zugang zu ihnen sind ebenfalls ein wichtiger Faktor, der die Interessen der Weltmächte weckt. Mit dem Einsetzen des Klimawandels, sobald das ewige Eis zu schmelzen begann, eröffneten sich auch weitere Möglichkeiten für die Schifffahrt. Diese und andere Faktoren sind von größter geostrategischer Bedeutung in der Welt. Der künftige Wohlstand der an diese Region angrenzenden Länder kann davon abhängen, wie die Entwicklung der Arktis vonstatten gehen wird.
Natürlich beteiligen sich die an diese Region angrenzenden Länder am aktivsten an der Entwicklung der Arktis. Andere, weit entfernte Staaten zeigen jedoch ebenfalls Interesse. Zum Beispiel China, das aktiv an der Entwicklung der Arktis arbeitet und nach Möglichkeiten sucht, seine Präsenz in dieser Region weiter zu erhöhen.
Auch Deutschland zeigt besonderes Interesse an der Region.
Für Deutschland ist dies nicht nur eine Gelegenheit, sich an der Entwicklung der Arktis und der Erschließung der Ressourcen zu beteiligen, sondern auch eine echte Aussicht auf eigene Präsenz in dieser Region. Sowohl wirtschaftlich als auch militärstrategisch. In Zusammenhang mit einer gewissen Zunahme der militärischen Konfrontation in der Arktis beginnt Deutschland nach Wegen zu suchen, sich den Ländern anzuschließen, die bereits militärisch in der Arktis präsent sind. Und dies ist zweifellos ein gefährlicher Weg, der zwar zu einem unverhältnismäßigen Ressourcenverbrauch führen kann, aber die Militärmacht Deutschlands wahrscheinlich eher nicht stärken wird - die Bundeswehr befindet sich ohnehin schon in einem bedauerlichen materiellen und technischen Zustand. Daher äußert Deutschland seine Interessen bisher nur im Bereich der Ökologie und der Rohstoffgewinnung offen.
Tatsächlich spiegelt die Arktis das Ausmaß des Wettbewerbs um eine Präsenz in dieser Region wieder - zwischen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Russland, China, Dänemark und einigen anderen. Alle Länder sprechen über die Notwendigkeit einer gemeinsamen Beteiligung, aber jeder sucht nach den vorteilhaftesten und spezifischsten Möglichkeiten für sich selbst. Gleichzeitig werden zunächst Argumente zum Schutz der Umwelt und der Ökologie herangezogen.
„Die Arktis gewinnt zunehmend an geopolitischer Relevanz. Die Arktis ist kein Gebiet fernab zwischenstaatlicher Spannungen. Die klimabedingten Veränderungen haben weitreichende strategische und wirtschaftliche Folgen, darunter ergeben sich auch erhebliche Risiken. Der Schutz der arktischen Umwelt ist ein zentrales Anliegen der EU. Was in der Arktis geschieht, hat globale Auswirkungen und betrifft uns auch in Norddeutschland“, - meint der CDU-Politiker David McAllister.
https://www.anzeiger-verlag.de/osterholz/artikel/oeffentliche-konsultation-zur-eu-poltik-in-der-arktis
Es ist interessant, die Entwicklung der Situation nach der Wahl des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu beobachten.
Das Thema Klimawandel wird von allen Präsidenten des Landes verwendet. Aber während der Präsident Donald Trump alle Pläne und Anordnungen seines Vorgängers Barack Obama fast vollständig aufgegeben hat, beschließt Joe Biden, zu Barack Obamas Plänen zurückzukehren.
Für Biden wird es vorrangig sein, aus dem Energiesektor für Kohle und andere abbaubare Ressourcen aus- und auf neue, erneuerbare Energiequellen umzusteigen. In dieser Hinsicht ist das Interesse der USA besonders groß.
Joe Biden hat mit dem Klima-Thema gewonnen", sagt Gina McCarthy, die zu Obamas Zeiten Umweltschützerin war: „Jetzt können wir eine Welt aufbauen, die wir stolz unseren Kindern und Enkeln übergeben.
https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Mutige-Verssprechen-Wie-Biden-den-Klimawandel-bekaempfen-will-id58666951.html
Das wichtigste Thema bleibt jedoch die Militarisierung der Arktis, so dass Länder wie die Vereinigten Staaten und Großbritannien nicht über die friedliche Nutzung natürlicher Ressourcen sprechen, sondern die militärische Komponente für sie die wichtigste bleibt. Die NATO-Staaten haben wiederholt ihre militärische Macht unter Beweis gestellt und gezeigt, dass gerade in der Nordpolregion militärtechnische Fähigkeiten vorhanden sind. Dies ist auf die zahlreichen Manöver zurückzuführen, die unter Beteiligung Norwegens durchgeführt wurden. Besonders besorgniserregend sind die Pläne der Vereinigten Staaten, ihre militärisch-technische Basis in Grönland aufzubauen.
Island bleibt ebenfalls im Sichtfeld der NATO und des US-Militärs als ein Land, auf dessen Territorium sich eine Militärbasis befinden könnte.
Solche Pläne stören natürlich das militärstrategische Gleichgewicht in dieser Region und können die allgemeine Situation in der Arktis verschlechtern. Die Situation betrifft nicht den Ressourcenabbau, sondern die wachsende Spannung und Militarisierung der Arktis.
Island folgt jedoch weiterhin der Hauptlinie der friedlichen Teilnahme an arktischen Projekten. Beispielsweise legte der isländische Außenminister seinen ausführlichen Bericht vor, mit einer detaillierten Analyse der derzeitigen Zusammenarbeit zwischen Grönland und Island, sowie 99 Empfehlungen zur Stärkung der Zusammenarbeit. Der Bericht enthält praktisch keine militärischen Pläne, was als ein positiver Aspekt angesehen werden kann. (Video)
Mit dem Anwachsen der wirtschaftlichen Interessen in der Arktis nahm jedoch auch die Zahl der Patrouillen der NATO-Staaten und der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit der Überprüfung der Verteidigungsfähigkeit der territorialen Grenzen zu. Noch nicht vergessen ist die Rede von Mike Pompeo im Jahr 2019, als er verkündete, dass es Zeit für die Vereinigten Staaten von Amerika sei, sich als arktische Macht zu präsentieren.
„Last month Senator Dan Sullivan said the US will deploy 100 F-22 and F-35 fifth-generation fighter jets to Alaska, where US aircraft have intercepted Russian warplanes at least a dozen times this year“, -  schrieb die Zeitung Guardian später.
https://www.theguardian.com/environment/2020/oct/16/arctic-ice-retreats-climate-us-russian-canadian-chinese-military
Dänemark hat damit begonnen, immer mehr eigene Ansprüche auf Teilnahme an militärischen Projekten in der Arktis zu erklären.
Laut Experten der NATO sollte Dänemark die Tatsache nutzen, dass die Arktis zunehmend auf der amerikanischen Agenda steht. Diese Empfehlung wird in einem neuen Bericht des Zentrums für Militärforschung "Changing US-Arctic Policy" (Änderung der US-Arktispolitik) abgegeben, in dem das wachsende Interesse der USA an der Arktis und Pläne für weitere Rüstungsgüter analysiert werden. (Orig. „Danmark bør være mere fremme i skoene og udnytte, at Arktis står meget højere på den amerikanske dagsorden. Sådan lyder anbefalingen i en ny rapport, ”Amerikansk Arktis-politik i forandring”, fra Center for Militære Studier, som har analyseret den stigende amerikanske interesse for Arktis og planerne om yderligere oprustning.)
„Wenn Sie Einfluss darauf nehmen möchten, auf welche Weise die Arktispolitik Amerikas zur Wirklichkeit wird, ist es an der Zeit, eine Erklärung abzugeben“, - sagt der leitende Forscher Kristian Søby Kristensen, Mitautor des Berichts. (Orig. Hvis man vil påvirke, hvordan den amerikanske Arktis-politik falder på plads, så er det nu, at man skal gøre sig gældende“, lyder det fra seniorforsker Kristian Søby Kristensen, som er medforfatter på rapporten…)
https://finans.dk/politik/ECE12781401/groenlands-valg-laegger-arktisstrategi-paa-is-og-danmark-risikerer-at-miste-indflydelse-paa-usas-planer-i-arktis/?ctxref=ext
Die Russische Föderation hält mit ihrem Wunsch - in der Arktis präsent zu sein - ebenfalls nicht hinterm Berg.
Russland denkt aufgrund seiner geografischen Lage natürlich nicht nur an die Zukunft, sondern ist auch verpflichtet, für die eigene Sicherheit zu sorgen. Die gigantische Länge der Nähe zur Arktis verleiht Russland in dieser Angelegenheit eine besondere Legitimität. Moskau hat nie verheimlicht, dass es zuallererst an einer gemeinsamen Teilnahme an Projekten in der Arktis interessiert ist, aber es auch nicht aufgeben wird, die eigene Verteidigung zu stärken. In den vergangenen Jahren hat Russland wiederholt seine wissenschaftliche und technische Stärke unter Beweis gestellt, auch in der Arktis. Erinnern wir uns zumindest an den Abstieg zum Grund des Arktischen Ozeans und die Installation der russischen Flagge dort.
Russische Experten skizzierten die wichtigsten Grundinteressen Russlands in der Arktis: (laut https://arsenal-otechestva.ru/article/1323-militarizatsiya-arktiki)

  • Festlegung der korrekten Grenzen des arktischen Festlandsockels Russlands;

  • Beendigung der territorialen Abgrenzung Russlands mit den Nachbarstaaten und der internationalen rechtlichen Registrierung der Staatsgrenze;

  • Stärkung der Präsenz Russlands in der Arktis;

  • Verhinderung der militärischen Eskalation in der Arktis durch andere Staaten.

Was wir bisher in der Arktis sehen, ist nur das Mittelspiel und die Hauptsache dabei bleibt, dass das Spiel friedlich verläuft.

Video: https://youtu.be/yKRJk0RKK_s
Bilder: Depositphotos
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