"Freiheit für Ahmed Mansour - Freiheit für die Presse" steht am 21.06.2015 in Berlin auf Plakaten vor einer Polizeistation. Foto: Paul Zinken/dpa

Al-Dschasira: Deutschland soll Journalisten Mansur freilassen

Berlin/Kairo (dpa) - Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira hat
die Freilassung seines in Berlin festgenommenen Fernsehjournalisten
Ahmed Mansur gefordert. Die ägyptischen Anschuldigungen seien falsch,
erklärte der Sender am Sonntag auf seiner Webseite. Der zugrunde
liegende Haftbefehl gehe auf einen «fadenscheinigen Versuch des
Rufmords gegen einen führenden Journalisten» zurück. Der prominente
Journalist bleibt laut Berliner Staatsanwaltschaft aber vorerst in
Polizeigewahrsam. Die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte die
Justiz auf, den Fall «schnell und unmissverständlich» aufzuklären. 

Mansur war am Samstag am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen worden,
als er nach Doha in Katar fliegen wollte. Laut Bundespolizei lag ein
internationaler Haftbefehl gegen ihn vor, der vom Bundeskriminalamt
ins System eingestellt worden sei. Eine Verwechslung sei
ausgeschlossen.

Mansurs Berliner Anwalt Fazli Altin erklärte dagegen, es gebe keinen
von Interpol weitergeleiteten internationalen Haftbefehl gegen seinen
Mandanten. Bereits im Oktober 2014 habe die internationale
Polizeiorganisation die Weitergabe entsprechender Anforderungen aus
Ägypten verweigert und dies dem Journalisten auch mitgeteilt. Den
deutschen Behörden liege aus Ägypten nur eine Fahndungsnotiz sowie
ein Auslieferungsbegehren vor.

Mansur gehört zu den bekanntesten TV-Journalisten der arabischen
Welt. Ein Strafgericht in Kairo hatte ihn 2014 in Abwesenheit zu 15
Jahren Haft verurteilt, weil er im Frühjahr 2011 an der Folter eines
Anwalts in Kairo beteiligt gewesen sein soll.

Die Staatsanwaltschaft Berlin prüfte am Sonntag, ob der Haftbefehl
aufrechterhalten bleibt. Laut Anwalt Altin wird es an diesem Montag
einen Haftprüfungstermin geben.

Grünen-Chef Cem Özdemir sieht in dem Fall «viele Fragezeichen», wie
er auf Twitter mitteilte. Seine Parteikollegin Franziska Brantner
warnte die Berliner Justiz davor, sich «zum Erfüllungsgehilfen eines
Willkürregimes in Kairo» zu machen. Auch der Geschäftsführer von
Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, erklärte: «Deutschland darf
sich nicht zum Komplizen des ägyptischen Regimes machen.» Ägyptens
Staatschef Abdel Fattah al-Sisi war Anfang Juni zu Besuch in Berlin.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag,
Wolfgang Gehrcke, protestierte ebenfalls: «Jeder weiß, dass die
Rechtstaatlichkeit in Ägypten auf tönernen Füßen steht - wenn man
überhaupt von Rechtsstaatlichkeit sprechen kann», sagte er dem
«Kölner Stadt-Anzeiger» (Montag).

Vor dem Berliner Bereitschaftsgericht nahe dem Platz der Luftbrücke
versammelten sich nach einem Aufruf der Deutsch-Ägyptischen Union für
Demokratie Demonstranten. «Freiheit für Ahmed Mansur, Freiheit für
Ägypten, Freiheit für Journalisten», skandierten sie.

Die Regierung in Kairo betrachtet Al-Dschasira mit Sitz in Doha als
Unterstützer der in Ägypten mittlerweile verbotenen Muslimbrüder. Der
Sender gilt als scharfer Kritiker von Präsident Al-Sisi. Die
ägyptische Armee hatte noch mit Al-Sisi an der Spitze vor fast zwei
Jahren nach Massenprotesten den ersten frei gewählten Staatschef
Mohammed Mursi abgesetzt, der zu den Muslimbrüdern gehört.

Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Kairo drei Reporter von 
Al-Dschasira zu Haftstrafen verurteilt, weil sie die Muslimbrüder
unterstützt haben sollen. Mittlerweile sind sie wieder frei. Der Fall
wird neu verhandelt.

Foto:"Freiheit für Ahmed Mansour - Freiheit für die Presse" steht am 21.06.2015 in Berlin auf Plakaten vor einer Polizeistation. Dort demonstrierten sch‰tzungsweise 60 Menschen für die Freilassung des Al Jazeera-Journalisten Ahmed Mansur. Der Journalist war am Samstag auf dem Flughafen Berlin-Tegel festgenommen worden, als er nach Doha in Katar fliegen wollte. Laut Bundespolizei lag ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vor, der vom Bundeskriminalamt ins System eingestellt worden sei. Mansur gehört zu den bekanntesten TV-Journalisten der arabischen Welt. Ein Strafgericht in Kairo hatte ihn 2014 in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt, weil er im Frühjahr 2011 an der Folter eines Anwalts in Kairo beteiligt gewesen sein soll. Foto: Paul Zinken/dpa