Die Saat von Versailles

Donnerstag, 27. Juni 2019

Die am 28. Juni 1919 in Schloß Versailles verkündete Saat soll mit der Zerstörung Russlands und Mitteleuropas vollendet werden

Versaille, Deutschland, Russland, Weltkrieg, Willy Wimmer, Alexander Sosnowski, World Economy

Die Saat von Versailles

Von Willy Wimmer

Es gibt gute Gründe, besonderer Ereignisse im Leben der Völker zu gedenken. Dazu zählen vor allem Erinnerungen an das unsägliche Leid, das im vergangenen Jahrhundert mit zwei Weltkriegen rings um den Globus verbunden gewesen ist. Die letzten zwei Jahre wurden von Feierlichkeiten dieser Art bestimmt. Das Erinnern war allerdings schal, weil man selbst auf der Seite der überlegenen Kräfte sichtbare Unterschiede gegen jedes historisches Verständnis machte. Wohl in der Vorbereitung eines jetzt anstehenden und vermutlich entscheidenden Waffengangs wurde die Russische Föderation und ihr Präsident erst gar nicht mehr eingeladen, obwohl dieses Volk und die Völker der damaligen Sowjetunion den größten Blutzoll entrichten mußten.

Obwohl Versailles die Ur-Sünde des Zusammenlebens auf staatlicher Ebene darstellt und alle mit dem gegen Deutschland und Österreich-Ungarn gerichteten Handlungen in Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg darin mündeten, wird der 28. Juni 1919 geradezu schamhaft verschwiegen. Das ist auf keiner Seite verständlich oder hinzunehmen. Warum wurden friedliebende und prosperierende Staaten wie Deutschland und Österreich-Ungarn mit Krieg überzogen? Warum wurde diesen Staaten gegenüber die seit Jahrhunderten bestehende europäische Regel außer Kraft gesetzt, einen gerechten Frieden zu vereinbaren und diese StaTen gleichberechtigt am Konferenztisch Platz nehmen zu lassen? Warum wurde die gesamte mit Versailles verbundene alliierte Politik darauf ausgerichtet, Deutschland als Rammbock gegen die Sowjetunion zu intrumentalisieren? Warum sind die alliierten Regierungen so feige, sich zu Ihrer Verantwortung für die Zerstörung des europäischen Friedens im letzten Jahrhundert zu bekennen und warum lassen die Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und vor allem Bundespräsident Walter Steinmeier in dieser zentralen historischen Frage das deutsche Volk derart im Stich.

Wo ist das deutsche Bekenntnis dazu, das Versprechen des deutschen Volkes an die Welt von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl in die Tat umzusetzen, nachdem von deutschem Boden nur Frieden ausgehen solle. Übrigens so, wie es in unserem Grundgesetz als Konsequenz aus den Ergebnissen des Zweiten Weltkrieges postuliert worden ist.

Wird an Versailles und den 28. Juni 1919 nur deshalb nicht gedacht, weil die heutige westliche Politik gegenüber Russland die konsequente Umsetzung der in Versailles zum Ausdruck gebrachten Vernichtungspolitik anderen Staaten gegenüber ist? Um Frieden herzustellen, gehören alle Nachbarn an einen Tisch und zwar gleichberechtigt.

Dieser gemeinsame europäische Tisch wurde der Sowjetunion mit der Charta von Paris im November 1990 zugesichert. Stattdessen müssen wir uns mit dem auseinandersetzen, was der bekannte deutsche Publizist, Herr Dr. Wolfgang Bittner, in dem europäischen Standardwerk:“Die Eroberung Europas durch die USA“ eindrücklich beschrieben hat. Im September 2019 und damit zum Gedenken an den Kriegsbeginn am 1. September 1939 vor achtzig Jahren wird Herr Dr. Bittner über „den neuen West-Ost-Konflikt“ die Dimension der Betrachtung unserer heutigen Lage erweitern. Die amerikanische Konferenz von Bratislava im Frühjahr 2000 hat eines deutlich zu Tage treten lassen: Russland ist zur Sicherung des amerikanischen Machtanspruch in Europa unerwünscht. Es wird durch einen digitalen Eisernen Vorhang zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer aus Europa herausgedrängt. Will man deshalb nicht an Versailles erinnern, weil die Saat von Versailles nicht nicht endgültig aufgegangen ist?

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Quelle: https://zeitgeist-online.de/2013-11-30-00-57-32/1075-alexander-sosnowski-willy-wimmer-und-immer-wieder-versailles.html

Alexander Sosnowski/Willy Wimmer, Und immer wieder Versailles – Ein Jahrhundert im Brennglas, Verlag zeitgeist Print & Online, Höhr-Grenzhausen 2019, geb., 216 S., 29 Abb., 21.90 €.

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