Die Nordostpassage

Mittwoch, 1. November 2017

Die Länge der Nordostpassage vom Weissen Meer bis zur Beringstrasse beträgt ca. 5.600 km. Die Alternativen dazu: enge Transportarterien durch den Suez- und Panamakanal.

Wenn die Entfernung vom Murmansker Hafen zum Hafen von Yokohama in Japan über den Suez-Kanal ca. 12.840 Seemeilen beträgt, so ist sie auf der Nordostpassage nur 5.700 km lang. Erste ausländische Schiffe haben die Nordostpassage erst im Jahr 1991 passiert. Allerdings war es nicht der Beginn ihrer weiteren Nutzung. Die Strecke war aufgrund vieler schmaler Passagen und flacher Gewässer für tonnenschwere Schiffe schwer zu passieren, auch war die Benutzung der Transitwege vom Zustand der Eisdecke abhängig.

Es scheint, als würde die Lösung dieses großen wissenschaftlich-praktischen Problems aus drei Komponenten bestehen:

  • Transport
  • Mineral- und Rohstoffe
  • Verteidigung.

Dieser Transportweg ist für die Überführung von Lasten von Europa nach Asien einzigartig und um das Vielfache günstiger als der über den Suez-Kanal.

Die Transporte über die Nordostpassage verlangen eine zeitnahe Wiederherstellung und den  weiteren Aufbau der gesamten Infrastruktur: Wetterdienste, Flugrouten, Erforschung der Eisdecke und Ausbau der Häfen. Wo es eine Möglichkeit dafür gibt - Ausbau der Be- und Entladestationen für Schiffe, die auf der Reede liegen. 

Prof. Dr. Alexander Lagutkin

Die wichtigsten Häfen der Nordostpassage in Russland: Dudinka, Dikson, Igarka, Tiksi, Pewek und Prowidenija. So ist Dudinka, zum Beispiel, der nördlichste (internationale) Hafen in Russland, der größte in Sibirien und mit Talnach und Norilsk durch Straßen und die Eisenbahn verbunden.

Das hohe Potential an Mineral- und Rohstoffvorkommen entlang der Nordostpassage lässt auf eine gute Entwicklung der Rohstoffwirtschaft hoffen. Es ist bekannt, dass viele Rohstoffvorkommen, die an den Lauf der nördlichen Flüsse angebunden waren, riesige Vorkommen dieser Mineralien auf dem Festland sicherstellen konnten. 

Was die dritte Komponente angeht, die Verteidigung, so ist das ein Thema, das der weiteren gemeinsamen Ausarbeitung bedarf. Damit die Nordostpassage „richtig“ funktioniert, braucht man auf der anderen Seite verlässliche Partner. Der beste Kandidat wäre, ausgehend von ihrer adäquaten politischen und wirtschaftlichen Einstellung, die Bundesrepublik Deutschland.

Prof. Dr. Martik Gasparyan

Es kann nicht unerwähnt bleiben, dass die Nordostpassage seit dem Beginn des 21 Jahrhunderts für Unternehmen, die Seefracht befördern, immer attraktiver wird. Zuvor war der Suez-Kanal die Hauptverkehrsader, durch die Fracht aus europäischen Regionen in den Fernen Osten geliefert wurde. Im Jahr passieren ihn etwa 18.000 Schiffe. Andererseits, betrug die Zahl derer, die den nördlichen Weg genommen haben, einige Dutzend. Aber in letzter Zeit begann sich das Verhältnis zu ändern. Die Globale Erwärmung gehört zu den Faktoren, die die Aufmerksamkeit auf die Nordostpassage gelenkt haben. In den letzten 30 Jahren schmolz die Eisdecke in der Arktis um fast die Hälfte, die Dicke des Packeises ist deutlich gesunken. Infolgedessen ist die Navigationsperiode in den nördlichen Meeren erheblich gestiegen. Wenn sie früher von Juli bis September ging, so kann sie jetzt schon fast ganzjährig statt finden. 

Darüber hinaus, ist es notwendig einige andere Faktoren zu berücksichtigen, die ausländische Unternehmen in den kommenden Jahren auf diese Route locken könnten. Der Weg über den Suez-Kanal nimmt im Durchschnitt etwa 48 Tage in Anspruch - durch die Nordostpassage nur 35. Die Lieferzeiten verkürzen sich dadurch erheblich, es kann an Kraftstoff- und Transportkosten gespart werden. Es gibt keine Warteschlangen und Gebühren für die Durchfahrt von Schiffen (im Gegensatz zum Suez-Kanal), es gibt nur eine Eisbrecher-Pauschale. Keine Bedrohung durch Freibeuter, während somalische und andere Piraten vor der Küste Afrikas regelmäßig Schiffe angreifen. Und natürlich gibt es keine Einschränkungen hinsichtlich der Größe der Schiffe und der Tonnage (der Suez-Kanal erlaubt nur die Durchfahrt von Schiffen mit einem Tiefgang von nicht mehr als 20,1 m).

Bilder: @depositphotos 

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