Wenn die Lämmer keinen Stall mehr finden. Kommentar

Sonntag, 17. März 2019

In der Politik gibt es keine Mitte mehr? Die Parteien sind nach rechts oder nach links gedriftet, im Zentrum klafft eine Leere, die mit ungewisser Zukunft schreckt.

In den dreißig Jahren seit der Wiedervereinigung, haben die europabedingten Fliehkräfte die politischen Landschaft vermischt. Es wird immer schwieriger genau zu bestimmen, wer jetzt rechts und wer links ist.

Wenn die Lämmer keinen Stall mehr finden

Von Alexander Sosnowski, Chefredakteur

Wenn heute in Deutschland jemand eine Partei mit einer traditionellen, zentrumsorientierten Philosophie benennen könnte, würde er locker die Rolle eines Propheten für sich beanspruchen können. Wie einfach war es für einen Otto-Normal-Verbraucher in den frühen Jahren des Vereinten Deutschlands über die politische Zukunft des Landes zu entscheiden! Alles war klar, zumindest was die so genannten Volksparteien angeht. Etwas rechts von der Mitte war die CDU. Noch ein Stück weiter rechts - die Freien Demokraten und ganz rechts die CSU. In der Mitte und etwas links befanden sich die Sozialdemokraten, noch linker - die "Grünen", am weitesten links - zuerst die PDS, dann nur noch die "Linke".

Die heutige Situation ist viel komplizierter.

Die CDU/CSU ist weit von der Mitte nach rechts gerutscht, wo sich die Alternative für Deutschland fest am rechten Rande verankert hat. Die Sozialdemokraten rutschten nach links ab, verließen die Mitte und kamen der Linkspartei erstaunlich nahe. Die Liberalen wurden aus ihrer traditionellen Position rechts neben der CDU verdrängt und bewegen sich nach dem Zufallsprinzip mal nach rechts, mal nach links und mal in die Mitte, verloren dabei alle Maßstäbe und das klassische Verständnis ihrer Stellung in der deutschen Politik. Obwohl die Grünen auf der linken Seite verblieben sind, versuchen sie mal erfolgreich, mal verzweifelt, sich in die Mitte zu begeben und an die Stelle der CDU zu treten. Interessanterweise hat sich die Rhetorik der Parteien zu den Hauptfragen des politischen Lebens des Landes bewahrt, aber die Pole ändern offensichtlich ihre Vorzeichen. Aus negativ wird positiv und das Positive erhält ein Minuszeichen.

Versuchen wir links und rechts in der deutschen Politik zu definieren.

Diejenigen, die als "rechts" bezeichnet werden, sind bestrebt, eine Gesellschaft zu bewahren, in der die Vorstellung eines Nationalstaates erhalten bleibt und in der es erlaubt sein wird, sich einen Deutschen zu nennen. Sie wollen die Unterdrückung von Versailles vergessen, sich an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern, die Schuld der Eltern jedoch nicht auf ihre Kinder übertragen. Die Rechten sind für die traditionelle Familie, für konservative Werte, für die Emanzipation von den USA und Großbritannien, für die Normalisierung der Beziehungen zu Russland. Die Rechten wollen sicherstellen, dass die Interessen Deutschlands und der Deutschen an erster Stelle stehen. Sie wollen eine sichere und soziale Gesellschaft, ohne unkontrollierbare Massenmigration ins Land. Die Rechten sind dafür, dass der Lebensstandard eines Bürgers durch die Arbeit jedes Einzelnen bestimmt wird und nicht durch den "Rat der Volksvertreter". Die Rechten sind nicht gegen die Atomenergie, sondern gegen die "grüne Aggression" in Form von Windmühlen, die die Natur zerstören. Sie sprechen offen über den Einfluß des Weltkapitals, einschließlich des jüdischen, auf das Schicksal Deutschlands und haben keine Angst, dieses für Deutschland schwierige Thema, offen anzusprechen. Sie kritisieren Israel in vielen Fragen, sind aber per Definition weder antisemitisch noch fremdenfeindlich.In den „linken“ und "grünen" Kreisen ist es üblich, diesen politischen Landesteil als „rechtsradikal“ oder sogar als Nazis zu bezeichnen.

Nun die „Linken“ 

Sie sind dagegen, dass Deutschland seine nationale Identität beibehält, aber dafür, das Land zu einer multinationalen Gesellschaft umzuformen, in der sich jeder bis zu einem gewissen gemeinsamen Nenner assimiliert. Es soll keine Superreichen und keine sehr Armen geben. Keine Arbeitslosigkeit, alle erhalten ein Grundeinkommen - allerdings ohne eine konkrete Vorstellung darüber, wie das eigentlich gehen soll. Für sie gibt es keine Deutschen und keine anderen Nationalitäten - es gibt Bürger mit deutschem Pass. „Familie“ ist für sie zwar ein Wert, aber es müssen Ehen zwischen allen und für alle zugelassen werden. Amerika ist böse, man muss mit den Russen befreundet sein. Sie sind dagegen, dass die Interessen Deutschlands an erster Stelle stehen. Deutschland muss, nach deren Philosophie, seine nationalen Interessen den Interessen der restlichen Welt unterordnen. Sie sind gegen die Einsätze der Bundeswehr im Ausland, aber wenn es doch nötig wird, werden sie nicht all zu laut protestieren. Sie sind bereit alle Flüchtlinge ins Land zu lassen und sie genauso zu behandeln wie arbeitende Deutsche. Der Lebensstandard soll nicht durch die Arbeit des Einzelnen bestimmt werden, sondern durch die Gesellschaft, die die Verteilung der Leistungen und die moralischen Standards beaufsichtigt. Atomkraft - nein, Windmühlen - bitte sehr. Sie schlagen vor auf Autos zu verzichten und auf Fahrräder umzusteigen. Sie erkennen den Staat Israel nicht an und unterstützen daher die Hisbollah, was schon hart an eine antisemitische Haltung grenzt. In den „rechten“ Kreisen nennt man die „Linken“ - Linksradikale und Chaoten.

In den dreißig Jahren seit der Wiedervereinigung, haben die europabedingten Fliehkräfte die politische Landschaft vermischt. Es wird immer schwieriger genau zu bestimmen, wer jetzt rechts und wer links ist. Noch schwieriger wird es zu bestimmen, was wirklich dem Wohle des Volkes dient oder was Deutschland weiter herab stuft. Eines ist klar - in der Mitte hat sich ein politisches Loch gebildet und dies ist die größte Gefahr für die Zukunft des Landes. Ein leerer Raum existiert bekanntlich nicht für lange Zeit. Jemand wird ihn mit Sicherheit füllen und dass die neue Kraft der Mitte ein Segen für Deutschland sein wird, steht keinesfalls fest.

Tags: Deutschland, Volksparteien, CDU/CSU, AfD, Linke, Grünen, Sozialdemokraten, Liberale, World Economy, Alexander Sosnowski

Bilder: @worldeconomy 

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