Wem gehört eigentlich die Arktis?

Dienstag, 14. Januar 2020

Mit Blick auf die in der Arktis verborgenen Rohstoffe, wird das Schwinden des Eises teilweise eher noch begrüßt.

Wem gehört eigentlich die Arktis?

Wem gehört eigentlich die Arktis?

Von Niklas Kharidis

Unlängst dürfte die Nachricht vom schmelzenden Eis in der Arktis bei fast jedem Menschen dieser Erde angekommen sein. Bei jenen, die es existentiell betrifft, weil sie dort leben, genauso wie bei denen, die für das Eindämmen des Klimawandels künftig diverse Steuern zahlen müssen und letztlich auch bei so mächtigen Politikern wie Donald Trump, den die auf Tatsachen basierenden Fakten der Eisschmelze am Nordpol völlig kalt lassen. Mit Blick auf die in der Arktis verborgenen Rohstoffe wird das Schwinden des Eises teilweise eher noch begrüßt. Doch die Frage ist: Wem gehört eigentlich die Arktis?

Arktis: Geo-politischer Krieg um Ressourcen

Schon seit der Jahrtausendwende gibt es Bestrebungen aller um die Arktis herum gelegenen Länder, diese zu größtmöglichen Teilen für sich zu beanspruchen. Auf diesem Schachbrett positionieren sich Dänemark (Grönland), Finnland, Schweden, Island, Norwegen, Kanada, Russland und die USA.

„Die Arktis ist zu einer Schlüsselregion der Weltpolitik geworden - so beginnt eine Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion“- schreibt der Spiegel.

Die internationale Seerechtskonvention gestattet den anliegenden Staaten bereits das Vorrücken bis zu einer Grenze von 200 Seemeilen. Durch diese Grenzen bleibt um den Nordpol herum jedoch eine geraume Meeresfläche bestehen, die tatsächlich noch keinem Staat dieser Erde unterliegt. Generell in der Arktis und vor allem auch in diesem Bereich, vermuten Wissenschaftler reichlich vorkommende Ressourcen wie Öl, Gas, diverse und auch seltenere Metalle, sowie Diamanten und andere für jegliche Wirtschaft wertvolle Rohstoffe. Selbstverständlich wollen die Anrainerstaaten auch dieses über die 200-Meilen-Grenze hinausgehende, vielversprechende Gebiet für sich beanspruchen.

Die längst schon durch den Klimawandel eingetretene Schmelze des dicken Eises macht die Arktis immer zugänglicher und entfacht damit der Streit um diese Region, der letztlich zwar ein rechtlicher ist, sich jedoch mit Blick auf die Geschichte der Menschheit als ein militärischer entpuppt, erneut. 2007 positioniert Russland in einer Tiefe von 4200m die russische Flagge auf dem sogenannten Lomonossow-Rücken und bekräftigt deutlich seinen Besitzanspruch.

Dieser Meeresrücken hat eine besondere Bedeutung im Streit um die Arktis, da dessen aquatischer Verlauf für die Zusprechung weiterer Gebiete ausschlaggebend sein könnte. So einfach ist es damit noch nicht abgegolten, denn zunächst muss der Verlauf dieses ozeanischen Rückens als Fortsetzung der Kontinentalplatte des den Besitzanspruch stellenden Anrainerstaates nachgewiesen werden. Auch Kanada und Grönland erheben Anspruch auf den Lomonossow-Rücken, so dass noch weitere Forschungen ausstehen, um etwaige Eigentumsansprüche auf den Verlauf dieses Meeresrückens basieren zu können. Viele Anrainerstaaten haben unlängst Forschungsexpeditionen veranlasst, um Daten, Fakten und letztlich Beweise für die Zugehörigkeit dieses und auch des Mendelejew-Rückens zum eigenen Land vorbringen zu können.

Arktis: Die NATO kommt ins Spiel

Das Setzen der russischen Flagge auf dem Meeresrücken Lomonossow ist nur die Spitze des Eisberges, denn Russland glänzt seit einer entsprechenden Ankündigung 2013 auch mit besagtem militärischen Vorsprung. Seither werden alte sowjetische Stützpunkte wieder in Betrieb genommen, neue Basen eröffnet und Übungen für den Einsatz in Schnee, Eis und Kälte simuliert. Die Aktivitäten im arktischen Raum beobachtet auch die NATO, auf dessen großangelegte Übung „Trident Juncture“ die Welt unlängst blickte. Diese fand, auch weil es eine Tradition ist, im Mitgliedsstaat Norwegen statt, war aber möglicherweise auch damit verbunden den Einsatz unter den extremen klimatischen Bedingungen nahe des Nordpols ebenfalls zu erproben wollen und das vorhandene Potential auch Russland gegenüber zu demonstrieren. Für Russland sei die Aufrüstung in arktischen Gefilden nach eigenen Angaben von wichtiger Bedeutung, obwohl Moskau hart dafür plädiert die Arktis als einen friedlichen Raum zu sichern und nicht zu einem Militärfeld der NATO werden zu lassen. 

Es sei keine Präsenz der NATO nötig, hieß es seitens der Russen damals in pressewirksamen Mitteilungen, aber letztlich bleibt ein ungutes Gefühl dabei, wie auch die USA im arktischen Gebiet militärische Präsenz zeigen und es alsbald konkret um das Abstecken und Durchsetzen von Grenzen geht.

https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/arktis-bundesregierung-warnt-vor-militarisierung-a-1297380.html

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