Poroschenko. Die Einsamkeit des Präsidenten

Montag, 21. März 2016

Wer wird der nächste Premierminister der Ukraine? Die Experten streiten noch darüber, aber der Präsident hat schon eine Antwort. Nur gefällt sie ihm selbst nicht besonders gut.

Petro Poroschenko/dpa

Von Jan Tscherny, Journalist, Politologe

Petr Poroschenko hat einen Favoriten auserkoren. Es ist der jetzige Parlamentspräsident Wolodymyr Grojsman, ein alter Weggefährte und Kollege des Präsidenten. Über viele Jahre hindurch war er ein loyaler Mitstreiter. Auf seinem Bürgermeisterposten in der Stadt Winnyzja machte er sich aktiv für die Präsidentschaftskandidatur Poroschenkos stark, obwohl er (Grojsman) selbst vorher ein aktives Mitglied der Partei von Julia Timoschenko gewesen ist.

Wladimir Groisman/dpa

Poroschenko hat das nicht vergessen und Grojsman bekam zunächst einen Ministerposten unter Jazenjuks Regierung, um schließlich zum Parlamentspräsidenten aufzusteigen. Für den Präsidenten wäre seine Kandidatur gleichbedeutend einer „Treugarantie“ der Regierung gegenüber dem Präsidenten. Allerdings droht der Wind aus Übersee nicht nur Gewitterwolken sondern einen regelrechten Sturm zu säen. Washington gab recht eindeutig zu verstehen, dass es dort einen eigenen Favoriten gibt: die Jetzige Finanzministerin Natalija Jaresko.

Die dynamische und aktive Ministerin beherrscht nicht nur die amerikanische Denk- und Arbeitsweise, sie hat auch die Staatsbürgerschaft der USA, berichten die ukrainischen Medien. Jaresko hat Erfahrungen und Kontakte in der US-Amerikanischen Businesswelt und ist in der Lage die Interessen des Weißen Hauses in der Ukraine zu wahren.

Natalia Jaresko/dpa

Die dritte Kandidatin könnte die Phönix unter den ukrainischen Politikern werden - Julia Timoschenko, die offen ihre Ambitionen auf den Premiersessel kund tat. Aber nach Expertenmeinung sind ihre Chancen eher schemenhaft, denn reell. 

Poroschenko macht nicht den Eindruck, als würde ihn die Situation zufrieden stellen. Ihm ist klar, dass die Loyalität eines jeden Kandidaten bis zum Moment seiner Ernennung gilt. Wird er erstmal zum Premierminister, wird jeder seine eigene Linie fahren ohne Rücksicht auf den Patron.

Allerdings sind sich auch die USA dessen sehr gut bewusst.