Polens gefährliche Spiele. Gastkommentar

Dienstag, 9. April 2019

Gefährliche Pläne, gefährliche Erwartungen, die erneut von Warschau ausgehen, die Europa nicht nützen und Deutschland gezielt schaden.

Gefährliche Pläne, gefährliche Erwartungen, die erneut von Warschau ausgehen, die Europa nicht nützen und Deutschland gezielt schaden.

Polens gefährliche Spiele

Von Niklas Kharidis, Politikwissenschaftler

Polen versucht, den Intermarium-Plan wieder aufleben zu lassen und einen führenden Platz in der Welt- und Europapolitik einzunehmen, auch auf Kosten Deutschlands. Polnische Politiker werden zur Zeit von den verschiedensten Ideen heimgesucht und fast alle davon betreffen auf die eine oder andere Weise die Interessen Deutschlands. Dabei handelt es sich nicht nur um die wahnsinnigen Vorstellungen einiger Politiker neue Reparationen in Höhe von 900 Milliarden Euro von Deutschland zu verlangen. Reparationen sind kein neues Thema, es ertönte bereits einige Male und Polen wurde vom Deutschen Bundestag auf die Grundlosigkeit solcher Forderungen aufmerksam gemacht. 

Die älteste - was den Zeitpunkt ihrer Entstehung angeht - und gleichzeitig die ehrgeizigste Idee der polnischen Neoliberalen, ist die Idee der Drei-Meere-Initiative oder des Intermariums. 

Die Idee eines Staates, welcher sich von den nördlichen Meeren bis zum Schwarzen Meer erstreckt, wurde 1904 erstmals von dem polnischen Diktator General Josef Piłsudski geäußert. In diesen Plänen spielt die "Abtrennung" Russlands vom restlichen Europa durch den Bund mehrerer Länder eine besondere Rolle. Die Ukraine sollte der Schlüssel zur "Eroberung" der Russen werden. Folgendes schreibt eine bekannte Internet-Ressource über diese Idee:

„Mit der Ukraine hatte Piłsudskis Föderation von Grenzländern eine wirkliche wirtschaftliche Perspektive und Überlebenschance. Als ihr Hauptförderer hätte Polen über ein Handelsnetz verfügt, das sich von Finnland bis in den Nahen Osten erstreckt. Polen hätte wieder zum Glanz seiner mittelalterlichen Vergangenheit zurückkehren können, als es der Legende nach ein Gebiet kontrollierte, das größer war als das Römische Reich, über Kosaken und Tataren herrschte und die zähneknirschenden Moskowiter Prinzen in ihre Schranken wies. Ohne die Ukraine waren die Grenzstaaten jedoch nicht mehr als Stacheln am Grenzzaun der Alliierten.“

https://www.wsws.org/de/articles/2016/07/08/int1-j08.html

Genau diese Idee klingt in letzter Zeit immer öfter an, angesichts der polnischen Rolle bei der heutigen Krise in der Ukraine. 

Polen unterstützte den Putsch aus dem Jahr 2014, der in Europa aus irgendeinem Grund „Revolution“ genannt wird und versucht nun auf den Trümmern der zerfallenden Ukraine die eigenen Intermarium-Träume wieder zu beleben. 

Marcin Terlikowski vom Polnischen Institut für Internationale Angelegenheiten in Warschau,  schreibt dazu: „Ich würde sagen, dass das Intermarium ein politisches Konzept ist, das nur von Fall zu Fall und von Zeit zu Zeit Anwendung findet. Aber es wird sich nicht zu etwas Beständigem und Robustem entwickeln; einfach deshalb, weil die natürlichen Differenzen der Kerninteressen dieser Staaten zu unterschiedlich sind.“ 

https://www.pivotarea.eu/2016/07/08/pro-contra-intermarium-eigene-sicherheitsallianz-der-osteuropaeer/

Polen wirbt in Europa aktiv um Unterstützung für die Idee. 

2016 wurde eine Art lockeres Bündnis gegründet, bestehend aus Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Österreich und allen drei Ländern des Baltikums. Das heißt, alle Länder, die eine Art Grenzlinie vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer ziehen. Natürlich, passierte das alles nicht ohne Zutun der USA. Der bekannte amerikanische Analytiker George Friedman hat sich klar für die Schaffung dieses Bundes ausgesprochen. 

„.. die USA setzen wieder auf eine Intermariums-Allianz, um gegen Russland und auch Deutschland vorzugehen. Polen und Rumänien, die über die größten Armeen der Region verfügen, sehen sie dabei als Schlüsselpartner der USA.“ 

https://www.wsws.org/de/articles/2017/06/14/pole-j14.html

Anzumerken ist, dass Deutschland in diesen Plänen gänzlich fehlt - als gäbe es das in Europa gar nicht. In Anbetracht des obigen Zitats zu den Wünschen der Vereinigten Staaten bei diesem Projekt wird deutlich, dass die polnische Dominanz im Intermarium-Plan durch eine bewusste Verringerung der Rolle Deutschlands in Europa realisiert werden soll. Dies sind gefährliche Pläne, die das Gleichgewicht zwischen Zielen und Prioritäten in Europa noch weiter stören und die Spannungen zwischen Europa und Russland einerseits und Deutschland und den Ländern der maritimen Region andererseits verstärken könnten. Gefährliche Pläne, gefährliche Erwartungen, die erneut von Warschau ausgehen, die Europa nicht nützen und Deutschland gezielt schaden.

Tags: Polen, Intermarium, Deutschland, Europa, Russland, World Economy

Bilder: @worldeconomy @depositphotos 

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