Ouroboros

Mittwoch, 15. Juni 2016

Vor einigen Tagen führte die NATO Manöver unter dem Namen „Anakonda“ durch - simuliert wird dabei ein Überfall Russlands auf Polen

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Jan Tscherny, Autor und Politologe

Während 30.000 NATO-Soldaten in Polen ein seltsames Schauspiel über die Abwehr eines russischen Panzerangriffs veranstalten, sind Mitglieder der Allianz im Baltikum - Estland, Lettland und Litauen - in den Kampf eingetreten. Unter der Leitung von amerikanischen Militärs, bestehend aus den in Europa, auch in Deutschland, stationierten Verbänden, läuft gerade wieder ein Krieg mit Russland mit dem Codenamen Saber Strike - bis jetzt nur virtuell. Nach den Plänen der Generäle sollen Saber Strike und Anaconda Russland ganz unzweideutig die Stärke der Allianz und die Unantastbarkeit der NATO-Grenzen aufzeigen. Schwer zu sagen, wer im NATO-Hauptquartier die glorreiche Idee hatte, das Manöver auf den Namen Anaconda zu taufen. Bei gebildeten Menschen ruft das nur eine Assoziation hervor - „Die sich selbst in den Schwanz beissende Schlange“ oder Ouroboros. Wikipedia erklärt den Begriff so: „Ouroboros braucht keine Wahrnehmung, da außerhalb seiner nichts existiert; keine Ernährung, da seine Nahrung die eigenen Ausscheidungen sind, und er bedarf keiner Fortbewegungsorgane“.

Das trifft’s auf den Punkt. Denn außer einer Zuspitzung an den europäischen Grenzen und einer Verschlechterung des ohnehin schon angespannten Verhältnisses mit Moskau wird Anaconda, ebenso, wie alle anderen Manöver, nichts bringen. Es werden Millionen Euro verschwendet, einige Generäle werden mit ein paar Waffen hantieren können und das wars - man hat sich selbst in den Schwanz gebissen. 


Es ist schwer zu glauben, dass Barack Obama seinem Nachfolger eine mögliche atomare Konfrontation in Europa hinterlassen möchte. Immerhin hat er mit so vielen Friedensversprechen sein Amt angetreten. 

Viele Menschen verbanden sehr viel Hoffnung mit der neuen Politik des jungen, dynamischen, farbigen US-Präsidenten Barack Obama, gerade auch in Deutschland, und sie wurden alle bitter enttäuscht. Die von den USA dominierte NATO stationiert Tausende Soldaten in den Grenzgebieten zu Russland, mehrere Bataillone sollen in Osteuropa die Außengrenze der NATO schützen. Die Ausgaben der NATO-Mitgliedsländer für "Verteidigungsaufgaben" werden im Jahr 2016 um drei Milliarden US-Dollar anwachsen, so jedenfalls gab es der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kürzlich in einer Pressekonferenz zu.

Das ist wieder eine Politik des gefährlichen Wettrüstens, wie einst im "Kalten Krieg" und die Bundesrepublik war und ist dabei eine zentrale Drehscheibe für den Kampf der Giganten USA und Russland. Die Waffenindustrie ist der größte Wirtschaftsmotor der USA, und deshalb muss diese Maschinerie um jeden Preis am Laufen gehalten werden. Am alten und neuen Katz- und Maus-Spiel mit und gegen Russland verdienen die beteiligten US-Konzerne Billionen US-Dollar und das Schöne daran ist für die Amerikaner, dass das enorme Risiko dieses Spiels mit dem Feuer vor allem die Europäer, allen voran die Deutschen auszubaden haben. 

Info: (http://www.eur.army.mil/SaberStrike/)

WHAT IS SABER STRIKE?

Saber Strike is a long-standing U.S. Army Europe-led cooperative training exercise designed to improve joint interoperability through a range of missions that prepare the 13 participating nations to support multinational contingency operations. The exercise - taking place from May 27-June 22 in multiple locations throughout Estonia, Latvia and Lithuania - serves as an effective proving ground for units to validate their ability to assemble rapid-reaction forces and deploy them on short notice where needed.

 

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