Krieg gegen den Iran wird die Region sprengen

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Die Situation um den Iran ist nach wie vor ziemlich explosiv. Die Vereinigten Staaten versuchen mit Hilfe der neuen Koalition den jüngsten Initiativen des Iran entgegenzuwirken

Von David Shahnazaryan

Militäreinsätze können nicht nur durch politische Entscheidungen eines der Hauptakteure beginnen, sondern auch als Folge eines sogenannten Zufallskriegs - war by accident - ausbrechen.

Sollte der ungewollteste Fall eintreten - Militäreinsätze und Kriegsausbruch - ist es natürlich offensichtlich, dass Bodenoperationen gegen den Iran praktisch ausgeschlossen sind. Staaten, die unfreiwillig in diesen Krieg hineingezogen würden, müssten dann ebenfalls an Militäreinsätzen beteiligt sein, wodurch sich die Zahl der Einheiten, die an Feindseligkeiten im gesamten Nahen Osten teilnehmen, erheblich vervielfachen würde - von Syrien bis zu den VAE, vom Iran bis nach Saudi-Arabien und so weiter. Im Falle von Militärinterventionen ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Iran innerhalb von vier bis sechs Monaten über Atomwaffen verfügen wird. 

Es ist unmöglich alle Szenarien zu berechnen, aber eines ist klar: Sollte der Iran massiven Luftangriffen ausgesetzt sein, wird sich ein großer Strom von Flüchtlingen in Bewegung setzen. Höchstwahrscheinlich wird die Türkei ihre Grenzen schließen und diese Ströme werden sich hauptsächlich Richtung Norden bewegen - in Richtung Grenze zu Armenien und Aserbaidschan.

Solche Szenarien würden nicht nur für Armenien und Aserbaidschan, sondern auch für Russland eine ernsthafte Bedrohung darstellen und einige russische Experten haben bereits vermutet, dass Russland seine Grenztruppen an der armenisch-iranischen Grenze möglicherweise ausweiten und verstärken müssen wird. Ebenso wird es die Kontrolle über die aserbaidschanisch-iranische Grenze übernehmen müssen, sowie über die tatsächliche Grenze zwischen dem Berg-Karabach und Iran.

Russlands Gewicht auf der internationalen Bühne wird im Falle solcher Entwicklungen erheblich zunehmen, weil niemand außer Russland die Vermittlerrolle übernehmen können wird. China wird dabei wahrscheinlich ebenfalls seine Unterstützung demonstrieren. Die russisch-iranischen Beziehungen gewinnen bereits jetzt strategische Alliiertenqualitäten. Dies zeigt das jüngst geschlossene Abkommen über eine erweiterte militärische Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Russland.Es ist nicht ausgeschlossen, dass Aserbaidschan bei groß angelegten Militäreinsätzen im Iran versucht eigene Militäreinsätze in Berg-Karabach zu starten.

Nach dem viertägigen Krieg im April 2016 wurden Vermittlervorschläge diskutiert, die ausschließlich darauf abzielten, Spannungen abzubauen und einen zwischen den Konfliktparteien am 12. Mai 1994 geschlossenen Waffenstillstand aufrechtzuerhalten. Die Vorschläge der Ko-Vorsitzenden Länder der OSZE-Minsk-Gruppe wurden von Aserbaidschan jedoch nicht angenommen. Nach dem Machtwechsel in Armenien im April-Mai 2018 wurden diese Themen von der Tagesordnung der Verhandlungen gestrichen, diese Bestimmungen werden in den Erklärungen der OSZE-Minsk-Gruppe nicht mehr erwähnt.

Gegenwärtig ist die globale Sicherheit in der gesamten Region gefährdet und Militäreinsätze gegen den Iran könnten einen neuen Krieg in Berg-Karabach auslösen. Wieder umgekehrt, könnte auch ein Ausbruch von Feindseligkeiten in Berg-Karabach zu einem Impuls für die Verschärfung der Lage im Iran werden.In diesem Zusammenhang, ist es enorm wichtig neue, groß angelegte Militäreinsätze im Bereich des Berg-Karabach-Konflikts zu vermeiden. Für die gesamte Region des Nahen Ostens - Südkaukasus gewinnt diese Aufgabe zunehmend an Bedeutung.

Tags: Iran, Berg-Karabach, Armenien, Aserbaidschan, Naher Osten

Infokasten

David Shahnazaryan

Außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Armenien, Botschafter des Präsidenten von Armenien für besondere Aufgaben in den Jahren 1992-1995, Leiter des Nationalen Sicherheitsdienstes von Armenien in den Jahren 1994-1995, Abgeordneter der Nationalversammlung der Republik Armenien in den Jahren 1991-1995 und 1995-1999.

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Quelle: https://www.aravot-ru.am/2019/10/07/313600/

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