Hexenjagd in der Ukraine

Mittwoch, 22. Juni 2016

Radikale Websites in der Ukraine veranstalten eine regelrechte Hexenjagd auf unliebsame Journalisten, Politiker, Experten, darunter auch aus Deutschland, Italien und Frankreich

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Jan Tscherny, Politologe, Autor

Der russische Außenminister Sergej Lavrov, der tschechische Präsident Miloš Zeman, der ehemalige französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing, der chinesische Staatspräsident Xi Jinping - alle diese Politiker finden sich neben anderen auf der rechts-radikalen Website „Злочинець“ (ukr.: Bösewicht, Verbrecher, Anm. d. Red.)

Nur wir sind echte Patrioten 

Nach Meinung der Betreiber der Website sind alle diese Leute Verräter der Ukraine, Terroristen oder zumindest Agenten des Kreml. Von deutscher Seite erhielt die Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht einen Ehrenplatz in der Liste der ukrainischen Feinde. 

Trotz scharfer Kritik von Seiten der Menschenrechtler, publizieren die Betreiber weiterhin Informationen über Menschen, die sie willkürlich, nach eigenem Gutdünken, zu Staatsfeinden und Terroristen erklären. Nur wir sind echte Patrioten - so der Tenor der Seite.

Hier geht es nicht mehr um Journalistenkultur oder Ethik. Man muss von einer böswilligen Verletzung elementarer Menschenrechte, der menschlichen Würde sprechen. Mit der Veröffentlichung solcher Daten, machen sich die Autoren, ebenso wie die Betreiber, faktisch der Anstiftung zur physischen Gewalt an ihren „Feinden“ schuldig, zerstören ihren Ruf. Leider, verschließen deutsche und internationale Menschenrechtler vor diesen Zuständen die Augen, das gleiche gilt auch für die Medien. Das Verhältnis zu den Radikalen in der Ukraine beruht auf dem Prinzip: Sie sind Schweinekerle, aber sie sind unsere Schweinekerle. 

Anonymer Angriff

Die Skandal-Website betreibt die Hexenjagd mit Genuss, aber Informationen über sich selbst werden sorgfältig und professionell versteckt. Sogar bei der sorgfältigsten Durchsicht der Website ist es unmöglich Namen, Telefonnummern oder andere Daten der Autoren oder Redakteure zu finden. Internationale Auskunftsdienste teilen lediglich mit, dass die Domain über die Kiewer GmbH „Hostmaster“ registriert wurde, aber der Server selbst befindet sich nicht in der Ukraine, sondern in Estland. Der Name des Besitzers taucht nicht auf. 

Die eifrigen Kämpfer gegen Feinde der Ukraine ziehen es vor ihre eigenen Gesichter zu verstecken. Aber das Interessanteste findet sich unten auf der Seite, klein geschrieben und kaum lesbar: „Die Liste wurde nach dem Ergebnis einer Anonymen Umfrage erstellt… An der Erstellung der Liste arbeiteten Mitarbeiter des Ukrainischen Sicherheitsdienstes mit, die für die nationale Sicherheit der Ukraine zuständig sind“. 

Zur Information: Der Ukrainische Sicherheitsdienst, ist der Nachfolger des ukrainischen KGB. Direkt dem ukrainischen Präsidenten unterstellt.

Die Hexenjagd in der Ukraine nimmt immer bedrohlichere und obskurere Formen an, es bleibt nur auf den gesunden Menschenverstand und das Verantwortungsbewusstsein der ukrainischen Politiker zu hoffen, die endlich gemäß dem Gesetz Ordnung schaffen müssen und nicht durch die Hilfe radikaler militanter Gruppen.  

Bilder: @depositphotos / WE

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