Die vier Kriege des Präsidenten Erdogan

Dienstag, 7. Juni 2016

Der türkische Präsident will angeblich beweisen, dass durch seine Adern echtes Janitscharen-Blut fließt. Und er erklärt allen den Krieg, den er nur verlieren kann

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Lars Bergott, Politologe

Die Frage darüber welches Blut in wessen Adern fließt, scheint für den türkischen Präsidenten Erdogan höchste Priorität zu haben. Die Tinte unter der vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Resolution, die den Genozid an den Armeniern anerkennt, war noch nicht mal trocken, schon überhäufte der türkische Leader Mitglieder des Bundestags - die man gemäß einer politisch-korrekten deutschen Tradition „Bürger mit türkischen Wurzeln“ nennt - mit Vorwürfen. 

„Wer hat gesagt, die seien Türken?“ - empörte sich der reinrassige Janitschar - „Man sollte deren Blut in einem Labor analysieren.“ 

Selbst, wenn man so tun würde, als hätte die ganze Welt den Rassismus in seinen Worten nicht gemerkt, so wäre es doch eine gute Idee Erdogan an seine eigene Herkunft zu erinnern. Viele Internet-Quellen behaupten, dass er… ein Georgier sei. 

„Erdogans Familie kam aus Georgien in die Türkei“, schreibt das einflußreiche Focus-Magazin. 

Obwohl - es uns völlig egal ist, welches Blut nun in Jemandes Adern fließt. Überlassen wir diese Fragen Erdogan.

Allerdings sollte die Reaktion des türkischen Präsidenten auf die sich schon seit geraumer Zeit anbahnende Entscheidung des Bundestags Anlass für Überlegungen sein. Wohin führt Erdogan sein Land, wohin zieht er seine NATO-Partner mit hinein?

Hier eine kleine Aufzählung der vier  Kriege des türkischen Präsidenten:

  1. Die Türkei schießt ein Russisches Flugzeug ab und geht in eine militärisch-wirtschaftliche Konfrontation mit dem noch vor kurzem verlässlichen Partner. Ein möglicher "Vollkrieg" kann nicht mehr ausgeschlossen werden.
  2. Der Bundestag erkennt den Genozid an den Armeniern an, Erdogan ruft seinen Botschafter zu Konsultationen ab und droht sowohl Deutschland als auch seinen „verräterischen Landsleuten“ mit Rache. Ein diplomatischer Krieg ist im Gange.
  3. Erdogan hat das gute Verhältnis zu Israel praktisch zerstört und befindet sich seither in einem Zustand dauerhafter Spannungen mit dem jüdischen Staat. Nervenkrieg und keine Entspannung in Sicht.
  4. Die Türkei behauptet gegen den IS zu kämpfen, greift jedoch kurdische Stellungen an. Ein unabhängiges Kurdistan am Horizont.

Man möchte anmerken, dass ein Zweifrontenkrieg kaum zu gewinnen ist. Erdogan hat vier davon. Noch vier...

 

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