Die Spannungen zwischen dem Westen und Russland werden den Punkt „Reykjavik-2" erreichen

Montag, 9. April 2018

Der führende Analytiker des Zentrums für Regionale Studien David Shahnazaryan (Armenien) kommentiert die aktuelle Situation um die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen im Interview mit dem Ersten Armenischen Informationskanal.

David Shahnazaryan :

21 oder 22 Länder deportierten russische Diplomaten. Die Situation eskaliert stetig und hat, meiner Meinung nach, ihren Höhepunkt erreicht. Die Liste ist bekannt, 60 Diplomaten aus den Vereinigten Staaten, dann mehrere Diplomaten aus Kanada, damit wird natürlich ein starker Druck aufgebaut. Aber das ist erstmal nur politischer Druck, keine neuen Wirtschaftssanktionen wurden hinzugefügt.

Zweitens, in Europa gab es bei ca. 15 bis 18 Staaten eine sehr starke und einflussreiche Tendenz, dass die Beziehungen zu Russland wiederhergestellt werden sollten, dass die Sicherheit Europas ohne Russland unmöglich zu gewährleisten ist. Ich möchte Sie an die letzten beiden Reden des ehemaligen deutschen Außenministers erinnern und insbesondere an seinen Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Er hat offen erklärt, dass in Fragen der europäischen Sicherheit Russland der zentrale Partner ist. Dies hängt auch mit der Energiepolitik Russlands zusammen, der Nord Stream 2. Jetzt, steht das alles still, obwohl es für Russland sehr wichtige Fragen sind.

David Shahnazaryan: 

Ich bin überzeugt, dass früher oder später der Punkt erreicht sein wird, den ich "Reykjavik-2" nenne, den es im Jahr 86 bereits schon einmal gab. Erinnern wir uns daran, dass parallel zu Salisbury Putin eine ziemlich harte Rede im Föderationsrat gehalten hat, dann ein Interview, der Film von Solowjew. Was wurde dort gesagt? Dass Putin wiederholt betont, dass eine unipolare Welt inakzeptabel ist, Instabilität bedeuten würde, eine multipolare Welt wird benötigt. Im Dezember wurde die US-Sicherheitsdoktrin veröffentlicht, sie wurde von Präsident Trump präsentiert, obwohl sie vom ehemaligen Sicherheitsberater McMaster vorbereitet wurde. Zwei Gefahren werden dort deutlich benannt: Russland und China. Meiner Meinung nach, ist eine multipolare Weltordnung, die für Russland von Vorteil ist, in dem Sinne nicht profitabel, dass Russland mit China gleichgesetzt wird. Das Ziel ist, Putin zu zeigen, dass wir nicht in zu einer bipolaren Welt zurückkehren sollten, wo der zweite Pol nach den Vereinigten Staaten nicht China, sondern Russland war und die Demonstration von Waffen ist auch darauf zurück zu führen.

Der einzige Weg, um zu einem Modell der bipolaren Welt zu gelangen, ist es, die Frage Nummer eins zu bleiben, was Putin bereits demonstrierte. Das führt früher oder später zu „Reykjavik-2“ und die einzige Frage ist, wann und unter welchen Umständen dies passieren wird.

Vollständiges Interview auf Russisch hier: http://ru.1in.am/1218793.html

Bilder: @depositphotos

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