Die oben können nicht, die unten wollen nicht - das ist Europa

Sonntag, 24. Februar 2019

Angela Merkel wäre längst in den Ruhestand gegangen, hätte sie das Zitat von Otto von Bismarck gelesen: „Es ist in der Politik niemals möglich, mathematische Beweise zu geben“

Die berühmte Formel einer Revolutionssituation - „die oben können nicht, die unten wollen nicht“, passt perfekt zum heutigen Europa. Das Inselkönigreich krankt am Brexit, die Grande Nation zog sich Gelbwesten an, das Wiedervereinigte Deutschland spaltet mit seiner Migrationspolitik die Welt, ein Großteil der europäischen Waren ist „made in China“ und es gibt bald mehr Moscheen als Kirchen. Aber der alte transatlantische Bruder bietet Hilfe an. In Form von möglichen Neustationierungen von Mittelstrecken Raketen in Deutschland, Rumänien, Polen, sowie Strafzöllen und der Behinderung von Nord Stream-2.

Angela Merkel wäre längst in den Ruhestand gegangen, hätte sie das Zitat von Otto von Bismarck gelesen: „Es ist in der Politik niemals möglich, mathematische Beweise zu geben“.

Von Prof. Alexander Sosnowski, Chefredakteur

Die berühmte Formel einer Revolutionssituation - „die oben können nicht, die unten wollen nicht“, passt perfekt zum heutigen Europa. Das Inselkönigreich krankt am Brexit, die Grande Nation zog sich Gelbwesten an, das Wiedervereinigte Deutschland spaltet mit seiner Migrationspolitik die Welt, ein Großteil der europäischen Waren ist „made in China“ und es gibt bald mehr Moscheen als Kirchen. Aber der alte transatlantische Bruder bietet Hilfe an. In Form von möglichen Neustationierungen von Mittelstrecken Raketen in Deutschland, Rumänien, Polen, sowie Strafzöllen und der Behinderung von Nord Stream-2.

Die Mathematik stimmt nicht

Angela Merkel wäre längst in den Ruhestand gegangen, hätte sie das Zitat von Otto von Bismarck gelesen: „Es ist in der Politik niemals möglich, mathematische Beweise zu geben“. Sie kam in einer Zeit an die Macht, als die CDU mit großen innerparteilichen Problemen zu kämpfen hatte, die sie allesamt nicht ganz zugunsten der Partei löste. Gut kalkulierte sie nur ihre Bewegung auf der Karriereleiter ein. Den alternden Kohl beseitigen, den immer noch gefährlichen Schäuble beiseite schieben, den Parteiapparat für sich einnehmen. Diese ersten Integrale verstand sie brillant zu lösen. Dann begann sie, einfachere Probleme zu beseitigen. Gefährliche Konkurrenten aus der ersten Reihe entfernen - auch das hat sie mit Bravour gelöst. Die Mitglieder der Anden-Gruppe - Koch, Wulff, Merz, Pflüger und andere wurden zunächst separiert und dann nach und nach von dem politischen Schachbrett entfernt. Zwar hat Friedrich Merz versucht, in diese Welt zurückzukehren, aber bekanntlich kann man nicht zweimal in den selben Fluss steigen. Wenn Mathematiker jedoch fehlerfreie Vorhersagen machen könnten, würden sie vom Roulette leben. Das klappt aber nicht. Die Kanzlerin glaubte so sehr an die eigene Unfehlbarkeit, dass sie plötzlich selbst bei der simplen Multiplikationstabelle Fehler zu machen begann.

Wir schaffen das

„Wir schaffen das“, sagte Merkel und öffnete, unter Umgehung der Verfassung des Landes, Grenzen für Millionen von Flüchtlingen. Menschen strömten nach Europa und es ist absolut unmöglich fest zu stellen, wer von ihnen wirklich ein Flüchtling war und wer hier einfach auf der von Merkel losgetretenen Welle angeritten kam. Ob die Kanzlerin nun keinen Taschenrechner zur Hand hatte oder es doch am Alter lag, aber die Aufgabe zur Umsiedlung der Völker wurde zu einem immensen Fiasko. Sowohl für Merkel als auch die gesamte europäische Elite. Die Ausgangsdaten sind bestens bekannt - es gibt eine ganze Reihe von Ländern, in denen die Bevölkerung am Rande einer humanitären Katastrophe lebt. Es gibt auch eine Reihe von reichen europäischen Ländern, die etwas Geld übrig haben. Wenn man die Ersten mit den Zweiten multipliziert, so die Mathematikerin Merkel, kommt was Drittes heraus, von dem jeder profitieren wird. Es ist merkwürdig, dass eine erfahrene Wissenschaftlerin vergessen hat, dass Eins multipliziert mit Null keine Zwei oder Drei ergibt. In diesem Fall wird die Eins selbst zu einer Null. Null - nicht nur als eine Bewertung ihrer Vorstellungen von universeller Migration, sondern auch Null für die CDU, die dem Willen ihrer Vorsitzenden devot nachkam und viele Wähler verlor.

Nord Stream-2 vs. teueres Flüssiggas aus den USA

Nun ist Bundeskanzlerin Angela Merkel damit beschäftigt, das zweite Problem zu lösen, das nicht so viel Mathematik erfordert. Es geht um die Nord Stream-2. Die Ausgangsdaten dieser Gleichung sind denkbar einfach. Die Interessen der deutschen Bürger und der deutschen Wirtschaft gegen die politischen Abenteuer der Vereinigten Staaten. Washington benutzt die Zwischenrufe aus der Ukraine und Polen als Vorwand und versucht Deutschland und Europa sein teures Flüssiggas anzudrehen. Es scheint, als hätte Merkels mathematische Denkweise ihr ermöglicht, die Gleichung doch zu lösen: Deutschlands nationale Interessen stehen über allen politischen Forderungen von Außen. Berlin hielt sich lange Zeit strikt an die Absicht den Bau der Gaspipeline fortzusetzen. Und wie auch sonst? Die erfundene Abhängigkeit Europas oder die Beschwerden der Ukraine sollten Berlin dazu bewegen zu seinem eigenen Nachteil zu wirtschaften? Es ist für niemanden ein Geheimnis, dass die Ukraine, die in der Liste der korruptesten Länder der Welt steht, nur an Geld interessiert ist. Seit vielen Jahren hat die Ukraine erfolgreich Gas aus den nach Europa führenden Pipelines gestohlen und sich nicht um die Modernisierung ihrer Gasnetze gekümmert. Und dieser Geldstrom in Form von fast kostenlosem Gas könnte versiegen und die nächsten Milliarden würden nicht in die Taschen der Oligarchen fließen. Wir erinnern uns übrigens auch daran, dass der Präsident Petro Poroschenko versprach, alle eigenen Geschäfte abzugeben, sich aber in den Jahren seiner Präsidentschaft  um mindestens eine halbe Milliarde Euro bereichert hat. Aber Kiew kann ja nicht offen sagen, dass es nur um Geld geht. Also streut man Gerüchte, dass Russland Europa in eine Falle locken und die Europäer mit dem Gasventil erpressen wird. Die Vereinigten Staaten verwenden diese Anschuldigungen geschickt, um Deutschland dazu zu zwingen die Nord Stream-2 aufzugeben und ihr teures Flüssiggas an Europa zu verkaufen. Übrigens darf festgehalten werden, dass sowohl Russland als auch die UdSSR zuvor stets absolut zuverlässige Gaslieferanten waren und zwar selbst in Zeiten akuter Krisen vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Ja, Gazprom hat die Gashähne für die Ukraine mal zugedreht, jedoch nur bei monatelangen Zahlungsverzögerungen aus Kiew. 

Die beste Mathematikerin unter den Kanzlern, Merkel, löste mit Leichtigkeit den ersten Teil - sie weigerte sich, den Bau der Nord Stream-2 aufzugeben. Es sind jedoch zusätzliche Bedingungen der EU aufgetaucht, was in der Mathematik öfters passiert. In die Gleichung wurde ein neues Glied eingeführt, das gegen die strikte arithmetische Struktur des Projekts verstieß - Emmanuel Macron.

Ist es Zeit ein Zimmer auf St. Helena zu buchen?

Der elitäre Politiker, der die Bundeskanzlerin nach der Unterzeichnung des Aachener Abkommens so vertraut geküsst hatte, erwies sich plötzlich als ein schlechter Gentleman und verwarf seine Worte über die ewige Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Macron sagte, er würde Deutschland nicht beim Bau einer Gaspipeline aus Russland unterstützen und verlangte eine andere Lösung, so wie es auch die Vereinigten Staaten forderten. Gewiss, seine Keckheit hielt nicht lange an - er erinnerte sich wahrscheinlich daran, dass Donald Trump überhaupt nicht vor hatte mit Frankreich befreundet zu sein und schon gar nicht mit Macron persönlich. Vielleicht sagte Merkel in Deutsch versehentlich etwas über  die Insel St. Helena und der französische Präsident entschied sich zum bescheidenen Schweigen. Und er hat ja auch genug, worüber er nachdenken kann - die Gelbwesten nähern sich bereits den Champs-Elysees - und wer weiß, ob es nicht vielleicht bald zu einem Sturm kommt. Macron hat alle seine guten Umfragewerte eingebüßt, er ist nicht an die Großen der Welt herangewachsen, in seinem Land herrscht das Chaos. Im Allgemeinen ist er nur eine weitere Null in der Gleichung der europäischen Eliten.

Noch mehr Nebel

In der Geschichte der Staaten der Welt gibt es viele Fälle, in denen eine künstlerische Person den Sitz des Landesführers übernahm. Zum Beispiel kann ein Filmschauspieler ein sehr erfolgreicher Präsident werden. Geschichten von Staatsoberhäuptern, die ihrerseits zu Künstlern wurden, sind praktisch unbekannt. In der zeitgenössischen Geschichte Europas gibt es jedoch einen Staat, der, obwohl vernebelt, einen Premierminister hat, der besser tanzt als regiert. Das ist natürlich Teresa May, die mit ihrem Brexit-Tanz bereits ganz Europa ermüdet hat. Sie kann sich mit Europa nicht einigen, mit dem eigenen Parlament auch nicht. Aber sie tanzt großartig, was natürlich viel schwieriger ist, als die Führung eines solchen Landes wie Großbritannien.

Die europäische Elite beginnt nachzulassen. Arroganz ist im Überfluss vorhanden, aber es gibt wenig Kraft und Autorität. Das Traurigste ist jedoch, dass es am Horizont keine Persönlichkeiten im Format von Helmut Kohl oder Charles de Gaulle gibt, die Europa neue Ideen und Philosophien anbieten und vor allem diese Ideen auch umsetzen könnten.

Tags: Migrationspolitik, Brexit, Gelbwesten, Nord Stream-2, World Economy, Alexander Sosnowski

Quellen: 

https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_otto_fuerst_von_bismarck_thema_politik_zitat_16687.html

https://www.n-tv.de/politik/dossier/Kohl-Merz-und-die-SPD-article816749.html

Bilder: @worldeconomy @depositphotos

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