Die Freiheit der Verbote

Mittwoch, 27. April 2016

Seit dem Jahr 2016 sind in der Ukraine alle nach dem 01. Januar 2014 in Russland produzierten Filme verboten. Darunter auch völlig harmlose Zeichentrickfilme und Comedy-Serien

@depositphotos

Jan Tscherny, Autor, Politologe

Das Wort „Freiheit“ kann man in der Ukraine völlig problemlos aussprechen. Und das auch nur, weil es gleichzeitig der Name einer rechtsradikalen Partei ist, die durch ihre wenig freiheitlich liberalen Ansichten und Ideologien bekannt wurde. Dessen ungeachtet veröffentlichte die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ ihr Rating der Meinungsfreiheit in 180 verschiedenen Ländern. Die Ukraine nimmt darin den ehrenhaften 107 Platz ein, irgendwo neben Guinea und rückt damit stolze 22 Plätze nach oben. Nach welchen Maßstäben sich die werten Journalistenkollegen bei der Beurteilung der Situation in der Ukraine orientierten, ist indes nicht ganz klar. Die Regierungsorgane verabschieden ein Gesetzt nach dem anderen - inklusive darauf folgenden Ergänzungen - die die Meinungs- und Pressefreiheit immer weiter einschränken, aber das scheint die Autoren des Ratings nicht weiter zu stören.

Nur um es noch einmal in Erinnerung zu rufen: Gerade vor wenigen Tagen hat Kiev den Ukrainern verboten weitere 34 russische Filme und Serien zu sehen. Letzte Woche brachte der Präsident Petr Poroschenko  Ergänzungen ein, nach denen nicht nur die nach 2014 produzierten Filme verboten werden, sondern sogar noch ältere, die zudem schon im ukrainischen Fernsehen gesendet wurden.

Auch wenn man durchaus verstehen (wenn auch nicht rechtfertigen) könnte, warum Kiev russische Filme mit kriegerischer oder krimineller Thematik fürchtet, so kann man trotzdem überhaupt nicht verstehen, warum auch Comedy-Serien oder Zeichentrickfilme verboten werden. Der schon paranoide Drang einiger führender ukrainischer Politiker alles was aus Russland kommt kategorisch abzulehnen, erreichte in diesem Verbot der Meinungsfreiheit seinen Höhepunkt.

Es ziemt sich nicht für ein Volk mit großer kultureller Vergangenheit einen Kampf gegen Meinungen zu führen. Vor allem dann nicht, wenn es sich um freie Meinungen handelt.

 

Noch während dieser Artikel in Arbeit war ging eine Meldung durch die Nachrichtenticker. Der ukrainische Migrationsdienst hat dem bekannten Autor und Journalisten Sawik Schuster unter einem fadenscheinigen Vorwand die Arbeitserlaubnis entzogen. Der Fernsehmoderator selbst trat in den Hungerstreik und meint, dass er seine Protestaktion solange fort führt, bis man ihm wieder erlaubt in der Ukraine zu arbeiten.

foto: depositphotos 

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