Der Schlüssel zur Weltherrschaft

Dienstag, 17. Dezember 2019

Jeder Krieg, sei er asymmetrisch oder konventionell zwischen Nationen geführt, bringt seinem Wesen nach tiefe Verletzungen über Generationen hinaus.

Der Schlüssel zur Weltherrschaft

Der Schlüssel zur Weltherrschaft

Von Wolfgang van Biezen

Jeder Krieg, sei er asymmetrisch oder konventionell zwischen Nationen geführt, bringt seinem Wesen nach tiefe Verletzungen über Generationen hinaus. Hass, schnell gesät und in die menschlichen Gemüter gepflanzt, zerstört Vertrauen, und es dauert Generationen, bis Gesellschaften wieder zueinander finden. Und weil das Töten von Menschen durch Menschen zutiefst der menschlichen Natur widerspricht, sind die Jahre unmittelbar nach einem grossen Waffengang die friedlichsten. Wenn die Trümmer noch nicht beseitigt sind, die Propagandatrommeln verstummt und der Schmerz über verlorene Angehörige noch nicht abgeklungen ist, hat die Vernunft für kurze Zeit Konjunktur. Das Wort «Frieden» bekommt wieder einen tiefen Gehalt, Herzen, Augen und Ohren sind offen. Malerei, Literatur, Theater, Philosophie und Politik, Bildungswesen, alle Zeugen der Nachkriegszeit, ja, das ganze menschliche und zwischenmenschliche Um und Auf weiss, was gemeint ist: «Endlich Frieden.»

Europa ringt um eine Friedensordnung

So trat nach den Verwüstungen grosser Teile Europas durch marodierende Truppen des Dreissigjährigen Krieges Besinnung ein. Der «Westfälische Friede» 1648 war der Beginn und ehrliche Versuch einer europäischen Friedensordnung, bei der die beteiligten Parteien gleichberechtigt, auf gleicher Augenhöhe sozusagen, verhandelten. Die gegenseitige Achtung, nicht die Ächtung der ehemals verfeindeten Parteien, sollte die Voraussetzung für einen dauerhaften und gerechten Frieden sein. 

So weit in die Geschichte geht Willy Wimmer in seinem neuesten Buch zurück, um dann herauszuarbeiten, dass 1819 am Wiener Kongress, nachdem Napoleons Truppen grosse Teile des europäischen Festlandes mit Krieg überzogen hatten, das besiegte Frankreich mit am Verhandlungstisch saß und gleichberechtigt mit der Siegerkoalition um eine gesamteuropäische Friedensordnung rang. Allerdings wurde in Wien seinerzeit auch eine Weiche gestellt, welche die Friedensbemühungen des österreichischen Kanzlers Metternichund des russischen Zaren Alexander I. ad absurdum führte. Sie schlugen die Bildung einer «Heiligen Allianz» vor, was den Frieden unter christlichem Primat für Europa sichern sollte.

Grossbritannien – Krieg als Mittel der Politik

Das Königreich Grossbritannien trat der Allianz nicht bei und behielt sich damals die Freiheit zur Kriegsführung vor, wann und wo immer es ihm angebracht schien. Um es noch einmal hervorzuheben: Grossbritannien hat sich explizit vorbehalten, und das gilt heute wie vor zweihundert Jahren uneingeschränkt, Krieg als Mittel der Politik zu gebrauchen, wann immer es angezeigt ist. Man muss kein Historiker sein, um zu konstatieren und zu begreifen, dass der Vorbehalt am Wiener Kongress nicht nur leere Worte oder Drohungen waren. Die Kolonisierung in und ab dieser Zeit durch das Vereinigte Königreich auf fünf Erdteilen, mit impliziertem Elend, wird in unseren Schulen als eine längst vergangene Epoche mit dem Namen «Imperialismus» gelehrt.

Die historische Wahrheit ungeschminkt zur Kenntnis nehmen

Es ist immer wieder erstaunlich, wenn Willy Wimmer seinen ungewöhnlich grossen Erfahrungsschatz, den er als Politiker, besonders in Zeiten des Umbruchs, erworben hat, mit uns teilt. Er stellt Bezüge her zu gesellschaftlichen Abläufen, die den meisten von uns unbekannt sind oder die wir nicht so gerne hören und sehen mögen. Wer von uns hat je geahnt, dass eine russische Verfassung 1988 im Weissen Haus in Washington entworfen und geschrieben wurde. Oder dass die USA selbstverständlich davon ausgehen und diesen Ernstfall in ihren Manövern auch üben, dass der nächste Atomkrieg auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland unter deutscher Beteiligung stattfinden werde. Beides nachzulesen in «Die Akte Moskau» von Willy Wimmer als Zeitzeugen. 

Wenn man also die Arglist der Zeit begreifen will, ist es notwendig, die historische Wahrheit ungeschminkt zur Kenntnis zu nehmen, um daraus einen vorsichtigen Blick in die Zukunft zu wagen.

Willy Wimmer beleuchtet in dem «Lagebericht» zu seinem neu erschienenen Buch, «Halford Mackinder. Der Schlüssel zur Weltherrschaft. Die Heartland-Theorie», die letzten 115 Jahre angloamerikanischer Politik. Seine einzige Quelle, der Vortrag von Halford Mackinder vor der renommierten königlich geographischen Gesellschaft in London aus dem Jahr 1904, ist ihm dabei Vergleichsgrösse. Von dort aus stellt er permanent Bezüge zur Gegenwart her. 

Aus Erfahrung sei dem geneigten Leser folgendes empfohlen: Erst die Heartland-Theorie verstehen und nachvollziehen, dann den ausgezeichneten Lagebericht lesen, nachvollziehen, verstehen und dann allenfalls erst Kritik üben. Hier gilt der Wahlspruch der London School of Economics. Er lautet: 

RERUM COCNOSCERE CAUSAS (Die Ursachen der Dinge erkennen). So entstehen gute Dialoge.

Auf dem Wege zur Weltmacht

Mackinder hielt seinen Vortrag, der bei Willy Wimmer in voller Länge abgedruckt ist, am Vorabend des Ersten Weltkrieges und kurz vor der grössten Ausdehnung des Britischen Empires auf dem Weg zur Weltmacht. Der Leser kann damit die Denkweise damaliger britischer imperialer Politik nachvollziehen und das Geschriebene auf heutige Aktualität hin überprüfen. Die strategischen Überlegungen Mackinders können so auch für Lehrer und ihren Geschichtsunterricht wichtig werden sowieso für alle, welche die Ursachen der beiden Weltkriege und die internationalen Spannungen der Gegenwart verstehen möchten. Seinerzeit flossen mehrere Wissenschaftszweige zusammen: Die Ökonomie, die Geschichtswissenschaften, die Sozialwissenschaften und die Geographie. Wir als Zeitzeugen haben bereits erlebt, dass nach dem Zusammenbruch der UdSSR für kurze Zeit nur noch eine, die einzige Weltmacht USA bestand. Die Welt wurde darum nicht friedlicher. Im Gegenteil. Exakt nach den Vorgaben Mackinders beriet Zbigniew Brzezinski die Präsidenten der USA, wie, wo und zu welchem Zweck sie ihre weltweiten Kriege führen sollten. 

Fragen ergeben sich heute, ob das Vereinigte Königreich sich anschickt, wieder zu alter Macht und Grösse zu gelangen, zumal sich die USA im Niedergang zu befinden scheinen. Den Brexit könnte man unter diesem Gesichtspunkt betrachten. Das Commonwealth muss nicht gross reaktiviert werden, es funktioniert noch recht gut. 

Wir wissen aus der Geschichte: Die Strategien britischer Politik sind langfristig angelegt. Die Erfahrungen, welche das Inselreich im Laufe der Jahrhunderte auf dem Weg der Kolonisierung fremder Völker durch sogenannte Soft- und Hardpower gesammelt haben, sind weltweit unübertroffen. Zur Softpower kann getrost der «linguistische Imperialismus» gezählt werden. Die Wirtschaftswelt, die Bankenwelt, die Wissenschaftswelt, die politische Welt, zum Beispiel die EU, sprechen heute selbstverständlich englisch. Auch die Ausarbeitungen des Frederick Lugard, 1. Baron Lugard, bekannt als «Indirect Rule», deren Regeln jedem Kolonialbeamten des Empires mit ins Gepäck gegeben wurden, gehören genauer auf ihre Aktualität hin untersucht. Wer ist sich schon bewusst, dass unter Beachtung dieser, bei britischen aber auch bei deutschen Kolonialverwaltungen bewährten, Vorgaben nach dem zweiten Weltkrieg die Behörde OEEC – später OECD – über Gelder des Marshallplans von den USA eingerichtet wurde, um zu versuchen, sämtliches zivile Leben in den westeuropäischen Industrienationen bis ins Detail zu regeln. 

Die Deutungshoheit über die Geschichte liegt nach wie vor bei den Siegermächten des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. Hier wartet noch Arbeit auf die historische Wissenschaft, wenn sie sich nicht von den Elitehistorikern wie Christopher Clark oder Niall Ferguson durch die Weltgeschichte führen lassen mag. 

Die Theorie von Halford Mackinder 

Den anwesenden Geographen erklärte Mackinder 1904 kurz zusammengefasst: Die kolumbische Zeit sei vorbei. Die Zukunft liege im Osten im Herzland Eurasiens in Russland. Ein Zusammengehen Deutschlands und Russlands und Chinas und Russlands müsse verhindert werden. Die Gefahr bestehe, dass der riesige Kontinent, der über technisches Know-how, ausreichend Arbeitskraft und reiche Rohstoffvorräte verfüge, einen Reichtum entwickeln würde, der alle anderen Inselstaaten in den Schatten stellen würde. Für den die Seemacht England sei ihre Überlegenheit auch deshalb in ernster Gefahr, weil sie von den Weltmeeren aus keinen Zugriff auf den Russland hätte. Russland habe keine Flüsse, die nach Süden abfliessen. 

Die Briten haben es von den Spaniern und diese von den Wikingern gelernt: Will man ein Land erobern, fährt die Flotte über einen Fluss ins Innere des Landes und macht von dort aus Eroberungszüge (Amazonas, Ganges, Jangtse, Mississippi zum Beispiel). Ausgenommen sei der russische Fluss Don, der ins Asowsche Meer abfliesst, aber gut geschützt sei. 

Da kommen einem das Referendum auf der Krim und die noch nicht lange zurückliegenden Attacken an der Meerenge von Kertsch in den Sinn. Der einzige Zugang für konventionelle Streitkräfte zu den unermesslichen russischen Weiten (und ihrer Rohstoffe) sei der Zugang über die Nordeuropäische Tiefebene, den schon die napoleonischen Heere, aber auch die deutsche Wehrmacht im Dritten Reich genutzt hat.

Russland dürfe umgekehrt auf gar keinen Fall einen Zugang zu den Weltmeeren bekommen. Deutschland und Russland dürfen nicht zusammengehen, da hier ein Zugang zum Atlantik möglich wäre. China und Russ-land dürfen ebenfalls nicht zusammengehen, da über diesen Weg Russland einen Zugang zum Pazifik bekäme. Indien, welches in die strategischen Weltmachtpläne stets eingebaut wurde, war derzeitig fest in britischer Hand, und die britische Regierung tat alles, damit der Indische Ozean für Russland unerreichbar war. Die Gefahr bestehe, so Mackinder 1904 explizit, dass der riesige Kontinent, die Hälfte davon Steppenland, durch den Bau von Eisenbahnen erschlossen werde. Der Plan Kaiser Wilhelms II. für den Bau der Bagdadbahn liessen darum seinerzeit im Machtzentrum London die Alarmglocken schrill läuten. Für die Seemacht England sei die Überlegenheit auf den Weltmeeren in ernster Gefahr. 

Bedeutung Mackinders für die Gegenwart

Betrachtet man die gegenwärtige Grosswetterlage auf dem Eurasischen Kontinent und betrachtet man dies unter den oben genannten Gesichtspunkten, ist es aus angloamerikanischer Sicht mehr als verständlich, dass die «Neue Seidenstrasse» für erhebliche Nervosität sorgt. China und Russland haben die ideologisch begründete Feindschaft aufgegeben und kooperieren auf mehreren Gebieten. Unter anderem dadurch ist China über Moskau auf dem Landweg in Duisburg angekommen. Der grösste Binnenhafen Europas blüht auf, und das Ruhrgebiet überwindet gerade den Strukturwandel der 70er Jahre. Die Schweiz ist (ohne grosses Getöse) über den Rhein an die Neue Seidenstrasse angebunden, der Handel blüht. Rotterdam und damit der Zugang zum Atlantik liegt sozusagen um die Ecke. 

Über den Klimawandel, der in den westlichen Industrienationen zu wahren Kinderkreuzzügen führt, herrscht in Russland heimliche Freude. Seit geraumer Zeit schmilzt das Polareis. Die Ost-West-Passage entlang der russischen Nordmeerküste ist je länger je mehr eisfrei und für Schiffe aller Art und ganzjährig befahrbar. Es ergeben sich für die russische Föderation neue Zugänge zu den Weltmeeren. Ein Zustand, von dem das Zarenreich seit dem Bau seiner Flotten träumte. Heute profitiert auch China davon, weil bereits ein Teil der maritimen Seidenstrasse neuerdings über diese frei gewordene Wasserstrasse läuft. 

Allerdings sollten auch bei uns und besonders in Deutschland, das über die Nato eng an angelsächsische Entscheidungen angebunden ist, die roten Lampen aufleuchten. Von der festen Überzeugung nach 1945, «kein Krieg mehr von deutschem Boden!», ist nicht mehr viel übriggeblieben. Die Hemmschwelle der deutschen Politiker, einen Krieg zu führen, ist seit dem grundgesetz- und völkerrechtwidrigen Jugoslawienkrieg nicht mehr vorhanden. Das deutsche Parlament hat kläglich versagt und versagt weiterhin. Von Friedenswille keine Spur. Im Gegenteil. In der nordeuropäischen Tiefebene und direkt an der russischen Grenze sind die alliierten Nato-Truppen in Stellung gebracht. Frau von der Leyen wurde unter merkwürdigen Umständen ins Amt der EU-Kommissionspräsidentin gehievt. Auch sie, die im Militär als international bestens vernetzt gilt, ist Absolventin der London School of Economics. In der LSE, wie sie kurz genannt wird, werden die Eliten der Welt auf zukünftige Missionen vorbereitet.

Präsident Trump, der darauf besteht, dass Europa endlich seine militärische Verantwortung wahrnimmt, und Deutschland darin eine Führungsrolle zuweist, gönnt uns bestenfalls, schreibt Willy Wimmer, eine Atempause. Diese sollten wir nutzen, verstärkt, bewusst und tatkräftig Mittel und Wege zu suchen, den Frieden mit unseren östlichen Nachbarn zu sichern.

Es gibt ein Land in Europa, in dem die Kriegsfrage dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden muss. Es ist notwendig, darüber in Austausch zu treten, dass Deutschland sein Grundgesetz dahingehend ändert, dass elementare Fragen, Krieg und Frieden betreffend, neben dem Parlament zwingend dem Volk vorgelegt werden müssen.

Buchbesprechung

Und immer wieder Versailles

Ein Jahrhundert im Brennglas

Alexander Sosnowski im Gespräch mit Willy Wimmer

„if ever we were to re-educate the German population it would be a good thing to mix freely with them and teach them our standarts of freedom and individual responsibility“ Field Marshal Montgomery, Sept. 1945.

„Wenn wir jemals die deutsche Bevölkerung umzuerziehen hätten, wäre es eine gute Sache, sich frei mit ihr zu verbinden und ihr unsere Vorstellungen von Freiheit und persönlicher Verantwortung beizubringen.“ Feldmarschall Montgomery, September 1945. 1

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu. Ein russischer und ein deutscher  Experte haben sich getroffen und ein Gespräch zur globalen Grosswetterlage vor und nach „Versailles“ geführt. Beide Autoren des im Mai 1919 erschienen Buches „Und immer wieder Versailles“ sind, das darf mit Recht konstatiert werden, dem Frieden auf der Welt verpflichtet.  

Gemessen an dem, wie der sogenannte Friedensvertrag von Versailles nach 1919 die europäischen Völker gegeneinander in Stellung brachte, dabei neue militärische Konflikte vorbereitete, wie Mitteleuropa zerstückelt, gleichzeitig drei Kaiserreiche von heut auf morgen abgeschafft, das Osmanische Reich filetiert wurde, Revolutionen den westlichen Teil Eurasiens erschütterten,  zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit eine Nation zur einzigen Weltmacht mutierte, also gemessen an der Wucht der Umwälzungen ist es doch erstaunlich, dass bezüglich Versailles aus Historikerkreisen keine nennenswerten Impulse für eine öffentliche und breite Diskussion über Ursachen und Wirkungen dieser Verträge zu vernehmen sind. Deutschland hat Alleinschuld am ersten Weltkrieg, und damit basta! Auch oder gerade deshalb ist in den unmittelbar betroffenen Nationen wie zum Beispiel Deutschland, Österreich oder Ungarn ist zum Thema lediglich betretenes, fast verschämtes Schweigen  zu vernehmen. 

Ist denn seit den sogenannten Friedensverträgen von 1919 Frieden auf der Welt eingekehrt? Hat ein Umdenken und Handeln in Bezug auf Krieg und Frieden stattgefunden? Ist es die Regel geworden, dass bei Uneinigkeiten der Verhandlungstisch aufgesucht, wird um einen möglichen militärischen Konflikt mit all seinem Elend zu vermeiden?

Werden Kriege wirklich geächtet? Ist das Völkerrecht, mehr als nur eine Absichtserklärung? Wer gibt einer Nation das Recht, eine andere Nation eine Umerziehung zu verordnen? Ist es erlaubt, willkürlich Grenzziehungen vorzunehmen? 

Wieso wird die Natur des Menschen, die auf Frieden und gedeihliches Zusammenleben mit den Mitmenschen ausgerichtet ist, so erbärmlich missachtet?

Warum dürfen wir mit unseren Nachbarn nicht in Frieden leben? Was hat der Aufmarsch des selbsternannten Angriffsbündnisses Nato an der Grenze zur russischen Föderation mit kollektiver Sicherheit zu tun? Wieso wird China neben Russland in London am 4. Dezember 2019 am NATO Gipfel für die NATO als Herausforderung klassifiziert? Es gibt tatsächlich Nationen, die sich das Recht nehmen, Krieg als Mittel der Politik zu beanspruchen. Welche Philosophie erlaubt solch ein Denken? Wer entscheidet, in welche Richtung historische Forschung gehen darf und in welche auf gar keinen Fall? Wer masst sich an, einer anderen Nation eine Alleinschuld an einem Krieg zu zuweisen. Und wieso akzeptiert diese andere Nation die zugewiesene Alleinschuld? Gibt es vom Volk gewählte Präsidenten, die, weil nicht genehm, einfach weggeputscht werden?

Ja, und wer dominiert das Weltweite Finanzsystem? Wer sind die Nutzniesser und wer Geschädigte? Wer will Frieden, wer will Krieg?

Professor Alexander Sosnowski, geb.1955 in Kiew, ist ausgewiesener Experte für Sicherheitspolitik. Er arbeitet für mehrere deutsche sowie russische Medien. Er führt das Gespräch mit Willy Wimmer, der unseren Lesern als Politiker im Deutschen Bundestag, Buchautor und Verfasser mehrerer Grundlegender Artikel zu Geschichte und Gegenwart der deutschen Politik bereits bekannt ist.

Beide Autoren verfügen über äusserst interessante Biographien, und das Gespräch zwischen den beiden, die weiterführenden Gedanken, sowie die umfangreichen Antworten, nehmen den Leser auf höchstem Niveau auf  politisch - historische Betrachtungen der brennenden Fragen von heute mit. Dieses Buch ist gut zu lesen, setzt unter Umständen einiges an Wissen voraus. Es sollte mit Bedacht und Musse gelesen werden. Dann entpuppt es sich als dem Ereignis „Versailles“ angemessene  Anregung zum Durch- und Weiterdenken. Das Geschichtsverständnis von beiden ist ähnlich: Versailles hat eben eine Vorgeschichte. Am Wiener Kongress sassen nach den verheerenden Napoleonischen Kriegen alle Parteien, auch die besiegten, am Tisch und rangen um eine europäische Friedensordnung. Der russische Zar Alexander I. entwickelte den Plan, zukünftige Konflikte friedlich am Verhandlungstisch zu lösen, bevor es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung käme. Diesem durchaus vernünftigen Vorgehen schloss sich der Österreichische Kanzler Metternich an. Die Briten, bereits zügig auf dem Weg zur Weltmacht, konnten diesem Vorgehen nichts abgewinnen und erklärten dezidiert, dass es für sie unabdingbar sei, Kriege zu führen, wann und wo es ihnen erforderlich erschien. 

Hier wurde eine Weiche gestellt, die bis in die Gegenwart angelsächsische Politik bestimmt. Wie diese aussieht, welche Denkungsart zugrunde gelegt wird, wie zwei Weltkriege aufgegleist wurden und wie alles in die Gegenwart hineinspielt wird in dem Gespräch zwischen Alexander Sosnowski und Willy Wimmer auf hervorragende und äusserst lehrreiche Art entwickelt. Und zwar mit einem erstaunlichen Wissen. Die beiden Autoren arbeiten, wie man so schön sagt, auf der gleichen Wellenlänge zusammen. Das ist für russisch-deutsche und deutsch russische Geschichtsbetrachtung eher ungewöhnlich und erfreulich. Dadurch wird die Deutungshoheit der Siegermächte in der Geschichtsschreibung, welche doch zu einer gewissen Starrheit der Forschung geführt hat, aufgeweicht. Ein modernes Geschichtsbild wird bereichert durch neue, bisher unbekannte oder nicht gedachte Zusammenhänge. 

Quellen:

https://zeitgeist-online.de/und_immer_wieder_versailles

Westend Verlag. Der Schlüssel zur Weltherrschaft, Halford John Mackinder, Willy Wimmer

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