Der Politiker, der die Wahrheit spricht

Mittwoch, 25. April 2018

In seinem Buch ''Deutschland im Umbruch'', veröffentlicht beim Verlag ''Zeitgeist Print und Online'', schreibt Willy Wimmer, ehemaliger Staatssekretär des Ministeriums für Verteidigung, offen und direkt über Deutschland - seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Es gibt in Deutschland nicht viele Politiker, die die Feinheiten und Hintergründe der deutschen Politik nicht nur durch Schlagzeilen und aus Berichten ihrer Sekretäre kennen. Deutsche Politiker, die es wagen, ohne Rücksicht auf politische Korrektheit zu sprechen, einfach ehrlich und offen ihre Meinung sagen, können erst recht an den Fingern abgezählt werden. 

Unter ihnen ist natürlich auch Willy Wimmer zu finden, der über 33 Jahre lang ein Mitglied des Bundestages war, als Staatssekretär des Ministeriums für Verteidigung diente und Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE gewesen ist. 

Für diejenigen, die nachvollziehen wollen, welche internen und externen Prozesse in Deutschland statt fanden, welche Rolle historische Personen in diesen Prozessen spielten und auch die Perspektiven der Entwicklung des Landes und der Welt verstehen wollen, für die ist das Buch von Willy Wimmer eine Pflichtlektüre. 

Der Autor hat in seinem Buch die spannendsten Momente im Leben der Bundesrepublik zusammengefasst, die er erlebt und an denen er auch selbst teilgenommen hat, und das fast vierzig Jahre lang. Ein aufmerksamer Leser wird das alles auf den Seiten des Buches finden können. 

Ich möchte die Aufmerksamkeit auf ein paar wichtige Weltereignisse lenken, die aus meiner Sicht uns alle direkt betreffen - die Leser.

„Deutschlands militärisches Engagement im Ausland ist schlichtweg ein Bruch mit der guten Tradition unserer Politik seit 1949. Früher vermied man es, in die Konflikte anderer Staaten und Gruppen hineingezogen zu werden, und ist gut damit gefahren“, - ist auf der Seite 89 zu lesen.

Tatsächlich, haben wir seit geraumer Zeit aufgehört darauf zu achten, dass wir, sprich die deutsche Bundeswehr, an vielen Konflikten direkt beteiligt sind. Einschließlich jener, die vielleicht der Anfang eines großen Krieges, sogar eines Weltkriegs werden könnten. Willy Wimmer weist darauf hin, dass Deutschland, als Mitglied der NATO, gezwungen ist, eine untergeordnete Rolle des „Soldaten“ zu spielen, praktisch zum Nachteil der eigenen nationalen Interessen. 

Zum Beispiel weist der Autor darauf hin, dass die Bundeswehr im Rahmen der NATO-Manöver an Übungen in der Ukraine und Georgien teilnimmt, trotz der Tatsache, dass diese Länder in Konflikte mit der Russischen Föderation verwickelt sind und zur gleichen Zeit versuchen Mitglieder der Allianz zu werden. Doch nach den Statuten der NATO kann ein Land, auf dessen Territorium es ungelöste militärische Konflikte gibt, kein Mitglied der Allianz werden. 

Wimmer kritisiert auch Brüssel und Berlin, die diese Regel zu umgehen versuchen und damit alle Prinzipien der NATO verletzen. Es ist besonders erwähnenswert, dass es sich dabei eben um Willy Wimmer handelt, der nicht vom Hörensagen weiß, was militärisch-strategisches Gleichgewicht tatsächlich bedeutet, sondern als führender Politiker die Prozesse in der Bundeswehr gesteuert und dessen Meinung auch der Altkanzler Helmut Kohl immer sehr geschätzt hat, der hier offen und laut über die Veränderung der NATO- Politik spricht - von einem Verteidigungs- zu einem Angriffsbündnis.

Und, wenn wir schon über die NATO sprechen, dann ist es kaum möglich in diesem Zusammenhang die Seiten unerwähnt zu lassen, auf denen Willy Wimmer über die Beziehungen von Deutschland, Europa und der Welt mit der Russischen Föderation schreibt.

„Die Teilung Russlands ist das Ziel", lautet der Titel des Abschnitts, der Russland gewidmet ist. Vom Tschetschenien-Krieg, über den Streich in der Ukraine, bis hin zu dem Sanktionskrieg gegen Russland - eine detaillierte Analyse der Situation, Berichte über Begegnungen mit Politikern - Wimmer beschreibt alles, wie üblich, ganz offen und direkt. Äußerst interessant ist der Bericht über eine Reise auf die Krim. Wimmer war positiv erschüttert von der Tatsache, dass auf der Krim ein alter Soldatenfriedhof erhalten blieb, wo Soldaten der Wehrmacht, die in Kämpfen auf der Krim gefallen waren, beerdigt wurden. Der Friedhof wird weiterhin gepflegt und das sollte als ein Zeichen der Versöhnung zwischen Deutschen und den Russen betrachtet werden, sagt Willy Wimmer. 

Und, natürlich, wurde auch der Sanktionskrieg der USA, der unter dem Vorwand einer Vergeltung für die Annexion des Krim gegen Russland geführt wird, zum Gegenstand der Analyse des Autors.

Das allerdings ist auch gar nicht wirklich das Ziel. Vielmehr soll Russland deutlich geschwächt werden, damit amerikanische Interessen mit großer Durchschlagskraft durchgesetzt werden können“, - so Wimmer.

Aber ich will dem Leser nicht das Vergnügen nehmen, das Buch selbst zu lesen und zu verstehen, warum sich Deutschland, nach Ansicht des Autors, in einem Umbruch befindet.

Ich wünsche Ihnen allen eine angenehme und nützliche Lektüre.

Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur

Bilder: @world economy

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