Der neue Mensch

Mittwoch, 20. November 2019

Wenn einem ein Buch in dem außergewöhnlich interessanten Genre des utopischen Abenteuerromanes in die Hände fällt, stellt man sich immer die Frage, was den Autor des Werkes dazu bewegt hat.

"DER NEUE MENSCH" von Cyril Moog

"DER NEUE MENSCH" von Cyril Moog

Von Alexander Sosnowski 

Eigene Erfahrungen, Interesse an historischen Ereignissen oder der Wunsch, neue literarische Formen zu schaffen? 

Buchbesprechung. DER NEUE MENSCH Von CYRIL MOOG ( Verlag Zeitgeist)

Auf jeden Fall kann man sagen, dass der Autor des Buches "DER NEUE MENSCH" Cyril Moog, all dies voll und ganz gelungen ist. Noch bevor der Leser den faszinierenden Roman durchblättert, zieht sein Titel,„New Man“, die Aufmerksamkeit auf sich. Was soll das sein? Die Geschichte der Weltentstehung in der postbiblischen Zeit? In gewissem Sinne - ja. Die Geschichte zweier Liebenden - Anna und Heinrich, die uns auf bizarre Weise aus dem Jahr 1921 nach 1915, von New York nach Berlin und wieder zurück versetzt, zu Hitler ins Büro verschlägt und und die Monologe des nächsten Assistenten des Führers - Rudolf Hess - hören lässt. 

Der aufmerksamer Leser, der mit den deutschen Klassikern bekannt ist, wird unweigerlich einen kaum wahrnehmbaren, aber doch sehr vertrauten Stil in den Zeilen des Buches erkennen. Hier ist ein Beispiel-Absatz: 

„Ich bin nun in München, schreiende Menschen um mich herum. Blut, überall Blut! Neben mir Hitler, auch er schreit, doch ich kann ihn nicht hören, weil ein Maschinengewehr erbarmungslos feuert. Immer mehr Menschen stürzen oder lassen sich zu Boden fallen. Über mir ein Berg von Körpern. Ich ersticke!“ 

Natürlich! Genau so - mit diesen Worten, in diesem Redetempo, mit einer ähnlichen Auswahl von Metaphern, lässt sich der frühe Erich Maria Remarque erahnen. Wahrscheinlich hat der Autor nicht wirklich daran gedacht, sein Werk im Stil der Romane des deutschen Klassikers wie „Im Westen nichts Neues“ oder „L’Arc de Triomphe“ zu schreiben. Aber er tat es recht anmutig und sehr literarisch. Liebhaber von Remarques Prosa werden zweifellos eine Ähnlichkeit bemerken, die Cyril Moogs Werk beim Lesen ein gewisses Flair und einiges an Attraktivität verleiht. 

Der Autor versetzt seine Figuren durch die Zeit, was den Leser zum Weiterlesen verleitet und Raum eigene Überlegungen lässt - Überlegungen in der Art von „was wäre, wenn...“ Dies gibt einen scharfen Anhaltspunkt für das Verständnis des Zeitraums, in dem sich die Helden des Romans befinden. 

Zum Beispiel eine Episode, in der Rudolf Hess der Protagonist ist. 

„»Darf ich vorstellen: Rudolf Heß. Und Heinrich von Trott. – Haben Sie von dem Aufmarsch in der Leopoldstraße gehört? Unglaubliche Massen!«
»Das wird sich bald ändern«, antwortete Heß. »Wenn wir erst einmal marschieren und die Stadt von ihnen säubern. Außerdem hat man mir gerade berichtet, dass die Moral bei den Roten im Keller ist. 

In welcher Zeit lebt Heß aus dem Roman? Schließlich könnten solche Worte auch von jemandem ausgesprochen werden, der in unserer Zeit lebt. Moral - das ist es, was heute in der Gesellschaft als Mangelware gilt. Dabei spielt es keine Rolle, das ein Mitarbeiter Hitlers über die Moral spricht - man darf das nicht 1:1 auffassen, es ist eher metaphorisch. In der Gesellschaft gibt es viele Güter - Geld, Wohlstand, Status, Respekt, aber nicht genug Moral. Nicht genug für ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer nationalen Kultur. Die Moral wird durch den Begriff "gemeinsame Werte der Gesellschaft" ersetzt, der Kategorien umfasst, die dem christlichen Europäismus im Allgemeinen fremd sind. Und hier ist eine andere interessante Seite des Romans - die Argumentation über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer bestimmten jüdischen Verschwörung. Geheime Zeichen, Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Gesellschaftsschicht, finanzielle Abhängigkeit - dies fesselt den Leser, führt zu Situationen, die sorgfältig geprüft und analysiert werden müssen. 

„Hitler schnellte von seinem Sitz hoch und rief mit prächtigem Volumen über alle hinweg: »Bravo! Nieder mit der Zinsknechtschaft! Nieder mit dem Versailler Vertrag!...« 

Im Jahr 2019, anlässlich des 100. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrags von Versailles, klingen die Worte, die der Autor des Romans Adolf Hitler zuschreibt, besonders beängstigend und prophetisch. Es ist kein Zufall, dass der Autor die Aufmerksamkeit des Lesers auf diesen Satz lenkt - er verbirgt wahrscheinlich die Formel für künftige Unglücksfälle in Deutschland und anderen mit Versailles verbundenen Staaten. 

Und letztlich - der Schlussakkord. 

„Da kommt ein Soldat auf mich zu. Ein Feind? Ich greife in meine Brusttasche und ziehe den Revolver hervor ... „ 

Eine ungewöhnlich symbolische Situation - ein Revolver, ein Soldat, ein Schuss? Gibt der Autor dem Leser die Möglichkeit, die Situation selbst zu spüren und sich zu entscheiden - schießen oder warten? Und nur der Mensch kann für sich selbst entscheiden, was zu tun ist - das ist die Intention des Autors. 

Ein Roman, die allen lesen sollten, die zwischen den Zeilen lesen können, dass es keine Vergangenheit und Zukunft gibt. Es gibt die Gegenwart und diese muss verstanden und gewürdigt werden. 

"DER NEUE MENSCH" von Cyril Moog ist zweifellos ein erfolgreiches Buch und ein Erfolg für den Verlag. 

Quelle: https://zeitgeist-online.de/1061-cyril-moog-der-neue-mensch.html

Bilder: @depositphotos 

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