Offener Brief an: Marx Reinhard, Kardinal, Erzbischof von München

Mittwoch, 18. Juli 2018

Willy Wimmer: ''Ihre öffentlichen Stellungnahmen zu der Frage, was geht und was nicht geht''

Eminenz, was soll ich davon halten, daß Sie als Gast bei der zu einer jährlichen Kriegskonferenz mutierten Münchener Sicherheitskonferenz für jeden Betrachter unübersehbar als Ehrengast anwesend sind und den dort auch jährlich versammelten deutschen, angelsächsischen und allgemein internationalen Kriegstreibern nicht die Leviten lesen für ihr schändliches Tun? Wo waren Ihre persönlichen Worte oder die der von Ihnen vertretenen Deutschen Bischofskonferenz gegen die völkerrechtswidrigen Kriege der NATO seit dem ordinären Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahre 1999 und die nachfolgenden Mordzüge von Afghanistan über den Irak, Syrien, Libyen bis hin zu anderen Staaten? 

Ganze Nachbarstaaten von uns wurden durch die amerikanische NATO-Führungsmacht unter den Präsidenten Clinton, Bush den Unsäglichen und Obama in die Steinzeit zurückgebombt. Und Ihr, verehrte Eminenz, Wort dagegen? Fehlanzeige und stattdessen Vollpräsenz unter den uns allen seit 1999 und dem Angriff auf eine europäische Stadt-Belgrad eben- sattsam bekannten Kriegstreibern in einem wohltemperierten Sitzungssaal. Man braucht sich nicht zu fragen, was man davon zu halten hat.Schon vorher kennt man die Antwort auf eine derartige Frage. Seit Jahrzehnten verläuft die Drogenroute zur Versorgung von Rotterdam und Tel Aviv aus dem Hafen von Buenos Aires über Westafrika nach Norden. Darüber wird heute der lukrative Transport von Menschen nach Norden vorgenommen.

Zu Ihrem Sprengel zählt ein oberster ehemaliger europäischer Polizeibeamter, der das beurteilen kann. Buenos Aires ist bekanntlich die Heimat des derzeitigen Heiligen Vaters und gerade unsere Kirche, Eminenz, ist bekannt dafür, wie umfassend Ihre Kenntnis auch der weltlichen Dinge ist. Ein hochrangiger Diplomat aus Asien hat dazu einmal geurteilt, daß die römische Kirche den weltbesten Nachrichtendienst unterhalte. Das war in Sachen „globaler Migration“ noch nicht einmal erforderlich, um eine Ahnung von den damit verbundenen Problemen zu erhalten. Es war die Russische Föderation, die in Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion erleben mußte, wie Millionen Menschen aus einem Nachbarland die Grenzen überquerten. Sie, Eminenz, wissen doch über Ihre Amtsbrüder aus Afrika am besten Bescheid über die verzweifelte Lage von Millionen Menschen in diesen geschundenen Agrargesellschaften, wo multinationale Konzerne Afrika regelrecht plündern und fremde Staaten sich die landwirtschaftliche Fläche unter den Nagel reißen. Den Menschen in Afrika wird jede Hoffnung genommen und diejenigen, die Ihnen helfen müßten, schweigen nachdrücklich. Wo waren die deutschen Bischöfe, als europäische Regierungen, darunter die von Bundeskanzlerin Dr. Merkel, für die Flüchtlingslager in Nah- und Mittelost die Finanzbeiträge zusammengestrichen haben und den Menschen die Alternative: Tod oder Migration nach Europa blieb? Wo ist Ihre, verehrte Eminenz, Unterstützung der größten zivilisatorischen Errungenschaft des modernen Deutschland in der Form des „demokratischen Rechtsstaates“, der es Regierungen verbietet, sich über das Gesetz zu erheben? Es war doch nur ein Steinwurf entfernt von Ihrer Residenz, daß ein Ministerpräsident des Freistaates Bayern von einem „Unrechtsstaat“ gesprochen hat und ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht von einem „offenkundigen Rechtsbruch“, wenn die öffentlichen Berichte darüber zutreffend sein sollten. Wo ist Ihr Einwirken auf Ihre Amtsbrüder in den USA, die dortige Regierung von ihren mörderischen Kriegen seit Jahrzehnten abzuhalten und den Opfern amerikanischer Kriege wenigstens die  Aufnahme als Flüchtlinge zu garantieren? Es gibt aus meiner Sicht genug Anlass, die Dinge umfassend zu bewerten. Für ein abgewogenes Urteil Ihrerseits bin nicht nur ich Ihnen dankbar, wenn ich die heutige Berichterstattung über Ihre jüngsten Einlassungen sehe.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr

Willy Wimmer

Staatssekretär des Bundesministers der Verteidigung a.D.

Bilder: @depositphotos

Die Meinung des Autors/Ansprechpartners kann von der Meinung der Redaktion abweichen.

Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1 und 3 (1) „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. 

Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Am 25. Mai 2018 tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. World Economy S.L. aktualisiert in diesem Zuge seine Datenschutzbestimmungen. 

Gerne möchten wir Sie weiterhin mit unserem Newsletter an Ihre E-Mail-Adresse informieren. 

Sie haben jederzeit das Recht, der weiteren Nutzung Ihrer personenbezogenen Daten für die Zukunft zu widersprechen.