Wer die Geschichte seines eigenen Landes nicht kennt, hat keine Zukunft.

Montag, 21. Oktober 2019

Willy Wimmer stellte bei der Frankfurter Buchmesse zwei Bücher über die deutsche und europäische Geschichte vor.

Wer die Geschichte seines eigenen Landes nicht kennt, hat keine Zukunft

Wer die Geschichte seines eigenen Landes nicht kennt, hat keine Zukunft

WE: Sie haben bei der Buchmesse zwei Bücher vorgestellt, zwei Geschichtsbücher. Kann man sagen, dass das Interesse an der eigenen Geschichte dank diesen Büchern wieder steigt? Wie wichtig ist es, dass die Bürger die unzensierte Geschichte ihres Landes kennen? Sie haben einige bedeutsame Interviews gegeben, darunter auch an Ken Jebsen.

Willy Wimmer:

Das Interesse wird immer breiter. Das hat natürlich seine Gründe und Ursachen. Einer der Gründe besteht darin, dass wir im nächsten Jahr, am 9. Mai 2020 in Moskau mit einer großen Veranstaltung an das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnern werden. Also nicht wir, sondern diejenigen, die diese Veranstaltung durchziehen. Das macht deutlich, dass wir uns in der Mitte eines Zyklus bewegen, der im vergangenen Jahr mit dem Gedenken an den Waffenstillstand im November 1918 angefangen hat. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich, dass man sich mit geschichtlichen Themen beschäftigt. Es kommt aber auch ein zweiter, ein innenpolitischer Grund hinzu. Die amtierende Bundesregierung unternimmt aus meiner Sicht wirklich alles, um den Charakter Deutschlands zu ändern. Und zwar, von einer parlamentarischen Demokratie hin zu einem Obrigkeitsstaat, der sich bestenfalls an Nicht-Regierungsorganisationen orientiert und der das bürgerschaftliche Interesse beiseite schiebt. Die Bürger schalten zur Gegenwehr. Das sieht man. Das sieht man auf allen Ebenen des Staates. Und vor diesem Hintergrund ist es, aus meiner Sicht, selbstverständlich, dass man sich mit geschichtlichen Abläufen beschäftigt. Wir haben in Zusammenhang mit der Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere durch den deutschen Historiker Fritz Fischer gesehen, dass die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts zum Kampfinstrument gegen das eigene Volk gemacht worden ist. Und die Leute merken das und wehren sich.

WE: Kann man sagen, dass die Neubeurteilung von historischen Ereignissen zu den Pflichten eines Bürgers und auch eines Politikers gehört?

Willy Wimmer:

Das bekommt eine sehr hohe, wenn nicht gar die höchste Priorität. Das sieht man bei beiden Büchern. Bei dem einen Buch haben wir beide in vorzüglicher Weise miteinander kooperiert und das andere Buch, „Der Schlüssel zur Weltherrschaft“, beschäftigt sich mit den Überlegungen des Britischen Geografen und Politikers Mackinder, der sich vor mehr als 110 Jahren Gedanken über die veränderte Rolle Großbritanniens gemacht hat. Beide Dinge - Versailles und die Rolle Großbritanniens - spielen derzeit die absolut wichtigste Rolle in der europäischen Politik. Und zwar wegen den intensiven Auseinandersetzungen in London und auch zwischen London und Brüssel, was den so genannten Brexit angeht. Wir sind in einer vergleichbaren Situation wie um 1900, wo gewaltige Veränderungen auf der Welt dazu beigetragen haben, dass Großbritannien als führende Weltmacht seine Rolle überdachte und versucht hat, diese Rolle in einer veränderten Welt neu zu finden. Das sehen wir auch heute: Eine schwindende amerikanische Macht, zum großen Ärger der Briten, die sich für ihre eigenen Interessen gerne des Potentials der Amerikaner bedient haben. Deshalb auch der Versuch Großbritanniens, durch Verlassen der Europäischen Union wieder eine Weltmachtrolle - in Zusammenhang mit dem Commonwealth und seiner Rolle östlich von Suez - spielen zu können. Aber der zentrale Punkt ist, der Betrug am deutschen Volk in Zusammenhang mit Versailles durch die damaligen Siegermächte des Ersten Weltkrieges und dann der Betrug an der Sowjetunion in Zusammenhang mit der Aussage von 1990, dass es keine Ausdehnung der NATO nach Osten geben würde - diese beiden Lügen bestimmen in übler Weise die weltpolitische Entwicklung. Und da sind wir mittendrin, weil beide Lügen heute ihre Wirkung entfalten.

WE: Wir leben in einer Zeit von Umbrüchen. Sind Sie sich sicher, dass die in den Büchern dargelegten Fakten über die historische Vergangenheit des Landes allen zugänglich gemacht werden können? Oder wird die Politelite versuchen sie totzuschweigen?

Willy Wimmer:

Jedenfalls war das Interesse in dem Bereich, den ich übersehen konnte - ich war eingeladen zu Ken Jebsen, dem führenden deutschen Internet-Unternehmer - sehr groß. Er hat als solcher in den zurückliegenden Jahren ja nun wirklich die Pressefreiheit in Deutschland hoch und aufrecht gehalten und kann auf YouTube eine Abonnentenzahl vorweisen, die andere weit in den Schatten stellt. Herr Jebsen ist ein Musterbeispiel für die Qualität der alternativen Medien. Das zweite Beispiel ist der hochpolitische Westend Verlag. Markus Karsten, der Chef des Hauses, hat in Zusammenhang mit dem Buch über Mackinder „Der Schlüssel zur Weltherrschaft“ gezeigt, dass man einen absoluten Riecher für die derzeitige europapolitische Entwicklung hatte (Brexit) und was es da, vor dem Hintergrund des Versuches von Großbritannien bedeutet, eine führende Rolle in der Welt zu spielen. Deshalb kann ich nur sagen - es war ein voller Erfolg. Die Gespräche sind inzwischen online gestellt worden, mit einer Geschwindigkeit, wie es bei den öffentlich-rechtlichen Medien wahrscheinlich niemals vorkommen würde. Man sieht auch an der Zahl der Zuschauer, dass es auf ein gewaltiges Interesse stößt.

WE: Herr Wimmer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Quellen:

https://zeitgeist-online.de/2013-11-30-00-57-32/1075-alexander-sosnowski-willy-wimmer-und-immer-wieder-versailles.html

https://www.westendverlag.de/buch/der-schluessel-zur-weltherrschaft/

https://youtu.be/w_A89hPLvdM

Bilder: @depositphotos 

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