POLITISCHES TELEGRAMM. All das sind die Aufgaben, die erkannt und wahrgenommen werden müssen.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Norbert van Handel: “Was notwendig ist, ist den Mittelstand, der unsere Wirtschaft trägt, steuerlich zu entlasten und vor allem auch zu entbürokratisieren“


Was notwendig ist, ist den Mittelstand, der unsere Wirtschaft trägt,  steuerlich zu entlasten und vor allem auch zu entbürokratisieren

All das sind die Aufgaben, die erkannt und wahrgenommen werden müssen.

Von Dr. Norbert van Handel
Ein unbegrenzter, rein profitorientierter, Freihandel kann nicht die Lösung für die Probleme der Menschheit sein. Mercosur erhöht dramatisch den Druck auf die Landwirtschaft und zwar nicht nur beim Rindfleischimport – Rindfleisch wird in Südamerika wesentlich billiger produziert und die Produktionsmaßnahmen sind nicht wirklich geklärt – sondern auch beim europäischen Zuckermarkt, der schon jetzt gegenüber einer Vielzahl von Ländern geöffnet ist. Eine Ratifizierung von Mercosur wäre problematisch. Darüber hinaus fördert man indirekt die zunehmende Abholzung des Regenwaldes und zerstört nicht nur dessen Flora und Fauna, sondern auch die grüne Lunge Südamerikas. Mit Mercosur geraten wir noch mehr in die Hand des internationalen Großkapitals, gegen dessen Wünsche man hilflos ist.Die Landwirtschaft darf nicht Spielball der internationalen Agrarindustrie werden. Insgesamt sollten wir in der Lebensmittelproduktion wieder autark werden – heute haben wir z.B. zu wenig Getreide, das wir in großen Mengen vielfach glyphosatverseucht einführen müssen. Ein ständiges Überangebot billiger oder nicht kontrollierter Produktionsmethoden erzeugt meist unnotwendige Waren, die schnell zu Müll werden. Dies kann nicht Ziel der internationalen Handelspolitik sein.

Klimapolitik
Die ETH Zürich, eine der angesehensten Universitäten der Welt, legte kürzlich eine Untersuchung vor, wonach vor allem die Aufforstung Wesentliches zur CO2 Vermeidung beitragen könnte.
Man sprach in dieser Studie von einem Aufforstungsgebiet in der Größe der USA. Dies klingt zwar sehr viel, wenn man aber USA, Kanada, Brasilien, China und einige andere fernöstliche Länder vor Augen hat, so scheint – immer vorausgesetzt, dass die Ergebnisse der Studie stimmen – es durchaus möglich zu sein auf diesem Wege positive Ergebnisse zu erzielen.
Wenn wir schon von einer ganzheitlichen Politik sprechen, so muss etwa bei zukünftigen Freihandelsabkommen, insbesondere aber schon jetzt bei Mercosur, gleichzeitig die Verpflichtung verbunden sein, dass entsprechende Umweltmaßnahmen zu setzen sind, hier etwa Brasilien, das Zug um Zug gerodete Gebiete wieder aufforsten und weitere Kahlschläge des Regenwaldes vermeiden muss.
Tierschutz
- Entsetzlich mutet es an, wenn man hört, dass kleine Kücken, die für die Agrarindustrie nicht brauchbar sind, „geschreddert“ werden sollen. Allein das Wort „Schreddern“ von Tieren zeigt die völlig verächtliche Einstellung zur Schöpfung.
- Zu diesem Thema passt, dass es in Österreich erlaubt ist neugeborene Schweine bis zu ihrem siebenten Lebenstag ohne Betäubung zu entmannen.
Vergebens ringen Tierschutzorganisationen darum, dass Ferkel nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden dürfen.
„Um die Kleinen an der Flucht zu hindern, werden sie mithilfe eines speziellen Gerätes fixiert oder einfach festgehalten. Im Anschluss werden der Samenstrang durchtrennt und die Hoden mittels Skalpell oder Quetschzange entfernt. Für die kleinen Schweine ist zwar eine postoperative Schmerzbehandlung vorgeschrieben, aber die Qualen, die diese Wesen erleiden müssen, werden ihnen damit nicht erspart.“
- Weitere Punkte sind die völlig unnotwendigen Tiertransporte bei größter Hitze durch den ganzen Kontinent. Die Qualen, die den Tieren damit zugefügt werden, spielen anscheinend keine Rolle.
Das Schlachtvieh muss an Ort und Stelle geschlachtet werden, um ihm möglichen Stress zu ersparen. Dies wäre ohne Weiteres möglich, wenn nicht die EU – und andere Verordnungen – den Tiertransport gestatten, um nicht zu sagen fördern würden.
Auf die Gesamtpolitik umgelegt ist folgendes festzustellen: 
- Politik ist ein weites Feld, aber inzwischen sind wir, vor allem in Europa, an einem Punkt angelangt, bei dem es nicht mehr um immer mehr und mehr geht, sondern wo die Suche nach dem Gleichgewicht einerseits in der Gesellschaft, andererseits zwischen Mensch und Natur, höchste Priorität genießen sollten.
- Wenn das sozialdemokratische Credo ist, bei weniger Arbeit mehr zu verdienen und größere soziale Sicherheit zu genießen, so wird dies dann zunichte gemacht, wenn auf der anderen Seite die Leistungsbereitschaft der Menschen immer weniger gefördert wird.
- Was notwendig ist, ist den Mittelstand, der unsere Wirtschaft trägt,  steuerlich zu entlasten und vor allem auch zu entbürokratisieren.
– Es ist schwer verständlich, dass etwa Handwerker nach einem anstrengenden Tagwerk stundenlang am Abend sinnlose Formulare ausfüllen müssen, bis sie endlich erschöpft zur Ruhe kommen.
- Es ist schwer verständlich, wenn ein guter Dienstleister, ein ausgezeichneter Facharbeiter, ein schwer arbeitender Landwirt in unserer Gesellschaft weniger Prestige haben, als unterdurchschnittliche Akademiker, die zunehmend schwerer in einem zukunftsorientierten Beruf integriert werden können.
- Spitzenakademiker, Ärzte, Ingeneure, IT Wissenschaftler sind für uns jedoch mehr als notwendig. Die Spitzenwissenschaft muss viel mehr gefördert werden, als dies bis jetzt geschieht, denn Bildung ist unsere Zukunft.
- Die beste Bildung erhalten junge Menschen sicherlich in den Fachhochschulen, die gleich wie die Universitäten zu behandeln sind.
- Immer mehr Sozialwissenschaftler, immer mehr Politologen oder gar „Gender Spezialisten“ bringen die Gesellschaft nicht weiter – sie belasten nur oft das gesunde Verhältnis der Menschen zu Arbeit, Wohlstand und Alterssicherung.
- Eine Zukunft mit zu wenig Fachkräften, zu wenig Technikern, zu wenig best ausgebildeten Handwerkern  und flächendeckenden Handelsbetrieben führt dazu, dass das Gleichgewicht einer gesunden Wirtschaft und Gesellschaft zunehmen gestört wird.
All das sind die Aufgaben, die erkannt und wahrgenommen werden müssen.

Bilder: @worldeconomy @depositphotos 

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