Hat die Ukraine die NATO für Provokationen in der Straße von Kertsch benutzt?

Montag, 25. Februar 2019

Mit dem Zusammenwirken mit der ukrainischen Marine bei dieser Probing-Aktion ließ sich die NATO auf eine direkte Konfrontation mit Russland ein.

Der Ukrainische Plan, mit Gewalt die Straße von Kertsch zu passieren, hätte zu einem direkten Zusammenstoß zwischen Russland und der NATO führen können. Man kann endlos darüber streiten, ob die Fahrt mehrerer ukrainischer Kriegsschiffe in die Straße von Kertsch eine Provokation oder einen Zufall darstellt, aber eines ist klar: die Provokation hätte zu einem Konflikt zwischen der NATO und den russischen Streitkräften führen können. Eine in unserer Redaktion durchgeführte Analyse der Ereignisse deutet darauf hin, dass der "Kertsch-Durchbruch" eine geplante Militäraktion von Kiew war, bei der sich die NATO leichtfertig als Komplize anbot.

Hat die Ukraine die NATO für Provokationen in der Straße von Kertsch benutzt?

Von Prof. Alexander Sosnowski und Jan Tscherny

Der Ukrainische Plan, mit Gewalt die Straße von Kertsch zu passieren, hätte zu einem direkten Zusammenstoß zwischen Russland und der NATO führen können. Man kann endlos darüber streiten, ob die Fahrt mehrerer ukrainischer Kriegsschiffe in die Straße von Kertsch eine Provokation oder einen Zufall darstellt, aber eines ist klar: die Provokation hätte zu einem Konflikt zwischen der NATO und den russischen Streitkräften führen können. Eine in unserer Redaktion durchgeführte Analyse der Ereignisse deutet darauf hin, dass der "Kertsch-Durchbruch" eine geplante Militäraktion von Kiew war, bei der sich die NATO leichtfertig als Komplize anbot. Versuchen wir die Situation so genau wie möglich zu untersuchen.

Im Sommer 2018 begann die ukrainische Flotte, alle zivilen Schiffe, die von Häfen auf der Krim aus operierten, aktiv zu „bedrängen“. 

Die Schiffe wurden arretiert und die Besatzungen verhaftet oder es wurde ihnen verboten, das Territorium der Ukraine zu verlassen. Dies führte zu einer nervösen Situation für alle Teilnehmer in der Region – sowohl für zivile Schiffe, als auch für die Seestreitkräfte Russlands, und auch für Zivilisten. Neben den Aktionen gegen zivile Schiffe führte die Ukraine mehrere Kriegsschiffe durch die Straße von Kertsch in das Asowsche Meer. Wahrscheinlich wurde Ende November beschlossen, eine Operation durchzuführen, um mehrere Schiffe nach ohne Wissen Russlands durch die Meerenge zu führen. Konkret handelte es sich um zwei gepanzerte Kanonenboote der Gjursa-Klasse – die Kanonenboote Berdiansk und Nikopol.

Überraschenderweise wurden diese äußerlich unscheinbaren Kriegsschiffe mit Stealth-Technologie ausgestattet - das heisst, unsichtbar für das Radar des potenziellen Feindes. 

Diese Technologie beruht darauf, dass Rumpf und Aufbauten so gebaut sind, dass die Oberflächen Radar-Strahlen in unterschiedliche Winkel abstrahlen- quasi streuen - und darüber hinaus mit einem Anstrich versehen sind, der Radar-Strahlen abschwächt. Also sprechen wir über eine besondere Vorbereitung der Operation, die darauf abzielte, die Schiffe für die Küstenwache Russlands unsichtbar zu machen. Wenn allerdings verschiedene, untereinander vernetzte Radar-Stationen auf ein Stealth-Schiff strahlen, dann kann das Schiff dennoch geortet werden. 

Am 25. November trafen sich die Kanonenboote Berdiansk und Nikopol circa 6 bis 7 Seemeilen von der russischen Seegrenze, südlich der Meerenge von Kertsch, mit dem Schlepper Yana Kapu und einem Tanker. Dies ist ein interessantes Detail. Das Auftanken der Kanonenboote Berdiansk und Nikopol auf offener See, in einer Entfernung von fast 600 km vom Heimathafen und das nachts, deutet auf eine koordinierte Operation hin. Es ist sonst schwer vorstellbar, dass mehrere Schiffe, die jeweils unterschiedlich schnell sind, es gleichzeitig zum Betanken an einen Treffpunkt schaffen.

Dabei ging es möglicherweise darum, die Wirksamkeit der Stealth-Maßnahmen der ukrainischen Schiffe zu testen, und die Wirksamkeit russischer Radarstationen aufzuklären. Dazu passt, dass am 23-24. November eine Serie von Flügen von Flugzeugen der elektronischen Aufklärung der NATO (NATO E3 Sentry AWACS LX-N90453 NATO07) von Deutschland aus an die Schwarzmeerküste begann. (Sieh.Video)

Natürlich können wir davon ausgehen, dass die Führung der ukrainischen Marine ihre westlichen Partner über die s.g. Probing-Aktionen informiert hat. 

Hier gingen die Beteiligten aber viel weiter: NATO-Flugzeuge waren aktiv ins Geschehen involviert, die ganze Aktion möglicherweise abgesprochen und eingeübt. Und schließlich eines der wichtigsten Details des Vorfalls. Nach Informationen sowohl der russischen als auch der ukrainischen Seite drangen am 25. November gegen sieben Uhr morgens ukrainische Schiffe in Gewässer ein, die schon vor 2014 als russische Territorialgewässer galten. Somit kann die Tatsache des Eindringens der ukrainischen Marine in fremdes Hoheitsgebiet als bestätigt betrachtet werden.

Nachdem die Schiffe der russischen Küstenwache gefordert hatten, dass die ukrainischen Schiffe die 12-Meilen-Zone verlassen, begann das bereits bekannte "Katz und Maus“-Spiel. Gegen halb neun brachten die ukrainischen Besatzungen ihre Schiffe in Kampfbereitschaft, entfernten die schützenden Abdeckungen von den Kanonen und richteten die Kanonenrohre auf die russischen Schiffe. Wie sich Ereignisse entwickelt haben, ist bereits bekannt, es ist jedoch wichtig, einige Details zu berücksichtigen. Bilder von den Einschüssen von Maschinengewehren oder kleinkalibrigen Maschinenkanonen in der Berdiansk wurden veröffentlicht. Bellingcat wertet dies als Beweis, dass die russische Küstenwache gezielt auf die Mannschaft geschossen hätte. Für eine derartige Aussage fehlen Angaben zur Geschwindigkeit der beteiligten Schiffe, zum Wellengang, zu den Sichtverhältnissen, den Schussdistanzen und den eingesetzten Waffen. Daher kann die Untersuchung von Bellingcat nicht als qualifizierte Analyse betrachtet und als Grundlage für die Beurteilung eines Vorfalls herangezogen werden. Westliche Verbündete ermunterten die Ukraine zu einem gefährlichen Spiel, an dessen Ende nur die Ukraine als Verlierer dasteht. 

Mit dem Zusammenwirken mit der ukrainischen Marine bei dieser Probing-Aktion ließ sich die NATO auf eine direkte Konfrontation mit Russland ein.

Tags: NATO, Ukraine, Kertsch, Bellingcat , Probing-Aktion, Russland, World Economy, Alexander Sosnowski, Jan Tscherny

Quellen: 

https://liveuamap.com/en/2018/23-november-nato-e3-sentry-awacs-lxn9lo

https://www.raf.mod.uk/aircraft/e-3d/

https://www.nato.int/cps/em/natohq/topics_48904.htm

Bilder: @worldeconomy @nato

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NATO E3 Sentry AWACS LX-N90453 NATO07