Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele: „VIRIBUS UNITIS!“

Donnerstag, 17. Mai 2018

Prokurator Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele: „Wir nennen uns EUROPÄISCHER Orden, das bedeutet unser Streben gilt einem starken, stolzen Europa“. Meine Rede vor dem großen Konvent des St. Georgs-Orden

Wien, 20.04.2018 

Kaiserliche Hoheiten!

Verehrte Präsidentin und verehrte gef. Präsidentin der Damen des St. Georgs-Ordens, liebe Damen!

Geschätzter Ehrenprokurator, geschätzter Altkanzler, lieber Kanzler und liebe Vizekanzler, hohe Mitglieder der Ordensregierung!

Liebe Ordensritter und ganz besonders liebe Postulanten, die Ihr morgen investiert werdet!

Ich möchte an die hochinteressanten Ausführungen unseres Ehrenprokurators anschließen und darauf aufbauen, indem ich daran erinnere, was eigentlich der Sinn und Zweck von Ritterorden war: Ritterorden wie unser St. Georgs-Orden strebten ursprünglich danach, das Edelste des Rittertums mit dem Besten der kirchlichen Orden zu verbinden. 

Ein hehres Ziel! Sie waren, vereinfacht zusammengefasst, von je her auf zwei Verantwortungsbereiche konzentriert: auf karitative Tätigkeiten und auf Schutz.

Das karitative Element, also der Kampf gegen das achtfache Elend, hat sich nicht viel geändert – die alten Übel begegnen uns nach wie vor, bestenfalls in  anderem Gewand. 

Aber wen oder was schützen wir heute? Die Antwort ist einfach, aber auf den ersten Blick nicht eindeutig: Wir schützen und verteidigen Werte. 

Nur was heißt das im Jahre 2018? In einer immer mehr zerfallenden, hedonistischen Gesellschaft? In einem Europa, in dem die Krise der Institutionen und Parteien immer deutlicher wird? 

Es geht um die Frage, welche Identität soll unser St. Georgs-Orden haben. Denn davon hängt ab, wie wir die Werte interpretieren und gewichten, zu denen wir uns bekennen und für die zu kämpfen wir einen Eid abgelegt haben.

Ein Weg Identität zu definieren war immer der der Differenzierung und Abgrenzung. Ich halte das, obwohl von manchen kritisiert, für einen durchaus legitimen und zielführenden Weg. Denn nur wer unterscheidbar ist, ist auch erkennbar! Also beschäftigen wir uns doch einmal nicht nur mit der Frage, wer oder was wir sind, sondern auch, wer oder was wir nicht sind - wir sind kein kirchlicher Orden, wir sind der Orden des Hauses Habsburg. Wir wissen also, wem wir dienen, nämlich dem Oberhaupt des Erzhauses und seiner Familie. Dabei geht es nicht um Folklore, was uns deutlich von manchen anderen Organisationen unterscheidet, sondern um die mit dem Haus verbundenen Werte. Erzherzogin Gabriela hat einmal auf die Frage, wozu sie der Name Habsburg-Lothringen verpflichten würde, geantwortet: „Nicht der Name, sondern die Werte unserer Familie verpflichten“. Und genau so sind auch wir diesen Werten verpflichtet!

Wir nennen uns EUROPÄISCHER Orden, das bedeutet unser Streben gilt einem starken, stolzen Europa. Einem Europa, das sich der gemeinsamen Geschichte, wie auch der Lehren, die daraus zu ziehen sind, ebenso bewusst ist – nein, ebenso BEWUSSTER wird, wie seiner gemeinsamen Werte. Dabei geht es uns ganz sicher nicht darum, die Identitäten von Ländern und Regionen in einem undefinierbaren, bürokratisch verordneten Amalgam aufgehen zu lassen. 

Ebenso wenig kann blinder Nationalismus die Lösung sein. Was wir brauchen, ist ein neuer Typus von positivem PATRIOTISMUS, der gleichzeitig Bindung an die individuellen eigenen Wurzeln UND Stolz auf das gemeinsame Europa bedeutet. 

Das ist kein Widerspruch, sondern der einzige Weg die Diversität  und die Unterschiedlichkeiten unseres Kontinents auf Basis der angesprochenen verbindenden Werte zur zentralen Stärke Europas zu machen. 

An dieser Stelle muss man aber doch anmerken, dass ein Umstand, der auf EU-Ebene Verbesserungen und Weiterentwicklungen bremst, jener ist, dass Kritik an der EU immer wieder mit Europafeindlichkeit gleichgesetzt wird. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass Helmut Schmidt einmal gesagt hat, „Wer Kritik übel nimmt, der hat etwas zu verbergen“.  

Und diesen Eindruck sollte man gerade beim so wichtigen Thema Europa nicht aufkommen lassen. Man muss also in Brüssel lernen zu begreifen, dass Kritik das Gegenteil von Gleichgültigkeit ist und ihr Ignorieren die Probleme nicht löst, sondern verstärkt und für Entfremdung der Bürger sorgt.

Wir sind also ganz sicher keine Europagegner. Im Gegenteil, wir sind überzeugte und bekennende Europäer! Aber als europäischer Orden dürfen wir gerade deshalb auch keine problematischen Entwicklungen ignorieren.

Um bestimmten europäischen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, braucht es unter den gegebenen Konstellationen und Machtverhältnissen ein Gegengewicht - wir sind überzeugt, dass ein zusammenrückendes Mitteleuropa ein Reformmotor sein wird, von dem jedes Land, aber auch ganz Europa profitieren kann. So wird ein Fokus dieses Ordens in den nächsten Jahren ganz sicher das enorme Potential dieses Gebietes sein, das ja auch mit der und durch die Geschichte des Hauses Habsburg besonders verbunden ist. 

Die fundamentale Grundlage, auf der unser Europa ruht, ist das Christentum – nicht mehr und nicht weniger als die Quelle all unserer Werte. Eine Quelle auf die wir als CHRISTLICHER ORDEN auch stolz sein dürfen! 

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir andere Religionen diskriminiert sehen wollen, denn in einer modernen Gesellschaft soll es jedem überlassen bleiben, was er glaubt.  

Aber man spricht nicht zufällig und schon gar nicht zu Unrecht eben nicht von Eurabien, sondern vom christlichen Abendland. Und es ist mehr denn je unsere Pflicht dafür einzutreten, dass wir und unsere Kinder das auch in Zukunft noch mit Fug und Recht sagen können. Daran ist nichts Verwerfliches, im Gegenteil. Wir sind keine Missionare, aber treten mit offenem Visier für den Schutz des christlichen Fundaments unser Gesellschaft ein. Dabei muss uns allerdings bewusst sein, dass das nicht einfach ist, denn Toleranz ist gut und wichtig, aber sie muss gerade Intoleranten gegenüber klare Grenzen haben, will man sich behaupten. Eine Gratwanderung, die uns gelingen muss.

Der St. Georgs-Orden ist ein POLITISCHER Orden. Na Gott sei Dank, deshalb sind wir alle hier! Weil wir nicht passiv zusehen, sondern unser Umfeld aktiv mit gestalten und dazu beitragen wollen, dass sich unsere Gesellschaft in die richtige Richtung entwickelt. Und wenn ich mir zum Beispiel ansehe, wer heutzutage von den Medien als sogenannter „Influencer“ hochgespielt wird, dann wird mir angst und bange! So ist es dringend notwendig, dass gerade wir unseren Einfluss geltend machen, um der so schicken Oberflächlichkeit und Gleichmacherei entgegenzuwirken!

In diesem Zusammenhang werde ich oft gefragt, ob es nicht problematisch wäre, doch relativ viele Politiker und parteipolitisch aktive Menschen in unseren Reihen zu haben. Meine Antwort darauf ist immer gleich und immer eindeutig: Natürlich nicht, im Gegenteil! Das was klar sein muss, ist dass unsere  Ordensritter unsere Prinzipien und Werte in die Politik, auch ihre Parteien tragen und nicht Parteipolitik in unseren Orden. Davor werde ich unseren Orden immer schützen!

Aber keine Frage, wir brauchen Ritter und Damen, die unsere Haltung in Politik, Wirtschaft und Kultur leben und ich bin froh, dass wir nicht nur schon viele aus unterschiedlichen Ländern und  Lagern haben, sondern es immer mehr werden. Auch morgen wieder.

Diese Ritter und Damen brauchen wir auch, um uns gegen den Wertverfall zu wehren. Dieses Schwinden und Verschwinden der Werte wird ausgerechnet von jenen, die maßgeblich daran schuld sind, mit immer mehr, immer weiterreichenden und zum Teil immer absurderen Gesetzen - Stichwort Gender-Wahn - zu kompensieren versucht. 

Nur schaffen mehr Gesetze und Regeln keine bessere Gesellschaft, im Gegenteil! Ich glaube, es war Tacitus, der sagte: „Die meisten Gesetze gibt es im verdorbensten Staat.“ 

Und davon bin auch ich überzeugt.

Als Ritter und Damen verstehen wir uns als mündige, freie und verantwortungsbewusste Menschen, die sich dagegen wehren, dass sich der Staat immer mehr und immer tiefer in unser Leben einmischt. Genau deshalb drehen wir den Spieß um und mischen uns immer mehr in Gesellschaft und Politik ein.

Dabei versteht sich unser St. Georgs-Orden weder als Debattierclub, noch als parteiähnliche Organisation. Weder diskutieren wir nur im mehr oder weniger stillen Kämmerchen, noch denken wir in den üblichen politischen Zyklen, d.h. bis zur nächsten Pressekonferenz, oder maximal bis zur nächsten Wahl.

Wir sind die weltpolitische Brücke von der Vergangenheit, unser österreichischen und europäischen Vergangenheit, in die Gegenwart und die Zukunft. Das erfordert, dass wir Position beziehen - manchmal indem wir Klartext sprechen, dort wo nötig, und manchmal diplomatisch, dort wo zielführend. 

Es bedeutet auch, dass wir nicht auf jeden Windhauch reagieren. Um es mit Winston Churchill zu sagen: „Man wird niemals sein Ziel erreichen, wenn man wegen jedem Hund, der einen anbellt, sehen bleibt um Steine nach ihm zu werfen.“ Wir konzentrieren uns lieber auf das Wesentliche!

Wir verstehen uns als ELITÄR. Und das sind wir, denn durch den Ritterschlag wird jeder in gewissem Sinn zum einem Mitglied einer modernen, zeitgemäßen Aristokratie. Aber was bedeutet das? Οι ἄριστοι, das waren nach Aristoteles die Besten nach Tüchtigkeit und Tugendhaftigkeit. Nicht mehr und nicht weniger muss der persönliche Anspruch jedes Einzelnen von uns sein! 

Betrachten wir in diesem Zusammenhang einen für einen elitären politischen Orden immer wichtiger werdenden Aspekt: Elitär im Sinn von verantwortungsbewusst kritisch sein. Das heißt, vor einer Bewertung von politischen oder gesellschaftlichen Ereignissen und Entwicklungen genauer hinzusehen und sich nicht von Images und Trends beeinflussen oder von  isolierten Teilaspekten leiten zu lassen. 

Wenn wir anders, wenn wir BESSER sein wollen, als die anderen - und nichts anderes bedeutet elitär - dann dürfen wir es uns nicht leicht machen. Dann müssen wir verstehen, dass es auf komplexe Fragen selten simple Antworten gibt, dass es für vielschichtige Probleme selten einfache Lösungen gibt. Wir müssen uns den Anspruch leisten, immer besser informiert zu sein, das bedeutet,  immer interessiert zu sein, Zusammenhänge immer genauer durchschauen zu wollen und immer wieder alles zu hinterfragen -  auch die eigene Position - um so sicher zu gehen, dass wir in unseren Meinungen zu Einzelthemen immer auch das „Big Picture“ berücksichtigen. Denn das ist entscheidend, um auf dem richtigen Kurs zu bleiben und die Grundvoraussetzung, um anderen ORIENTIERUNG GEBEN zu können. Was eine wesentliche Aufgabe unseres Ordens ist.

Der St. Georgs-Orden geht also nicht nach rechts, er geht auch nicht nach links. Als Orden des Hauses Habsburg trägt er dessen Flagge verantwortungsbewusst in die Zukunft, also nach VORNE!

Um dieses Ziel - eine Art überparteiliche wertepolitische Instanz zu werden, die wirklich etwas bewegen, wirklich etwas zum Besseren verändern kann - zu erreichen, brauchen wir zwei Dinge:

Der Orden muss sich ständig weiterentwickeln und wir sind auf sehr guten Weg – unser Kanzler wird in seiner Rede darauf eingehen. Weiterentwickeln bedeutet, dass wir auf das große Erbe und die beachtlichen Erfolge der letzten 10 Jahre aufbauen. In diesem Zusammenhang möchte ich an dieser Stelle drei Personen ausdrücklich danken, die maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass der St. Georgs-Orden heute dieses stabile Fundament hat, auf das wir aufbauen können und werden: Unserem Ehrenprokurator, Baron Norbert van Handel, und unserem langjährigen Kanzler Helmut Günther.  Und natürlich auch unsrem verdienten Altkanzler Günther Nebel.

Bei dieser Weiterentwicklung war und ist mir entscheidend wichtig, dass wir unseren Orden in seiner Administration,Kommunikationaber auch in seinen Regularienund natürlich in seiner Struktur nicht nur so ausrichten, dass er den heutigen Anforderungen genügt, sondern vielmehr, dass der St. Georgs-Orden für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet ist und die Chancen der Zukunft nützen kann

An all diesen Punkten arbeitet unser Kanzler Stefan Schermaier - neben seinem Einsatz für die Organisation dieses Ordenskonvents -  seit Monaten mit größtem Engagement und sehr intensiv, wofür ihm und dem Team wirklich ein extra Applaus gebührt.

Und was wir zur Erreichung unserer Ziele noch brauchen – das seid Ihr! Jeder von Euch muss sich verstärkt als Botschafter unserer Wertegemeinschaft verstehen und alles tun, um unsere Prinzipien im Kleinen, wie im Großen erlebbar zu machen. Das reicht von großer Sorgfalt bei der Auswahl jener Kandidaten, die ihr an den Orden heranführt, über das Engagement in Euren Komtureien - deren Arbeit durch die internationale Ausbreitung unseres Ordens immer wichtiger wird - bis hin zum Aufstehen für und zum Stehen zu unseren Werten. Auch wenn unpopulär. Auch gegen Widerstand. Denn Kritik ist eine gute Sache, aber Vorbild zu sein die bessere - das gilt gerade für uns Ordensritter!

Das Wichtigste aber, das ich von Euch erwarte, ist, dass Ihr für unseren Orden und seine Ziel wirklich brennt, denn der Hl. Augustinus hat absolut recht - und deshalb zitiere ich ihn auch oft und gerne - , wenn er sagt: „In dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst.“  

Und wir wollen etwas entzünden:  Für das Haus Österreich. Für dessen Werte, die auch die unsere sind . Für Mitteleuropa. Für Europa! 

In diesem Sinne: VIRIBUS UNITIS!

Baron Vinzenz von Stimpfl-Abele

Quelle: https://www.georgsorden.at

Bilder: @world economy 180515-155©KatharinaSchiffl_3909.jpg 

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