Von Belgrad nach Washington

Von Willy Wimmer

Die Ereignisse in Washington sind durchaus für die internationale „Kotau-Brigade“ eine willkommene Gelegenheit, sich einem Präsidenten Joe Biden anzudienen. Loyalitätsbekundungen vor einem möglichen Amtsantritt, etwas völlig neues. Die Glaubwürdigkeit derartiger Bekundungen würde dann ohne Zweifel hoch sein, wenn mit der gleichen „Twitter-Verve“ die aus dem amerikanischen Kongress angezettelten und völkerrechtswidrigen Kriege  von den gleichen Leuten mit dem gleichen Nachdruck verurteilt worden wären. Millionen Opfer seit dem NATO-Krieg gegen Jugoslawien waren das Ergebnis, das offenbar billigend in Kauf genommen wurde, um sich in Washington „lieb Kind zu machen“. Heute muß man sich nur in der Süddeutschen Zeitung das ellenlange Interview mit Frau Albright vor Augen führen. Nicht viele werden sich daran erinnern, wie sie die 500 000 toten Kinder im Irak infolge der amerikanischerseits durchgedrückten Sanktionen kommentierte. Solange in den sogenannten Leit-Medien solche Persönlichkeiten so viel Raum zugebilligt erhalten, ist es mit einem früher vorhandenen Wertesystem in unseren Medien nicht weit her und wird erneut die Vorstufe von Elend und Krieg.
Washington und die Ereignisse am und im Kapitol sind ein „deja vue“ für diejenigen, die die letzten Jahrzehnte nicht vergessen haben. Es fing mit einer Präsidentschaftswahl in Rest-Jugoslawien 2000 an und die aus den USA stammende Bürgerkriegsplanung von OTPOR kam vor dem Parlamentsgebäude in Belgrad zur Feuertaufe. Heute noch geben die Filmaufnahmen der Erstürmung des Parlamentes in Belgrad den aufsteigenden Rauch wider, als die dort verwahrten Stimmergebnisse der letzten Präsidentsschaftswahlen in Flammen aufgingen.
Man muß in Anbetracht der Ereignisse davon ausgehen, daß Ziel der Erstürmung des Parlamentes vor allem darin bestand, jeden Nachweis an die zuvor durchgeführten Wahlen zu vernichten.
Belgrad 2000 ist nur ein Nachweis dafür, solch schändliches Vorgehen wie jetzt in Washington nicht zum ersten Mal zu erleben. Selbst Caracas muß in die Erinnerung gerufen werden. Bei all diesen Ereignissen und das seit Mossadeqs-Zeiten, war immer mit der Gewißheit verbunden, wer für Erstürmungen dieser Art die Fäden gezogen hatte. Die Regie stammte stets von den -„üblichen Verdächtigen“. Nach den seither gesetzten „Standards“ bei Vorgängen dieser Art dürfte man davon ausgehen, daß die berechtigte Empörung über die Vorgänge in Washington verdecken soll, wer was in Kapitol unter dem Deckmantel einer Erstürmung wirklich bezwecken wollte. Nicht nur CNN wundert sich seit Tagen über die von lax bis einladend beschriebene angebliche Sicherung des Kapitols. Darin geht fast unter, daß zentrale Computer wichtiger Persönlichkeiten heruntergeladen worden sind.
Bilder @depositphotos
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