Ukraine - die, da Unten und die, da Oben

Montag, 26. November 2018

Und jetzt, Achtung! Ukrainische anstehende Wahlen.

Von Dr. Dmitry Vydrin, Politikwissenschaftler und Philosoph

Hier wird fast immer nicht über die Art der Macht, sondern für deren Inhalt abgestimmt. Nicht über das Feintuning des Staatsapparats, sondern für dessen vollständige Rekonstruktion. Nicht über Gesetze, sondern für Konzepte. Und hier geht es fast immer nicht nur um die Karriere eines einzelnen Politikers, sondern auch um sein Schicksal. Oder sogar sein Leben. Dennoch ist es durchaus möglich, das Ergebnisse, hier und wie da, mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Natürlich nur, wenn man die grundlegenden Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen, richtig zu identifizieren weiß. Das Problem vieler Vorhersagen ist eben die Tatsache, dass Faktoren, die in einem bestimmten Fall eher zweitrangig sind, als Hauptfaktoren betrachtet werden. Und genau die wichtigsten, entscheidenden und bestimmenden Faktoren werden als unbedeutend abgetan. Erinnern Sie sich, es war genau hier, auf „World Economy“, als es mir vor langer Zeit gelang, lange vor anderen Experten, die Ergebnisse von Präsidentschaftswahlen eines solch verschiedenen Ausmaßes und Charakters zu prognostizierten wie die amerikanischen und die moldawischen. 

Das Geheimnis ist einfach

Es ist mir rechtzeitig gelungen einen vernachlässigten, aber doch bedeutenden Faktor für deren zukünftigen Sieg zu identifizieren. Bei Donald Trump war es die Haarfarbe. „Er wird gewinnen, weil er rothaarig ist!“. Nein, es war kein Witz, als ich das in einem ernsthaften Magazin geschrieben habe. Im Gegensatz zu vielen anderen Experten, bedeutet für mich die Haarfarbe in der Politik nicht das gleiche, wie im Privatleben. Es ist eher kein Teil der äußeren Erscheinung, sondern eine Quelle für den Erfolg. Rothaarige sind immer beständiger, mutiger und kreativer auf ihrem Weg. Sie sind weniger anfällig für Beleidigungen anderer und können andere wesentlich geistreicher demütigen. Und das ist ja wohl das Nonplusultra für jede Präsidentschaftswahl. Wenn ich sehe, wie Präsident Trump seine europäischen Partner süffisant verspottet, wie er den Süßholzraspler Macron trollt oder unhöflich zu der harten Frau Merkel ist, seufze ich nur: „Ein Rotschopf!" 

Für den runden und gemütlichen Dodon kam mir noch lange vor der Wahl die Charakteristik „plüschig“ in den Sinn. Ich hatte mal die Möglichkeit ihn, nach dem Genuss einer Flasche guten moldawischen Weins, zu umarmen und in meinen taktilen Empfindungen blieb der Eindruck von etwas Heimeligem, Vertrautem und Nostalgischem zurück. Die gleichen Gefühle empfand ich in der Kindheit, als ich vor dem Zubettgehen meinen ausgefransten Teddybären knuddelte. Dann stellte ich mir die strenge Schönheit Maya, seine Hauptgegnerin bei den Wahlen, in meinen Armen vor. Selbst in den Vorstellungen gab es kein Gefühl von Wärme, Glück und Trost. Es war, als würde ich eine Riesenbarbie an mich drücken - straffes, festes Silikon, seelenloser Kunststoff und scharfe Ecken, wo man weiche Rundheit erwarten würde. Vor einer Wahl spielen viele Menschen solche mentalen Rollenspiele. „Die Barbie wird man nicht wählen!", entschied ich damals. „Der Teddy wird’s!“…

Manche mögen meinen, meine Methode sei unseriös, aber sie funktioniert! Schauen Sie sich doch meine Artikel (man möge mir die Eigenwerbung verzeihen) im Archiv dieser Ressource an. 

Und jetzt, Achtung! Ukrainische anstehende Wahlen.

Hier wurde bereits alles in Schubladen eingeordnet und zwar in Bezug auf die Beurteilung der administrativen Ressourcen, des finanziellen Potenzials, der Parteistrukturen und vor allem der Sympathien (offenen und verdeckten) der wichtigsten geopolitischen Puppenspieler. Nach einigen Berechnungen sieht es aus, als würde die frühere Premierministerin Timoschenko gewinnen (was alle Meinungsumfragen bestätigen und ihre Anhänger weiter ermutigt). Für andere führt der derzeitige Präsident Poroschenko (was von keiner soziologischen Forschung bestätigt wird, was, wie seine Anhänger glauben, für diese Institute umso schlimmer ist). Es gibt jedoch auch eine relativ große Gruppe von "Macronomanen". Sie glauben fest daran, dass allein durch selektive Alchemie aus dem politischen „mikro“ schnell ein politischer Macron heranwachsen kann. Daher hoffen sie auf ein Wunder und die Präsidentschaftsreinkarnation des Clowns Zelensky. 

Es verstehen immer noch zu wenige, dass alle Politiker Clowns, aber nicht alle Clowns Politiker sind. Dies ist jedoch eine andere Geschichte. Kehren wir zu den wichtigsten Bewerbern zurück. Ein neuer Ansatz in der Politikwissenschaft, der gerade erst heranreift, kann hier helfen. Normalerweise, beginnen die Änderungen grundlegender naturwissenschaftlicher Methodik mit der Medizin. Es genügt, sich an den ungarischen Wissenschaftler Kornai zu erinnern, der eine neue, komplexe Methode der Medizin auf die Erneuerung der Wirtschaft übertragen hat. Heute ist die Medizin wieder dabei einen qualitativen Sprung zu vollziehen. Er wird die "mikrobiologische Landschaft" genannt. Die Quintessenz dessen ist, dass zusätzlich zu früheren Studien bekannter und offensichtlicher Viren, Infektionen, Krankheitserreger usw., eine subtile Analyse der "Landschaft" - des Hintergrunds, der fast unmerklichen Faktoren durchgeführt wird, die aber letztendlich den Grad der menschlichen Gesundheit bestimmen. 

Ein ähnliches Verfahren wird anscheinend auch in der Politikwissenschaft Anwendung finden. Offensichtlich ist der bestehende Ansatz, bei dem das Potenzial von Strukturen und Persönlichkeiten durch "schwere Entitäten" - wie Geld, Verbindungen, organisatorische Ressourcen usw. - bestimmt wird, inzwischen überholt. Das ist heutzutage bereits eine Ebene des Massenverstandes. Daher sehen die Sendungen der bedeutendsten Politikwissenschaftler heute aus, wie "Gespräche in der Küche“, genau so, wie sie auch beim Durchschnittsbürger, dem Otto-Normal-Verbraucher, dem Max Mustermann aussehen. Aber es ist noch kein Experte darauf gekommen, die „Mikrolandschaft“ zu analysieren. Doch genug der methodischen Genüsse. Daher merke ich nur an, dass die subtile Analyse der ukrainischen Wahllandschaft, die ich auf der Ebene vager, schwer fassbarer, umständlich verbalisierender Bedeutungen praktiziere, eine merkwürdige Sache zu Tage förderte. 

Die Wähler teilen Politiker unbewusst nicht nach Programmen, Erfahrungen, persönlichen Verdiensten oder Mängeln

Sie werden hauptsächlich in die Lebenden und die Toten unterteilt. Die ersten sind diejenigen, die noch zu einer lebhaften Kommunikation fähig sind, mit denen man sich persönlich treffen, unterhalten und streiten kann, denen sie eine Blume schenken oder einen Schuh nach ihnen werfen können... Jemand, den man anfassen kann. Die zweiten, sind diejenigen, die für die Gesellschaft "gestorben" sind und sich in eine "Figur" verwandelt haben - ein Fernsehbild, ein hochauflösendes Foto und einen Schatten hinterm Panzerglas des Dienstautos. Von den ukrainischen Präsidentschaftskandidaten hat die kluge Julia Timoschenko das als erste verstanden. 

Daher ist die Anzahl ihrer persönlichen Treffen mit normalen Wählern größer als die Anzahl der Treffen von allen ihren Konkurrenten zusammen, so dass ihre heutigen Umfragewerte, ebenfalls den Gesamtwerten der drei engsten Mitbewerber entsprechen. Wie sagte der Rain Man: "Ich bin ein guter Gärtner!" Und Julia ist eine intuitive Spezialistin in der mikroselektiven Landschaft. Ihre glamourösen Blusen sind von Berührungsspuren übersät, ihre teure Maniküre von dem vielen Händeschütteln zerkratzt, ihre "Markenstimme" bricht wegen der vielen Gespräche...

Aber ein guter Gärtner ist immer auch mit Erde, Humus, Düngemitteln und anderen Landschaftsmitteln verschmiert. So ist das Leben. Außerdem kennt Yulia Vladimirovna ein anderes Geheimnis. Um in der Politik lebendig zu erscheinen, reicht es nicht aus, dass die Wähler einen als solchen betrachten. Man muss die eigenen Konkurrenten für tot halten. Heute lesen nur wenige ukrainische Politiker die russischen Klassiker, insbesondere die aus der Sowjetzeit - unmodern, nicht prestigeträchtig, sogar gefährlich. Julia liest sie. Mutig, die Frau. Ich weiß zum Beispiel ganz sicher, dass sie auch einmal Alexander Vampilovs „Entenjagd“ gelesen hat. Ich weiß auch, dass sie vom Dialog zweier Jäger beeindruckt war. 

Einer von ihnen, ein fortgeschrittener Ingenieur, sagte seinem Begleiter, einem schlecht ausgebildeten Barkeeper, in etwa Folgendes: „Ich, gebildet wie ich bin, weiß alles über Geschwindigkeit. Ich kann die Fluggeschwindigkeit einer Ente und eines Geschosses genau berechnen. Dementsprechend kann ich richtig zielen und mich auf den Wind einstellen. Du weißt nichts darüber. Aber ich schieße daneben und du triffst. Was ist dein Geheimnis?“ darauf der Barkeeper lapidar: "Wenn du zielst, denkst du, dass die Ente lebt. Und wenn ich ziele, halte ich sie für bereits tot." In den letzten Monaten hat sich Julia so verhalten, als ob ihre Rivalen bereits politisch tot sind. 

Es funktioniert wie Voodoo-Magie. 

Nicht nur gewöhnliche Menschen, sondern auch einflussreiche Anführer streichen die Gegner von Julia unterbewußt aus ihrem Leben. Donald Trump hat Präsident Poroschenko in Paris die Hand nicht deshalb nicht gegeben, weil er ihn nicht respektiert. Man gibt Toten einfach nicht die Hand. Sogar dann, wenn es politisch Tote sind. Frau Merkel verbrachte bei ihrem letzten Besuch in Kiew mehr Zeit mit der einfachen Abgeordneten Timoschenko, als mit dem Präsidenten Poroschenko. Weil es üblich ist, lange mit den Lebenden zu sprechen, während man mit den Toten nur kurz schweigt. So ist der Tod nunmal... So sieht die heutige Mikro-Wahllandschaft der Ukraine aus: lebende Enten und tote. Obwohl bis jetzt, die einen wie die anderen noch recht "hoch fliegen". Weidmannsheil!

Bilder: @depositphotos @nato

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