Trumps Grönland Plan und die wahren Interessen der USA

Dienstag, 1. Oktober 2019

US Präsident Trump hat mit seinem Interesse am Kauf der Insel Grönland weltweit für Schlagzeilen und Kopfschütteln gesorgt. Doch was steckt wirklich hinter dem Angebot Trumps?

Trumps Grönland Plan und die wahren Interessen der USA

Trumps Grönland Plan und die wahren Interessen der USA

Von Mathias v. Hofen

Grönland lag bisher eher im Windschatten der Geschichte. Die Insel, auf der seit dem 18. Jahrhundert die Dänen dauerhafte Stützpunkte unterhielten und die seit 1814 formal zu Dänemark gehört, ist seit 1979 autonom mit eigener Regierung und eigenem Parlament. Über Außen- und Verteidigungspolitik entscheidet jedoch allein die dänische Regierung. 

Die USA hatten bereits schon früher Interesse an Grönland bekundet. So beabsichtigte US-Präsident Harry S. Truman 1946 einen Kauf Grönlands, was die Dänen aber ablehnten. Seit dem Beginn des Kalten Krieges unterhalten die Amerikaner Militärstützpunkte auf Grönland. 

Seit einigen Jahren steigt das Interesse der USA, aber auch anderer Staaten an der Nutzung des Nordpols. Grund dafür ist zum einen der Klimawandel, der einen Rückgang des Eises am Nordpol bewirkt und damit die wirtschaftliche Erschließung größerer Flächen möglich macht. So planen Russland und andere Anrainerstaaten Gasfelder zu erschließen, die bisher durch die meterdicken Eisschichten unzugänglich waren. Außerdem könnte Russland davon profitieren, dass die Nordostpassage von Asien nach Europa durch das russische Polarmeer in Zukunft teilweise eisfrei werden könnte. Mit einem zunehmenden Schiffsverkehr in der Nordostpassage könnte Russland durch Transitgebühren und Serviceleistungen finanziell profitieren. 

Die USA haben durch Alaska Zugang zur Arktis. Auch Alaska haben die USA durch Kauf erworben. Sie zahlten dafür dem russischen Zarenreich im 19. Jahrhundert die fast lächerliche Summe von 7,2 Millionen Dollar. Durch Alaska haben die USA einen Anteil an der Nordpolarregion, der jedoch relativ begrenzt ist. Dänemark hat durch Grönland einen größeren Anteil am Festlandssockel der Arktis.   Durch einen Erwerb Grönlands hätten die USA einen wesentlich größeren Anspruch auf den Nordpol und damit auf die dort vermuteten Rohstoffe. 

Bisher hatten die USA eine andere Strategie verfolgt: Sie hatten vor allem eine freie Durchfahrt über die Nordwestpassage nördlich des kanadischen Festlands als auch über die Nordostpassage gefordert. Damit einher ging die Forderung nach einer Internationalisierung dieser Gewässer. Mit ihrer Position stießen die USA sowohl auf Widerstand in Kanada als auch in Russland. Die Ansprüche auf den arktischen Festlandssockel sind zwischen verschiedenen Staaten umstritten. 

Es gibt noch einen weiteren Grund warum das Interesse der USA an Grönland, das seit dem Ende des Kalten Krieges stark nachgelassen hatte, wieder erwacht ist. In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ sagte dazu der Chefredakteur der grönländischen Wochenzeitung "Sermitsiaq", Poul Krarup:“ Mit China hatten wir bisher die besseren Kontakte. Grönland exportiert mehr nach China als in die USA und in unseren Fischfabriken arbeiten weit mehr Chinesen als Amerikaner. Es reisten bisher weitaus mehr grönländische Regierungsdelegationen nach China als in die Vereinigten Staaten.“  

Schon bei einer Konferenz des Arktischen Rates, in dem alle sechs Nordpol Anrainer Staaten vertreten sind, wurden im Mai 2019 die Ängste der Amerikaner vor einer Expansion Chinas in die Nordpolarregion deutlich. Zum ersten Mal seit langer Zeit reiste mit Mike Pompeo ein amerikanischer Außenminister an. Pompeo nutzte das Forum zum Generalangriff auf China. Er wolle nicht, dass die Nordostpassage von Asien nach Europa zu „einem neuen südchinesischen Meer“ werde. Pompeo sprach auch davon, dass China „anderswo an den Tag gelegtes aggressives Auftreten“ auch in der Arktis zeigen könne. Auch Russlands Anspruch auf Hoheit über die Nordostpassage wolle man nicht akzeptieren.

Der Traum Trumps vom Erwerb Grönlands ist bis auf Weiteres vertagt. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bezeichnete Trumps Idee als „absurd“, woraufhin Trump einen geplanten Staatsbesuch in Kopenhagen absagte. Dänemark, das sich sonst manchmal als Musterschüler der USA zeigt und beispielsweise den Bau der Nordstream Pipeline von Russland nach Deutschland durch seine Interventionen erschwert, wird von Washington abgestraft. Aber auch die grönländische Regionalverwaltung reagierte sehr ablehnend auf Trumps Angebot. 

Die USA, die noch auf der Polarkonferenz wie ein Verteidiger der freien Schifffahrt und der internationalen Nutzung der Arktis auftraten, haben ihre Maske fallen lassen und verfechten nun eine „America first“ Politik auch am Nordpol, die auf die Interessen anderer Staaten keinerlei Rücksicht mehr nimmt. Gerade die Interessen kleinerer Nationen wie Grönlands und Dänemarks werden brutal zur Seite gedrängt. Trump steht mit seiner Position keineswegs allein da in Washington. Gerade Teile des militärisch-industriellen Komplexes der USA befürworten eine amerikanische Dominanz am Nordpol.

Bei Grönland ist Trump der geplante Deal geplatzt. Doch Trump, der oft eher als Geschäftsmann denn als Politiker agiert, ist sicher schon auf der Suche nach dem nächsten Deal. 

Bilder: @depositphotos 

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