Strategische Einflüsse in einer global integrierten Welt

Montag, 1. Oktober 2018

Prof. László Kemény über eine neue Ära der Zivilisation, die eine wissenschaftlich-technische Revolution hervorbringt

Fast 30 Jahre sind nach dem Ende des Kalten Krieges vergangen, der letzten allumfassenden Umverteilung der Kräfte, Beziehungen und Politikstrategien in allen Ländern der Welt. Seitdem hat die Welt sich dramatisch verändert. Es entstanden neue Pole der Machtkonzentration, sowie Möglichkeiten, die die zivilisatorische Entwicklung weiter beschleunigen, es entstanden wieder neue unversöhnliche Widerstände, die die regionalen und globalen Spannungen verschärfen. Es ist wieder an der Zeit darüber nachzudenken, wie das Leben der Welt als Ganzes, in einem separaten Land, einer Nation und jeder einzelnen Person gestaltet werden kann. Die globalen Bedingungen, die die Entwicklung der Weltordnung für alle bestimmen, sind dieselben.

Prof. László Kemény, Ungarn

Dies ist eine neue Ära der Zivilisation, die eine wissenschaftlich-technische Revolution hervorbringt. Internet, Mobilfunk und andere Mittel der Informationstechnologie, Weiterverbreitung der Fernlenkung, Einführung von Roboter-Technologien, künstliche Intelligenz, digitale Wirtschaft usw. verändern das Produktions- und Arbeitssystem und nicht zuletzt auch den militärischen Komplex. Das Wesen und der Haupttrend der neuen Zivilisation ist die radikale Änderung der Rolle und der Stellung des Menschen in der Produktion, bei der Schaffung von neuen Werten und damit auch in der Beziehung miteinander, in den Gesellschaftsbeziehungen. Menschen verlassen die großen Fabriken, Unternehmen und müssen sich auf ihr kreatives Wissen verlassen. Alle menschlichen Errungenschaften können für sie zugänglich sein, sie können dafür Informationen nutzen, die in irgendeinem Teil der global vernetzten Welt geschaffen wurden. Die Zivilisationsentwicklung führt zur Annäherung der Völker der Welt, schafft Bedingungen, die Gesellschaften und politische Systeme demokratisieren können.

Dies ist die Art und Qualität der Beziehungen zwischen Ländern und Nationen. Derzeit, in dieser Entwicklungsphase, ist der wichtigste Faktor der Widerspruch zwischen der Post-Kalter-Krieg-Zeit und das Streben nach friedlicher Koexistenz. Darüber hinaus beeinflusst die Tatsache, dass das Wirtschaftssystem des Kapitalismus die einzige Dominante der Weltwirtschaft geworden ist, die Formulierung neuer Strategien. Interdependenz (und Interaktion) und Integration sind global geworden; in diesem Zusammenhang wachsen die regelmäßigen zyklischen Wirtschaftskrisen des Kapitalismus in das gesamte soziale und politische System aller Länder der Welt hinein. Die positive oder negative Richtung dieser Einflussfaktoren hängt weitestgehend von aktuellen Ereignissen ab. Und die aktuellen Ereignisse und Prozesse entstehen meistens wegen der ungelösten historischen Probleme, die wir vererbt bekommen haben. Auch die erwähnten Transformationen können dazu führen. Wenn beispielsweise neue Staaten entstehen, führt das gelegentlich zu unerwarteten Widerständen und Spannungen. Derzeit sind das zum Beispiel die Wiederbelebung des religiösen Fundamentalismus und seine Mutationen, der arabisch-israelische Konflikt, der Kampf der Nationen (einschließlich der Kurden, Palästinenser), die im Zuge des Zusammenbruchs des Kolonialsystems keinen eigenen Staat bekommen haben und das Fehlen von Friedensverträgen am Ende der Weltkriege (zwischen Japan und der UdSSR, auf der koreanischen Halbinsel usw.. Nationale Unruhen wegen der Ungerechtigkeiten, der Voreingenommenheit bestimmter Verträge zwischen den Großmächten. So verwunderlich das ist, aber gerade diese in der Vergangenheit ungelösten Probleme treten jetzt in den Vordergrund, da deren psychologischer Inhalt für normale Menschen in der Interpretation von Populisten und ehrgeizigen politischen Spekulanten eher zu verstehen ist.

Als subjektive Faktoren, die die Ursachen von Konflikten in der Welt beeinflussen, können eine ganze Menge aufgelistet werden. Zum Beispiel von 2012 bis 2013 waren das fast gleichzeitig Präsidentschaftswahlen in Russland, den USA, Frankreich, China, Venezuela, Mexiko, sowie die Parlamentswahlen in Deutschland, der Ukraine, Serbien, der Slowakei, Rumänien, usw., wodurch eine neue Generation von Politikern, geboren nach dem Zweiten Weltkrieg, die politische Bühne betreten hat. Solche Erscheinungen, wie die Krise in der Euro-Zone, der so genannte „Afrikanische Frühling“, der Kampf gegen die Terroristen in den arabischen Ländern, das Problem des Islam, das „Iranische Syndrom“ der nuklearen Bedrohung, das alles führt zum Ansteigen der Spannungen in der Welt. In der Fortsetzung von 2014 verschärften sich die Konfrontationen der auf der Weltarena operierenden Großmächte. Die US- und NATO-Staaten haben in Libyen, im Irak, in Syrien militärisch interveniert und die Europäische Union erweiterte durch die sogenannte Östliche Partnerschaft den Einflussbereich im postsowjetischen Raum. Als Ergebnis dieser Aktionen, die ohne Rücksicht auf mögliche Auswirkungen vollzogen wurden, folgten Spannungen im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Ukraine, auf der Krim, sowie im Kampf gegen den Terrorismus des „Islamischen Staates.“ Man könnte viele solcher Ereignisse auflisten, aber es ist auch so klar, dass der Zustand der Welt instabil ist.

Ohne die Natur aller Faktoren zu enthüllen, die die aktuelle Weltordnung bestimmen und damit eine Grundlage für die Entwicklung neuer Strategien geben, gehen wir jedoch von der Hypothese aus, dass jetzt die Merkmale der Post-Kalter-Krieg-Zeit am wichtigsten sind. Nach dem Ende des Kalten Krieges glaubten viele, dass Amerika gewonnen habe und die Länder des ehemaligen sozialistischen Lagers verloren hätten. Eine solche Ansicht wurde auch durch den Zerfall der Sowjetunion gestärkt. Aber nach dem Terroranschlag in New York am 11. September 2001 wurde klar, dass ein solcher Ansatz falsch war. Die Basis des globalen Friedens ist Partnerschaft. Daher gibt es keine Verlierer und Gewinner - sondern nur Partner. Es wurde jedem klar, dass es notwendig ist, sich gegen eine gemeinsame Bedrohung zu vereinen: den Terrorismus.

Die Verantwortung, ausgehend von all den umfassenden Prozessen der wissenschaftlich-technischen Revolution, bringt alle involvierten Seiten zu der Erkenntnis, dass der Kalte Krieg in einem "Remis" endete. Diese Schlussfolgerung wird durch die Haupttendenzen der Weltgemeinschaft bestätigt, die zeigen, dass sich die Globalisierung immer noch entlang der Linie der Integration bewegt. Der gemeinsame Gedanke ist: Die wiederaufgebauten Länder müssen sich in eine global abgestimmte Welt integrieren. Der Wunsch, die Vereinigten Staaten als einzige globale Supermacht in den Mittelpunkt der unipolaren Welt zu stellen, ist gescheitert. Sie haben es nicht geschafft, zwei Kriege (im Irak und in Afghanistan) gleichzeitig zu führen und sich gleichzeitig erfolgreich dem internationalen Terrorismus zu widersetzen, nicht mal auf ihrem eigenen Territorium. All dies führte nicht wie beim Amtseintritt von Präsident Obama angekündigt zum „Neustart“ der Beziehungen zu Russland. Im Gegenteil, die von ihm im Namen der „Liberalen Revolution“ geschaffene Atmosphäre des Hasses verstärkte sich nach der Niederlage der Demokraten immer mehr. Diese Beispiele bestimmen die Politik der sogenannten westlichen Welt dermaßen stark, dass der gewählte Präsident der USA keine normalen Beziehungen zu Russland aufbauen und auch seine rechtmäßige Macht zu Hause nicht nutzen kann. Der Kampf um die Macht in den Vereinigten Staaten zwischen dem Republikaner Trump und den Demokraten führt so weit, dass dieses Land, immer noch das größte der Welt, gegen alle und jeden einen Wirtschafts- und Handelskrieg führt. In der Ideologie des «Amerika-firster» werden neben Russland, die Europäische Union, China, Indien, Iran und alle widerspenstigen Länder des Nahen und Mittleren Ostens mit Sanktionen belegt. Besonders, wenn sie sich mit den Russen verbünden. Einige amerikanische Strategen erläutern von Zeit zur Zeit die Idee einer China-USA-Diarchy. Obwohl es dafür eine ganze Reihe von objektiven Voraussetzungen gibt, ist dies aber doch mehr als fraglich, vor allem, weil China selbst eine solche Struktur eher nicht anstrebt. Die Schlussfolgerungen der Analyse zusammenfassend, können wir eine These formulieren: Die Kriege des letzten Jahrhunderts sind zu Ende, die Welt ist jetzt multipolar und verändert sich ständig. In der Weltpolitik entstehen neue Pole der Integration, vernetzte Netzwerke, in denen alle Länder irgendwie ihren Platz finden müssen. Es gibt natürlich die (G-20) Staaten, die die Zentren der Integrationsverbände bilden und die Integrationsländer. Im globalen Netzwerk der Integration gibt es kein "regierendes Land", weil ein Integrator kein Imperator sein kann und an seiner Stelle die Partnerschaft regiert.

Bei all dem wird unvermeidlich ein Kampf um die Ideologie des Managements der globalen Prozesse geführt. Es gibt Widersprüche in den strategischen Interessen zwischen Europa, Russland, den Vereinigten Staaten, China, Asien, Südamerika und Afrika. In der neuen Weltordnung sind die Rollen globaler Organisationen noch nicht verteilt.Bis jetzt fällt die Schlussfolgerung bescheiden aus: In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Welt viel schneller verändert als jemals zuvor in so kurzer Zeit. All die raschen Transformationen - auf dem Gebiet der Angleichung der Kräfte, in den wirtschaftlichen und politischen Bereichen - betreffen beide Teile Europas (Russland und die Europäische Union) und verändern ihren Platz in der Welt, unabhängig von ihren Handlungen. Die Entwicklungsrichtung der nach dem Zusammenbruch der UdSSR gebildeten Länder ist noch nicht festgelegt. Es folgt ein neues "Jahrhundert Asiens" - ökonomisch und dann wahrscheinlich auch politisch.Die Vereinigten Staaten, die größte moderne Macht und eine der führenden Nationen der Welt, verlagern ihren Fokus der wirtschaftlichen und politischen Aufmerksamkeit immer mehr auf Asien und den Pazifik und „hängen“ sich erfolgreich an die Lokomotive des asiatischen Wachstums.

Die strategischen Richtungen in der global integrierten Welt wurden jedoch nicht im Detail entwickelt. Sie sind die Themen der aktuellen und kommenden Schlachten. Aber es bleibt dafür immer weniger Zeit und Energie!

Bilder: @depositphotos

Die Meinung des Autors/Ansprechpartners kann von der Meinung der Redaktion abweichen. Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1 und 3 (1) „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Am 25. Mai 2018 tritt die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft. World Economy S.L. aktualisiert in diesem Zuge seine Datenschutzbestimmungen. Gerne möchten wir Sie weiterhin mit unserem Newsletter an Ihre E-Mail-Adresse informieren. Sie haben jederzeit das Recht, der weiteren Nutzung Ihrer personenbezogenen Daten für die Zukunft zu widersprechen.