Skandal in Wien

Dienstag, 21. Januar 2020

Dr. Norbert van Handel - POLITISCHES TELEGRAMM

Dr. Norbert van Handel - POLITISCHES TELEGRAMM

Dr. Norbert van Handel - POLITISCHES TELEGRAMM

Von Dr. Norbert van Handel

In der deutschen „Frankfurter Allgemeinen “ las man unter dem Titel „Akademischer Faustkampf“, dass kürzlich an der Goethe Universität eine Diskussion über das Kopftuch derart eskalierte, dass manche die Faust nicht mehr in der Tasche halten konnten und nur durch das Einschreiten der Polizei die Ruhe wieder hergestellt wurde. Man erinnert sich unter anderem auch, dass die Antrittsvorlesung des ehemaligen (liberalen) AfD Vorsitzenden, Prof. Lucke, ebenfalls nur unter Polizeischutz stattfinden konnte. Nun ja, denkt sich der gelernte Österreicher, das ist eben Deutschland, wie es heute leibt und lebt.

Weit gefehlt, ein mindestens so großer Skandal ereignete sich an der Universität Wien: 

Die Vorlesung des bekannten und beliebten Zeitgeschichtlers Univ. Prof. Dr. Lothar Höbelt, die in diesem Semester bereits mehrfach von Demonstranten gestört wurde, musste nun letzte Woche wegen einer „antifaschistischen Blockade“ abgesagt werden. Laut Rektorat blockierten etwa 100 vermummte (!) Demonstranten die Hörsaaleingänge. Das Rektorat „hofft nun darauf, dass diese Tumulte ein einmaliges Ereignis bleiben“. Ob das allerdings genügen wird, ist fraglich – die 68er lassen grüßen. Nun zu Professor Höbelt: es handelt sich bei ihm um einen der namhaftesten Zeitgeschichtler in Österreich. Ein Dutzend Bücher und über 250 wissenschaftliche Artikel kennzeichnen seinen wissenschaftlichen Weg. Lothar Höbelt hat allerdings einen Fehler: er ist nicht links! Er ist einfach konservativ und damit etwas rechts der Mitte und hebt sich wohltuend von den linken Schickeriaprofessoren ab, die leider in Österreich die Geschichte und vor allem die Zeitgeschichte nur unter rosa bis dunkelroter Brille sehen. Im übrigen eine Katastrophe, denn eine ganze Generation wird so einseitig und meist falsch informiert.

Ein namhafter emeritierter Professorenkollege von Professor Höbelt schrieb unter anderem in einem Leserbrief: „Ich wurde von meiner Herkunft im Arbeitermilieu eher links sozialisiert – mit der polternden Rechten habe ich nichts am Hut – und besuche die Vorlesung von Professor Höbelt zur Geschichte der 2. Republik als interessierter Gast seit Oktober 2019. In keinem einzigen Satz hat Höbelt auch nur andeutungsweise faschistisches Gedankengut anklingen lassen. Die Vorlesung hätte genau so gut von einem guten „linken“ Professor gehalten werden können – sie ist im besten Sinn neutral. Ich habe darin viel gelernt und der Vortragsstil ist vorbildlich.“ Mehr braucht man dazu nicht zu wissen.

Was gefordert werden muss, ist, dass der Bildungsminister der neuen Regierung, Univ. Prof. Fassmann, dringenden Bedarf hat grundsätzlich die Hochschulen vor einseitigen politischen Krawallen zu schützen. Und der Herr Minister hätte noch viel mehr Aufgaben als den Schutz der Lehre. Nämlich darauf zu schauen, dass, wie etwa an der Universität Innsbruck, nicht mehrere Professuren rechtswidrig besetzt werden.

Dort haben sich zahlreiche Studierende an das Ministerium gewandt, da es seit 2014 wiederholt Beschwerden über unregelmäßig abgehaltene Lehrveranstaltungen in Innsbruck gab.  Vorlesungen und Seminare fanden häufig, aufgrund von Nebentätigkeiten der Professoren, nicht statt. Eigentlich ein Skandal! Insbesondere auch, weil der Rechnungshof die Uni Innsbruck genau aus diesem Grund gerügt hat, ohne dass die Besetzungstätigkeit deshalb gerechter und dem Gesetz entsprechend abläuft!

Alles in allem muss man fürchten, dass die Universitätslandschaft in Österreich völlig verschlampt, alles was nicht links ist behindert wird und selbst nachgewiesene Rechtswidrigkeiten nicht sanktioniert werden. Ob der derzeitige Bildungsminister – im übrigen jener, der auch der vorherigen Regierung verantwortlich war – in der Lage und willens ist hier endlich Ordnung zu schaffen, darf bezweifelt werden.  Er gilt als kritikfeinlich, etwas schrullig und, was das allgemeine Schulwesen betrifft, eher praxisfern. Universitäten und Bildung überhaupt sind die intellektuelle Basis einer Nation. Wenn diese nicht funktioniert, ist die Zukunft gefährdet.

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