Professor Moriarty returns: Theresa May in Berlin

Freitag, 6. Juli 2018

Conan Doyle hätte die Hauptfigur des Schurken in seinen Erzählungen über den großen Detektiv zu einer Frau machen und sie Theresa May nennen sollen.

Man kann sich nur wundern über die perversen Fantasien unserer Nachbarn von der kleinen Insel, die durch den Brexit und den Ärmelkanal von Europa getrennt wird. 

Sie sind für ein gemeinsames Europa und sind doch die ersten, die es so schnell wie möglich verlassen wollen. Der britische Außenminister verflucht die Fußballmeisterschaft in Russland und die englische Nationalmannschaft steht im Viertelfinale. Russland wird beschuldigt den Ex-Spion Skrypal vergiftet zu haben und das entsprechende Gas wird im Chemielabor in Porton Down, wenige Kilometer vom Haus des Opfers entfernt, hergestellt. In einigen Tagen findet ein NATO-Gipfel statt, die Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands werden sich in Helsinki treffen und die ganze Welt wartet auf Entladung der weltpolitischen Lage. Und siehe da, in Amesbury riecht es plötzlich wieder auf mysteriöse Weise nach dem Nervengas „Novichok“. Und das geschieht just einen Tag vor dem wichtigen Besuch von Theresa May in Berlin. Es ist geradezu die Rückkehr von Professor Moriarty, der die Welt zerstören will.

Die Hauptfrage ist jetzt klar - Brexit war nur eines der Themen gewesen. Ob im Hinterzimmer auch andere Fragen und Forderungen besprochen wurden? Könnte vielleicht die britische Premierministerin von Angela Merkel verlangen, Russland den Krieg zu erklären? Im übertragenen Sinne selbstverständlich, so möchte man jedenfalls hoffen. Im direkten - die Nord-Stream-2 zu stoppen, die Einführung neuer Sanktionen gegen Moskau, die Stärkung der NATO-Streitkräfte an den östlichen Grenzen Europas, die Stationierung von „Friedenstruppen“ der NATO in der Ukraine, die Wiederbelebung der Raketenabwehrpläne der USA? Es bleibt nur noch, deshalb auch den russischen Wodka zu verbieten und „der Krieg“ gegen Russland kann beginnen. Absurdität wird in den Rang der Staatspolitik erhoben.

Wenn sich die deutsche Kanzlerin, durch die innenpolitische Regierungskrise geschwächt und erschöpft, zu Zugeständnissen bereit zeigt und Deutschland sich an der neusten angelsächsischen Affäre beteiligt, dann verliert das Land nicht nur sein Gesicht, sondern auch die letzten Reste seiner Unabhängigkeit, von der ohnehin nicht mehr viel übrig geblieben ist.

Es ist notwendig, Deutschland eine Chance zu geben, seine Souveränität und Fähigkeit zur selbständigen Durchführung der eigenen Außenpolitik zu zeigen. Und das ohne den Schulterblick auf das neblige Albion, das schon nicht zum ersten mal einen Keil zwischen Berlin und Moskau zu treiben versucht.

Das Wort hat Angela Merkel. Oder der Regierungschef der ihr nachfolgt. Hauptsache, dass es dann noch nicht zu spät ist.

Von Alexander Sosnowski, Chefredakteur

Bilder: @depositphotos

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