POLITISCHES TELEGRAMM. Entwicklungshilfe - 2.000 Milliarden Dollar umsonst?


Montag, 1. Juli 2019

Das angesehene Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat kürzlich ausgeführt, dass ohne Beseitigung der Armut in Afrika der Migrationsdruck auf Europa nicht nachlassen wird.


Entwicklungshilfe, Afrika, Europa, Migration, World Economy, Politisches Telegramm

POLITISCHES TELEGRAMM. Entwicklungshilfe - 2.000 Milliarden Dollar umsonst?


Von Dr. Norbert van Handel

Derzeit leben 1,2 Milliarden Menschen in Afrika. Bei einer Fertilitätsrate von bis zu acht Kindern pro Frau werden es 2050 mehr als doppelt so viele sein.Die BIP Wachstumsraten in vielen afrikanischen Ländern liegen zwar über denen der europäischen Industrieländer, dennoch wird die Armut zunehmen.

Pro Jahr drängen 10 bis 12 Millionen Afrikaner neu auf den offiziellen Arbeitsmarkt – denen steht aber nur ein Jobwachstum von drei Millionen gegenüber. Afrika bräuchte daher einen starken Rückgang der Geburtenrate. Investitionen wären notwendig, jedoch sind die lokalen Konflikte, die Korruptions- und die Vetternwirtschaft so groß, dass für viele internationale Konzerne Investitionen nicht mehr akzeptabel sind. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb neulich, dass laut dem afrikanischen Starökonom James Shikwati die Entwicklungshilfe, die in den vergangenen 55 Jahren mehr als 2.000 Milliarden Dollar ausmachte, eine Misserfolgsgeschichte ist.

Und weiter führt Shikwati aus, dass diese Hilfe „mehr Schlechtes als Gutes“ bewirkt habe, nämlich mehr Korruption und Vetternwirtschaft und vor allem - und das scheint besonders bedenklich - die Eliminierung eigener Unternehmen, weil diese durch die so genannte Entwicklungshilfe und den Import billiger europäischer Güter nicht mehr lebensfähig waren.Im Unterschied dazu leisten die Chinesen keine Hilfe, sondern investieren (vorerst in die Infrastruktur) und unter der Maßgabe, dass die Investitionen zurückbezahlt werden. Mit diesem relativ kleinen Mitteleinsatz sei, laut Shikwati, schon mehr erreicht, als durch die Industrieländer mit ihren 2.000 Milliarden US Dollar! Das chinesische Engagement sollte den Europäern klar machen, dass ihr Ansatz falsch ist. Der Schlüssel zur Lösung dieses Problems liege bei den afrikanischen Eliten: diese müssen sich Investitionen öffnen und ein politisches Umfeld schaffen, das diese auch sinnvoll machen. Und sie müssen durch Investitionen in Bildung und Gesundheit eine Senkung der Geburtenrate ermöglichen.

Drei Dinge: Bildung, Gesundheit, Jobs sind nach Ansicht des Berlin Instituts die Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung.

Es gibt auch einige afrikanische Erfolgsbeispiele, z.B. Äthiopien, das sein Gesundheits- und Bildungssystem ausbaute und die Geburtenrate in den vergangenen Jahren von acht auf vier Prozent senkte! Auch Tunesien, Botswana, Marokko, Ghana, Kenia und der Senegal würden sich in die richtige Richtung entwickeln. Andere aber wieder nicht! Wenn das Steuer nicht herumgerissen wird, werden 2050 jedenfalls 40 Prozent der armen afrikanischen Bevölkerung in nur zwei Ländern leben: Nigeria und Kongo und diese würden dramatische Immigrantenströme nach Europa verursachen. Shikwati hält im übrigen auch die derzeitige Migrationswelle nach Europa für eine Katastrophe für Afrika: die, die gehen, hätten nämlich erstens Geld, weil die „Flucht“ nach Europa hohe Schlepperkosten verursacht und sie seien zweitens offenbar bereit überdurchschnittliche Risiken einzugehen. Sie zeigen also das klassische Unternehmerprofil – das Afrika selbst aber nicht mehr für sich nutzen kann.

Resümee ist, dass die Entwicklungshilfe gescheitert ist und man zu Direktinvestitionen umschwenken muss, die gleichzeitig die Basis zur Stärkung des zwischenstaatlichen Handels begründen würden. Die klassische Entwicklungshilfe hat versagt, ein neues Engagement ist notwenig und ein Beispiel dabei ist China.

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