Österreich: Was am Ende dabei raus kommt, kann man heute noch nicht sagen

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Baron Norbert van Handel im Gespräch mit Chefredakteur von World Economy Alexander Sosnowski

Österreich: Was am Ende dabei raus kommt, kann man heute noch nicht sagen.

Österreich: Was am Ende dabei raus kommt, kann man heute noch nicht sagen.

WE: Wie schätzen Sie den Wahlausgang in Österreich ein? Wie sehen Sie die Chancen und Möglichkeiten Ihrer Partei, in Zukunft an der politischen Entwicklung des Landes mitzuwirken? 

Baron Norbert van Handel:

Zum einen, war der Wahlkampf gekennzeichnet durch eine Schlammschlacht, bei der alle anderen Parteien gegen die FPÖ gekämpft haben. Und zum anderen, lieferte die FPÖ - leider - selbst genügend Stoff, um die Mehrheit oder jedenfalls eine große Zahl von Menschen dazu zu bringen sie nicht zu wählen. Das muss man so sehen, so ist es. Die Partei muss reformiert und neu aufgestellt werden, um wieder in die erfolgreichen Stufen zu kommen, die sie früher gehabt hat.

WE: Meinen Sie die berüchtigte „Ibiza-Affäre“ hat zum Wahlausgang beigetragen? War es ein gezielter Angriff von außen auf die Partei?

Baron Norbert van Handel:

Diese Affäre war sicherlich ein großer politischer Verkehrsunfall, würde ich jetzt sagen. Sie ist auch - was man viel zu wenig bedacht hat - wie eine tückisch gestellte Falle abgelaufen, von wem genau weiß man nicht. Ich will nicht glauben, dass sie letztlich entscheidend für den Wahlkampf war. Entscheidender waren Spesenvorwürfe und andere Dinge, die man dem früheren Parteiobmann vorgeworfen hat. Das ist genau das, was der kleine Wähler versteht und das hat bestimmt sehr geschadet. Auch muss man sagen, dass diese Vorwürfe genau in dem Moment gekommen sind, als nur noch 3 Tage bis zur Wahl blieben, so dass man nicht mehr viel gegensteuern konnte. Ob das nun gezielt oder nicht gezielt war, kann ich nicht sagen, glaube aber, dass es gezielt gewesen ist. 

WE: Wie geht es nun weiter? Betrachten wir zwei Varianten - sie sind Mitglied der Koalition oder sie sind in der Opposition. In welche Richtung soll es gehen.

Baron Norbert van Handel:

Zunächst wird Sebastian Kurz sicherlich mit den Grünen und den Sozialdemokraten sprechen. Unsere Partei, die FPÖ, hat sicherlich nicht genug Unterstützung gekriegt, um offensiv in die Regierung zu gehen. Gleichermaßen wird man, wenn es zu diesen Gesprächen kommt, diese natürlich auch führen. Was am Ende dabei raus kommt, kann man heute noch nicht sagen. 

WE: Was meinen Sie, wird die Politik des zukünftigen Bundeskanzlers Kurz eher um die österreichischen Interessen aufgebaut sein oder sich doch mehr in Richtung Europa oder sogar transatlantisch orientieren?

Baron Norbert van Handel:

Ich glaube, dass Sebastian Kurz versuchen wird die Richtung seines Regierungsprogramms beizubehalten: wirtschaftsfreundlich, immigrationsfeindlich, Österreich in den Mittelpunkt stellend. Inwieweit sich ein anderer Koalitionspartner durchsetzen kann, das werden wir sehen. Wenn es so wäre, wäre es natürlich auch für die Opposition ein Anlass da Position zu beziehen. Ich glaube nicht, dass eine starke transatlantische Politik kommt, ich glaube, dass man eher in Richtung eines Vaterlandes der Vaterländer gehen wird und weniger in Richtung der Vereinigten Staaten von Europa. Aber Kurz wird natürlich auch bemüht sein, nicht zu sehr bei der Nomenklatur der EU anzuecken.

WE: Es wird viel darüber gesprochen, dass Österreich seine Linie der guten Beziehungen zu Russland ändern könnte. Wie sehen Sie das?

Baron Norbert van Handel:

Das hoffe ich nicht, Ich sehe keine Anlässe, warum man das machen sollte. Kurz hat auch bei seiner ersten Regierung eine vernünftige Position gegenüber Russland eingenommen. Ich glaube nicht, dass da eine wesentliche Änderung passieren wird. Zumindest hoffe ich das.

WE: Herr Baron, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. 

Bilder: @depositphotos 

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