NATO im Kriegsrausch gegen Russland

Freitag, 11. Mai 2018

Mit dem sogenannten ''360-Grad-Ansatz'' hat sich die NATO mittlerweile ein ebenso ambitioniertes wie aggressives Konzept zu eigen gemacht.

Dabei wird argumentiert, dass andere Regionen außerhalb Osteuropas, trotz der Auseinandersetzungen mit Russland, nicht "vernachlässigt" werden dürften. Dies sei auch deshalb wichtig, weil Moskau auf immer mehr Feldern Positionsgewinne erziele, die zurückgedrängt werden müssten. 

Von John Brankly

Auf dieser Grundlage wird aktuell auch außerhalb der NATO-Ostflanke die Konfrontation mit der Russischen Föderation gesucht. Vor allem in den Blick geraten, ist dabei die NATO-Südflanke, der Hohe Norden sowie nicht geographische Bereiche wie der Cyberraum und die Strategische Kommunikation. 

Besonders gefährlich sind die Auseinandersetzungen in Syrien, wo der Westen parallel und, teils mit dem Krieg gegen den "Islamischen Staat" verwoben, seit Jahren auf den Sturz von Machthaber Baschar al-Assad abzielt. 

Inzwischen hat sich in Syrien ein blutiger Stellvertreterkrieg entwickelt, nachdem die Russische Föderation, spätestens mit Beginn seiner Luftangriffe ab September 2015 - nach der offiziellen Bitte von Assad - beschloss militärisch zu ergreifen. Lange agierte die Atlantische Allianz als Organisation in dieser Auseinandersetzung eher im Hintergrund, trug aber sämtliche eskalierenden Maßnahmen vieler ihrer Mitgliedsländer - von der Aufrüstung und Ausbildung "befreundeter" IS-Kämpfer bzw. Aufständischer bis zu den Bombardierungen der "Operation Inherent Resolve" - in vollem Umfang mit. 

Generell wird davon ausgegangen, dass die zunehmenden Großmachtkonflikte auch vor den Weltmeeren nicht haltmachen werden. 

Der "Hohe Norden" spielt in den Überlegungen der NATO-Strategen in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle. Dabei wird inzwischen wieder verstärkt die Bedeutung der "GIUK-Lücke" zwischen Grönland, Island und Großbritannien betont. In der Tat weckt allein schon die Tatsache, dass durch das klimawandelbedingte Abschmelzen der Polkappen potentiell riesige Ölvorkommen in der Arktis erschließbar werden, Begehrlichkeiten auf allen Seiten - Schätzungen belaufen sich auf bis zu 30 Prozent der weltweit unentdeckten Vorkommen.

Besonders en vogue ist es aktuell, der Russischen Föderation vorzuwerfen, sie würde sich einer - mutmaßlich völlig neuen - Form der "Hybriden Kriegsführung" bedienen. Gemeinhin wird dabei die, teils parallele, Anwendung verschiedener Interventionstechniken verstanden, zuvorderst der Einsatz verdeckt kämpfender Spezialeinheiten sowie die Durchführung von Cyberangriffen und von Desinformationskampagnen.

Der letzte Aspekt in diesem Zusammenhang bezieht sich auf die sogenannte "Strategische Kommunikation", die aus Sicht der Atlantischen Allianz ebenfalls an Bedeutung gewinnt. Dabei geht es einmal darum, in den NATO-Einsatzländern ein positives Bild zu erzeugen. Vor allem aber sollen in den NATO-Ländern selbst der russischen "Propaganda" eigene "Fakten" - also Propaganda - entgegengestellt werden, um die Unterstützung für das eigene Handeln zu "verbessern". Die Forderung, Deutschland müsse seine - zumindest idealtypisch - bislang an den Tag gelegte "Kultur der (militärischen) Zurückhaltung" zugunsten einer offensiver ausgerichteten Außenpolitik ad acta legen, ist spätestens seit dem Auftritt von Bundespräsident Joachim Gauck bei der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang 2014 unüberhörbar zu vernehmen. Mit der Verabschiedung des "Weißbuchs der Bundeswehr" am 13. Juli 2016 wurde der "Münchner Konsens" dann schließlich zur offiziellen Regierungspolitik für Deutschland erhoben. Insbesondere was die Russische Föderation anbelangt, spricht das "Weißbuch" eine klare Sprache: "Die Krise in der und um die Ukraine ist konkreter Niederschlag einer langfristigen innen- und außenpolitischen Entwicklung. Russland wendet sich dabei von einer engen Partnerschaft mit dem Westen ab und betont strategische Rivalität. International präsentiert sich Russland als eigenständiges Gravitationszentrum mit globalem Anspruch."

In den Nachbarstaaten der Russischen Föderation im Baltikum wächst die Angst vor einer kriegerischen Auseinandersetzung. Bis zu 4.000 Soldaten will die NATO an die Grenzen zur Russischen Föderation verlegen, viele davon im Baltikum. Die Russische Föderation ihrerseits will als Reaktion auf die aggressiven Handlungen der NATO die eigene Kampfbereitschaft an den Grenzen ausbauen.

Bilder: @depositphotos 

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