Es war ein Völkermord

Donnerstag, 2. Juni 2016

Dr. Martik Y. Gasparjan: Genozid - ist eines der furchtbarsten Verbrechen

Professor, Dr. Martik Y. Gasparjan:"... ein Genozid weitaus mehr beinhaltet als die Ausrottung einer gesamten Ethnie"

Professor, Dr. Martik Y. Gasparjan, Vize-Präsident der Internationalen Akademie der geistigen Einheit der Völker der Welt 

Es ist auch die Vernichtung der Kultur, der Werte und Errungenschaften, die im Laufe der Jahre erreicht und von Generation zur Generation weiter gegeben wurden. Die Zerstörung der kulturellen Marker, der Erinnerung und ihrer Stätten kann in diesem Zusammenhang als ein Element des „kulturellen“ Genozids betrachtet werden.

Der Begriff „Kulturozid“ wurde von dem bekannten polnischen und amerikanischen Juristen jüdischer Abstammung Rafael Lemkin eingeführt. Er prägte auch den Begriff „Genozid“ und war Autor der UNO Konvention über die Verhinderung und Bestrafung dieses Verbrechens. Bei der Madrider Konferenz 1933 sprach Lemkin vom Kulturozid als einem untrennbaren Teil eines Genozids. Er schrieb: „Die Vernichtung des kulturellen Erbes einer jeden Nation muss als ein Akt des Vandalismus betrachtet werden, der gegen die Kultur der gesamten Welt gerichtet ist“. Lemkin behauptete, dass Angriffe auf die Kultur eines Volkes nichts anderes sind, als Angriffe auf „auf die seelische und moralische Identifikation“ dieses Volkes!

Der Prozess des Verständnisses für die Unumgänglichkeit der Bewahrung und des Schutzes des kulturellen Erbes, setzte mit dem Beginn der Verurteilung des an den Armeniern begangenen Genozids ein und erreichte in der Mitte des letzten Jahrhunderts eine besondere Bandbreite. Jedoch gibt es, trotz zahlreicher juristischer Akte und Belege in denen auf die eine oder andere Weise vom kulturellen Genozid die Rede ist, immer noch keine vollwertige Konvention von Seiten der UNO, die den Kulturozid als Teils des Genozids nach Lemkins Definition verurteilt. Für uns ist es heute besonders wichtig darüber zu sprechen. Zum einen geht der Prozess der Vernichtung der armenischen Völker und des kulturellen Erbes unvermindert weiter und verstärkt sich sogar noch. Und zum anderen, weil gerade heute die Frage nach dem Recht auf Forderungen des armenischen Volkes auf die Tagesordnung kommt. Aber vor allem sollten wir immer wieder über den Kultorozid sprechen, weil wir, wenn wir unser historisches Erbe nicht verteidigen, unsere historische Zukunft aufs Spiel setzen und damit die Existenz der gesamten Welt in Frage stellen.   

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