Krim und die USA-Politik der doppelten Standards

Mittwoch, 22. August 2018

Das Kosovo, wo niemand ein Referendum abhalten konnte gilt als ein Musterbeispiel für Demokratie. Das friedliche Referendum auf der Krim wird jedoch als Aggression und Gewalt bezeichnet.

Die Krim wurde zum Ausgangspunkt für die Schaffung einer neuen Weltordnung, die nicht auf der Stärke der Staatsmaschine beruht, sondern auf Entscheidungen, die von einem legitim gewählten Parlament getroffen werden. Die geographische Lage der Halbinsel, die politische und militärische Blockade der Krim seitens der Ukraine, führten dazu, dass ein bedeutender Teil der Besucher über den Luftweg hierher kommt - über den Flughafen von Simferopol, der Hauptstadt der Krim.

Die Eindrücke eines Berliners, der bereits daran gewöhnt ist, dass es in der deutschen Hauptstadt keinen anständigen Flughafen gibt, sind durchweg positiv. Kaum das Flugzeug verlassen, findet man sich in einem absolut modernen Flughafengebäude wieder, das durch seine Architektur, ein modernes Design und die Präsenz aller Kleinigkeiten beeindruckt, an die ein viel reisender Ausländer gewöhnt ist. Internet, viele Restaurants und Cafés, Geschäfte, Boutiquen, ausgezeichnetes Informationssystem, Klimaanlagen in allen Räumen, saubere und moderne Toiletten. Berlin, das Milliarden für den Bau eines mythischen Flughafens ausgibt, sieht im Vergleich zu Simferopol wie eine gewöhnliche Provinzstadt aus.Natürlich ist klar, dass der Bau rund um das Terminalgebäude noch nicht abgeschlossen ist, die Straßen zum Flughafen sind auch noch nicht vollständig ausgebaut. Dennoch kann man durchaus sagen, dass die Krim bereit ist, internationale Flüge zu empfangen. Leider ist dies wegen der Sanktionen und der bereits erwähnten Blockade unrealistisch.

Die Geschichte der Rückkehr der Krim nach Russland wird für viele Jahre ein Thema der Forschung von Wissenschaftlern und Experten bleiben

Allerdings kann man heute nur über die Krim sprechen, wenn man sich dabei verschiedene Details ins Gedächtnis ruft. Sich an die bekannte Geschichte zu erinnern, wie der Generalsekretär der KPdSU, Nikita Chruschtschow, mit einem leichten Federstrich die Halbinsel von der RSFSR in die Ukraine überführt hat, macht dabei kaum Sinn. Die Wahrheit ist: in den damaligen Jahren sah es so aus, dass sich nur Wenige Sorgen darüber gemacht haben - das Land war vereint und wo interne Verwaltungsgrenzen gezogen wurden, kümmerte die Bevölkerung zur damaligen Zeit nicht besonders. Es ist wichtiger, sich daran zu erinnern, dass die spätere Führung des Landes, zum Zeitpunkt des Zusammenbruchs der UdSSR, die Existenz der Krim vergessen hat, so wie auch ihre Bevölkerung und sich nicht den Kopf darüber zerbrach, mit wem und wohin die Halbinsel gehen wird, wie die Menschen dort leben werden. Es war eine völlig unverantwortliche Politik der drei Führer, die innerhalb von fünf Minuten in den Belowescher Verhandlungen den harten und gefährlichen Weg der Krim nach Hause, nach Russland, vorbestimmt hat. Die Präsidenten Russlands, der Ukraine und Weißrusslands, Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislaw Schuschkewitsch, die sich im engen Kreis versammelten, stellten der UdSSR den Totenschein aus und vergaßen dabei einige Kleinigkeiten. Sie haben vergessen, ihre Leute zu fragen, sie haben vergessen die notwendigen Dokumente vorzubereiten, auf deren Grundlage die postsowjetische Existenz der neuen Staatsformationen aufgebaut werden sollte.

Die Krim wurde bei den Verhandlungen komplett vergessen - es war kein Thema in der Vereinbarung der drei Präsidenten. 

So wurde die vergessene Krim zu einer Mine mit verzögerter Wirkung, die de facto nach einigen Jahrzehnten explodierte. In den ersten zehn Jahren nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde sich gelegentlich mal an die Krim erinnert, aber ohne großes Interesse. Die Ukraine, die die Krim-Perle bekommen hat, dachte überhaupt nicht über die weitere Entwicklung der Halbinsel, ihrer Bewohner, nach. Für Russland blieb die Krim nur wegen der Erhaltung des Flottenstützpunktes in Sewastopol im Bewusstsein. Und nur die Bevölkerung der Krim stand seit dem ersten Tag des Zusammenbruchs der UdSSR ständig unter Druck, ohne zu wissen wer sie sind, zu wem sie gehören - sind sie schon Ukrainer oder noch russische Bürger? Die Ukraine nahm das großzügige und unverdiente Geschenk gerne an und versprach, die Krim zu einem Paradies auf Erden zu machen. Aber Versprechen blieben Versprechen. Statt dessen begannen einheimische Neureiche Land, Geschäfte und Gebäude für ein Appel und Ei aufzukaufen und schon bald verwandelte sich das reiche Land in eine verarmte Stieftochter, um die sie nicht mehr gekümmert wurde. Wäre die russische Schwarzmeerflotte nicht gewesen, hätte sich auch das schöne Sewastopol, ein Teil der reichen und heroischen russischen Geschichte, in eine gewöhnliche Hafenstadt verwandelt. An die Tatsache, dass die Bewohner der Krim fast unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit erklärten, erinnerten sich die Behörden kaum noch.

Dieser Zustand dauerte bis zum Februar 2014 an, als die Kämpfer des Majdan, von Radikalen und Nationalisten aufgestachelt, praktisch einen Militärputsch vollzogen haben. 

Der legitime Präsident Janukowitsch floh aus dem Land, das Parlament wurde aufgelöst und die Regierung wurde ihrer Befugnisse beraubt. Als bekannt wurde, dass das neue Halb-Militärregime, welches sich auf die ultra-nationalistischen Ideen des Nazikollaborateurs Stepan Bandera stützte, das Motto „Die Ukraine für die Ukrainer“ ausgerufen hat, kam die Krim in Bewegung. Die Halbinsel mit einer Bevölkerung von fast 2,5 Millionen Menschen konnte sich kaum zu einer „sauberen Ukraine" erklären, „frei von anderen Nationalitäten“. Laut Wikipedia stellten damals auf der Krim die Russen eine absolute Mehrheit der Einwohner - etwa 70%. Andere Quellen geben sogar bis zu 80% an. Die Krim-Bewohner vermochten es sich nicht vorzustellen, dass Kiew seine neonationalistischen Ideen auf Grundlage des Verbots der russischen Sprache und der Ablehnung der russischen Kultur auf der Halbinsel durchsetzen könnte.

In der Tat, reicht es völlig aus Sewastopol zu erwähnen, das für viele Generationen ein Symbol des militärischen Ruhmes und der zivilen Reife der Gesellschaft geblieben ist. Die besten russischen Schriftsteller, beginnend mit Leo Tolstoi, widmeten ihre Werke Sewastopol. Und die heroische Verteidigung der Stadt während des Zweiten Weltkriegs ist ein ganzes Kapitel im Leben des russischen Volkes. Die Tatsache, dass rechtsradikalgerichtete Brigaden mit einem adaptieren Hakenkreuz auf den Ärmeln auf den Straßen der Stadt patrouillieren könnten, war niemand willens zu akzeptieren. Eine große Mehrheit der Bevölkerung begann in spontanen Kundgebungen zur Unterstützung der russischen Sprache und zur Vermeidung eines rechtsgerichteten Putsches wie auf dem Majdan aufzurufen.

Daraufhin beschloss das Parlament der Krim im Februar die Durchführung eines Referendums und am 17. März 2014 wurde nach dessen Ausgang die Unabhängigkeit der Halbinsel ausgerufen

Die absolute Mehrheit der Krim-Bewohner hat sich für die Unabhängigkeit und für einen Anschluss an Russland ausgesprochen. Am 18. März 2014 stimmte Russland der Anfrage zu und die Krim kehrte, nach mehreren Jahrzehnten Unsicherheit und Instabilität, nach Russland zurück. Der Westen reagierte - unter dem Druck der USA - überraschend. Er sah den freien Willen der Menschen nicht so gern, sondern verlangte Sanktionen gegen Russland zu verhängen und begann das Wort „Annexion“ zu verwenden.

Die Grundlage für diese Entscheidung war die Tatsache, dass Russland die Ergebnisse des Referendums anerkannt hat. Russland wurde der Aggression beschuldigt, man weigerte sich die Krim-Unabhängigkeit anzuerkennen, es wurden Vorwürfe erhoben, dass militärische Gewalt angewendet wurde und, dass die Trennung der Krim von der Ukraine erzwungen wurde. Die Vereinigten Staaten, denen praktisch alle EU-Länder folgten, verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland, gegen Firmen, gegen Einzelpersonen.

Eine auffällige Doppelzüngigkeit. 

Das Kosovo, wo niemand ein Referendum abhalten konnte und Jugoslawien zum Ziel der Bombardierung von NATO-Streitkräften wurde, gilt als ein Musterbeispiel für Demokratie. Auch Tausende von unschuldigen Opfern und Zehntausende von Flüchtlingen, die ihre Häuser während der „Demokratisierung“ des Kosovo verlassen mussten, verwirren die liberale Gemeinde in Europa und in der Welt kaum. Das friedliche Referendum auf der Krim wird jedoch als Aggression und Gewalt bezeichnet. Das ist wirklich eine Politik der doppelten Standards.

"Die Welt sah plötzlich eine Situation, deren Entstehung so niemand erwartet hat. Plötzlich stellte sich heraus, dass ein einzelnes Gebiet mit einer relativ kleinen Anzahl von Menschen seinen Willen ausdrücken kann. Und dafür sind die Leute nicht auf den Majdan gerannt und haben dabei auch keine 100-200 Menschen erschossen. Hier wurde keine illegale Regierung geschaffen, wie damals in der Ukraine, sondern es wurde ein legitimes Referendum durchgeführt“, - schrieb der beliebte Mediaklub „Format A3“ auf seiner Webseite.

(http://www.format-a3.ru/events/event-405/

Allerdings geht die Politik in Europa und in Deutschland eindeutig nicht im Einklang mit ihrer Wirtschaft, die trotz der Sanktionen immer mehr Interesse an der Krim zeigt.

"Die Deutschen verstehen, dass die Krim heute eine Möglichkeit ist in Telefonkommunikation, Elektronik und den Straßenbau zu investieren. Es ist klar, dass wenn man vom Handel spricht auch die Automobilindustrie nicht außen vor bleiben kann. Die Deutschen könnten auf der Krim nötigenfalls einige Filialen eröffnen, die Teile und Ersatzteile produzieren könnten.“

https://news-front.info/2018/08/17/aleksandr-sosnovskij-nemtsy-gotovy-investirovat-v-krym-nesmotrya-na-sanktsii/

Heute brauchen die Deutschen die Krim gleicherweise, sowie auch die Krim die Deutschen braucht, schreibt das Online-Magazin „Politexpert“: „Für die Bundesrepublik Deutschland eröffnet sich ein neues, reiches, geographisches Gebiet, das enorme Chancen für Investitionen bietet - von der Natur, bis hin zur Infrastruktur…“

https://politexpert.net/117361-germaniya-investiruet-v-krym-nemeckii-zhurnalist-rasskazal-o-priznanii-poluostrova-rossiiskim

Alexander Sosnowski, Chef-Redakteur von World Economy

Quelle: Format A3 Bilder: @depositphotos @Igor Ochrimenko @worldeconomy

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