Kommentar von Professor Götz Neuneck im Gespräch mit World Economy über die Entscheidung der USA aus dem INF-Vertrag auszusteigen.

Montag, 22. Oktober 2018

Im Jahr 2014 beschuldigte die Obama-Administration Russland den INF-Vertrag verletzt zu haben, indem es bodengestützte Marschflugkörper, mit einer Reichweite von mehr als 500 km, stationiert hat. Marschflugkörper oder Ballistische Raketen sind, wenn sie über eine Distanz getestet wurden, die 500 km überschreitet, eine Verletzung des INF-Vertrags.

Aber Russland bestreitet das. Die russische Regierung sagt, dass alles vertragskonform ist. Und Russland erhebt seinerseits Vorwürfe, dass die beiden Raketenabwehrsysteme in Polen und Rumänien nicht nur Abfangjäger beherbergen könnten - die defensiv sind - sondern auch offensive Marschflugkörper und das wäre ebenfalls eine Verletzung des Vertrages. Also, die ganze Krise ist schon ein bisschen älter.

Prof. Götz Neuneck, Stellv. Wissenschaftlicher Direktor des IFSH (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg

Der Vertrag ist wichtig für die europäische Sicherheit. Wenn der Vertrag nicht mehr da ist, dann haben wir keine Beschränkungen für Raketen mit einer Reichweite von über 500 km, was eine ernsthafte Bedrohung für die NATO wäre. Auf der anderen Seite, könnten die USA damit beginnen, ihre eigenen INF-Systeme in Europa zu stationieren und das würde wiederum Russland bedrohen. Und ich denke, beide Länder (USA und Russland) haben ein Arsenal von etwa 15000 Nuklearwaffen. Also, ich meine, die Gefahr für die europäischen Bürger wieder zu erhöhen, ist ein sehr schlechter Schachzug.

World Economy: T. Gasparyan, I.Tkachenko

Bilder: @depositphotos @worldeconomy

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