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Donnerstag, 10. Mai 2018

Gastkommentar von Menno Aden über einen Wirtschaftskrieg der USA gegen Europa

Es ist 212 Jahre her, dass Napoleon mit der Kontinental - Sperre den ersten großen  Wirtschaftskrieg der Weltgeschichte anzettelte. Das führt zu drei Betrachtungen. 

Von Dr. Menno Aden

1.  Wirtschaftskriege als Eigentor

Staatliche Eingriffe in den Wirtschaftsablauf sind teuer und meistens erfolglos. Schulbeispiel sind die historischen  und  auch heute immer wieder versuchten direkten und indirekten  Preisbegrenzungsgesetze. Insbesondere Embargos,  wie sie unsere amerikanischen Freunde, ziemlich freizügig  hier und da verfügen, und denen wir Europäer  aus lauter Freundschaft Folge leisten, sind im Einzelfall für den embargierten Staat  zwar schädlich, aber  in der Regel bei weitem nicht so wie beabsichtigt. Der Preis auf Seiten des embargierenden Staates wird dabei kaum berechnet. In die  Rechnung gehören nämlich  nicht nur die Ausfälle von  Ex-  und Importen, sondern vor allem der Aufwand  von Verwaltung und Militär,  um diese Maßnahmen glaubwürdig zu erhalten; von dem kaum zu quantifizierenden politischen Schaden nicht zu reden.  Frankreich musste von 1806  bis  1813 die Küste von Gibraltar bis  Memel   überwachen. Das war kaum machbar.  

Napoleon ist letztlich daran gescheitert. Frankreich musste, um die allgemein verhasste Sperre durchzuziehen,   immer schärferen Druck auf die Untertanen ausüben und sah sich zuletzt genötigt,  die Niederlande und das gesamte norddeutsche Küstengebiet bis einschließlich Lübeck  in unmittelbare Verwaltung zu nehmen und zu annektieren.  Das führte zu Fehlallokation wirtschaftlicher und militärischer Ressourcen, die im Russlandfeldzug wahrscheinlich nützlicher gewesen wären.   Der politische  Schaden  aus  diesen Gewaltmaßnahmen für Frankreich war immens und dauert in der historischen Erinnerung an.    Für  das  verhasste Großbritannien war die Kontinentalsperre dagegen  ein Gottesgeschenk. Es hatte  nun   eine  völkerrechtliche  Legitimation, den Niederländern ( die ja nun Franzosen waren) die Kapkolonie und Ceylon wegzunehmen. Der wirtschaftliche Schaden infolge der Sperre war gering.  Großbritannien suchte und fand   neue Märkte in Nord- und Südamerika und bedient  sie z.T. noch heute. Einmal etablierte Handelswege dauern lange, manchmal Jahrhunderte. - wenn sie nicht mit Gewalt unterbrochen werden.   Hie heutige Lage der französischen Exportwirtschaft dürfte daher  zum  Teil auch auf den gewaltsamen   Eingriff von 1806 zurückzuführen sein.  Russland hielt sich nicht an die Kontinentalsperre. Das führte zum Krieg mit Russland und schließlich zum Ende   der französischen Zwangsherrschaft (Schlachten bei Leipzig 1813 und Schlacht bei Waterloo 1815) in Europa.  

2. Die Neue Seidenstraße

Dieses erste Beispiel eines großräumigen Wirtschaftskrieges lädt daher eigentlich nicht zur Wiederholung ein.  Am Ende könnten wir Europäer gewinnen! Zwar mögen wir Märkte in den USA verlieren. Dafür aber lösen wir uns von  einem  Partner, der  seit jeher die Regeln biegt, wenn und wie es ihm passt. Eine Abwendung  Europas vom   USA – Markt macht uns wohl auch glaubwürdiger auf anderen  Märkten.

Wie damals Russland sich nicht dem französischen, so wird sich heute China nicht dem amerikanischen Diktat beugen. China mag  kein einfacher Partner sein, aber es wird auf Sicht kein Interesse daran haben, sich im Handel mit uns zu stören zu lassen. Bereits heute haben sich die alten Warenströme vom Atlantik weg in Richtung Europa-Ostasien verlagert. Hinzu kommt die neuerdings von China forcierte  Neue Seidenstraße. Das ist keine mythologische Figur! Man  kann sie sehen, wenn Züge mit chinesischen Schriftzeichen zwischen Essen und Mülheim die Ruhr  überqueren,  um in Duisburg, Europas größtem Binnenhafen,   be- und entladen zu werden. 

3.  Bagdadbahn und die Neue Seidenstraße

Der    Aufbau der Neuen Seidenstraße drängt die  historische  Parallele zur Bagdad – Bahn auf. Diese sollte vor dem 1. Weltkrieg  von  Deutschland durch das Osmanische Reich bis an den Persischen Golf im  heutigen  Kuwait  führen. Damit wäre die britische Herrschaft über die Seewege zwischen Europa  und  Asien  (also Suez und Südafrika) weitgehend entwertet worden.  Der verbissene  Kampf Großbritanniens gegen dieses Projekt kann auch in meinem Buch Imperium Americanum (Graz 2016) nachgelesen werden.  Diese   Eisenbahnlinie hätte die Handelswege  nach Asien sogar unter eine deutsche Aufsicht  gebracht. Es ist anzunehmen, dass hier ein starkes Motiv  für die Briten war, den  Krieg von 1914 gegen das Deutsche Reich  zu betreiben. Der   Erste Weltkrieg, der die Bagdad Bahn verhinderte,  passte daher sehr gut ins Konzept  des Britischen Weltreiches. 

Heute sind es  nicht  Bagdad – Bahn und Großbritannien, sondern die Bahnlinie durch Sibirien nach Deutschland und  die USA.  Damit haben   wir fast dieselbe Situation wie vor 1914.  Die USA beherrschen zwar die Seewege, aber sie können die Handelswege  zu Lande zwischen Europa und China und Asien nicht ernsthaft stören. Es sei denn ….-  aber hier stockt die Fantasie, weil man sich doch nicht vorstellen will, dass ein amerikanischer Präsident einen Atomkrieg auslösen würde. Freilich steht  der  derzeit regierende  Präsident offenbar an der Grenze zur Schizophrenie. Wer weiß? 

Ergebnis

Die USA werden einen   Handelskrieg gegen uns Europäer nicht gewinnen. Da sie jedoch daran gewöhnt sind, stets Sieger zu sein, werden sie das erst erkennen,  wenn sehr viel politisches Porzellan zerschlagen sein wird. Bis dahin haben wir Europäer uns darauf einzurichten, dass die USA, wie weiland Napoleon, zu immer gewalttätigeren Maßnahmen, wozu diese Macht ohnehin neigt, greifen wird, um ihre Interessen zu sichern.  Das  kann  dazu führen, dass Europa, und hier ist offenbar Deutschland am gefährdetsten, nachhaltig geschädigt wird. Wir sollten uns vorsehen. 

Bilder: @depositphotos

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